Citronen Bey Beerdigung Hn. S. S. M. D. ausge- streuet den 14. Octobr. 1680.

By Heinrich Mühlpfort

Ich liefre deinem Grab mein Freund zu letzt Citronen

Wer sucht bey tieffem Herbst der Tulipanen Zier?

Du Gart- und Blumen Herr bist würdig da zu wohnen

Wo aus den Gräbern auch ein Frühling sprost’ herfür.

Selbst Flora geht bestürtzt in einem Trauer-Kleide

Sie weiß noch was du hast für Nutzen ihr geschafft.

Die Lust-Gefilde stehn als wie bereifft im Leyde

Daß ihr Erhalter ist so zeitlich weggerafft.

Was aber klaget doch das heil’ ge Volck der Musen?

Merckt Phöbus sein Altar von alten Priestern bloß?

Wie oder seh ich schon mit Früchten Hesperthusen

Der drey gedritten Schaar anbiethen Kampff und Loß?

Ach ja was sollen sie doch Sterbe-Lieder singen?

Und Hippocrene sich mit Thränen schwellen an?

Sie wollen dir vielmehr Triumph-Gesänge bringen

Daß unter deinen Fuß ist Noth und Tod gethan.

Nur weil du sie geehrt und mit erhitzten Sinnen

Den Künsten zugethan die Geister ausgeübt

So dencken gleichfals auch die keuschen Castalinnen

Wie ihre Schuldigkeit ein würcklich Zeugnüß gibt.

Denn daß du viel gesehn gelesen und ersahren

Viel hohe Schulen hast mit grossem Ruhm besucht

Die Blüthen angelegt von den begrünten Jahren

Genoß gemeine Stadt nicht sonder Nutz und Frucht.

Allein jetzt sinnen sie dein Grabmal aus zuziehren

Da drey Hesperides entgegen ihnen stehn;

Und melden daß die Pflicht für sie nur will gebühren

Daß Blumen vom Parnaß dein Lob doch nicht erhöhn.

Ja diese schencken dir so schön’ als güldne Früchte

Wo sind die Nymfen her? wo ist ihr Vaterland?

Göttinnen die ihr nie besuchet mein Gedichte

Gebt zu daß euch mein Reim macht etwas mehr bekandt.

Prangt Hesperthusa nicht mit Schalen von Pomrantzen?

Ist mit Limonien nicht Arethusa reich?

Die Aegle will hier bloß Citronen Bäume pflantzen

Du werther Podalir zu schmücken deine Leich’.

Es sey Hesperien der Garten nun gepriesen

Da wo sich Lybien in so viel Krümmen senckt:

Es sey das Mohrenland der Tingitaner Wiesen

Des Gartens Kostbarkeit zum Eigenthum geschenckt;

Und Atlas mag allda den Himmel unterstützen

Damit dem Fabelwerck die Schmincke gar nicht fehlt:

Ein ungeheurer Drach’ ob diesen Aepffeln sitzen

Der bey den Bäumen ligt und alle Früchte zehlt.

Jedweder Zweigsey Gold der Stamm aus Gold entsprossen

Damit kein Hercules was von den Schätzen raubt.

So sinds dem Heydenthum nur angenehme Pössen

Die unser kluge Welt verlachet und nicht glaubt.

Denn was am Cedern-Holtz und an Citronen-Aesten

Von Arten und Gestalt ist bißhieher nicht klar;

Rathgeber der Natur du wustest diß am besten

Dem ihrer Heimlichkeit Schatzkammer offenbar.

Was hat nicht deine Hand gepflantzet und beschnitten?

Welch Saamen und Gewächs ist nicht durch dich erbaut?

Wie weit die Neuen von den Alten abgeschritten

Gab uns dein Garten offt zu sehn an jedem Kraut.

Was will denn Aegle nun vorstellen an Citronen?

Dich selbst Machaons Sohn der weisen Aertzte Zier.

Nichts ist verächtlicher als die gemahlten Bohnen

Hier zieht der Werth der Frucht sie güldnen Aepffeln für.

Wie schön ist die Gestalt? so ein gelehrt Gemüthe?

Der Apffel länglicht rund? So ein erfahrner Mann?

Er nutzet über all durch seiner Gaben Güte

Und Kunst und Wissenschafft zeugt auch die Rundung an.

Was wird das Auge mehr ergetzen als Citronen?

Gekrönter Häupter Mahl sucht ihre Zier und Glantz.

Wo Weisheit und Verstand in einer Seele wohnen

Da windet auch der Ruhm den schönsten Ehren-Krantz.

Nun untersuchen wir den Ursprung wie sie heissen

Der Artzney Apffel mag ein Lebens-Apffel seyn.

Als Evens Vorwitz pflag den Apffel anzubeissen

So büste sie darob den Baum des Lebens ein.

Biß daß ein ander Holtz das wieder uns geschencket.

Ach seelig wer allhier ermuntert seinen Geist

Und für den Juden an die Lauberhütten dencket

So mit Citronen sonst ihr Wahn noch feyren heist.

Was ist die Nutzbarkeit denn endlich von Citronen

Die uns Hesperien in klarem Golde zeigt?

Umb diese soll ein Drach und die drey Schwestern wohnen;

Wie solches der Chymi Geheimnüß nicht verschweigt.

Der Apffel ist das Gold der Drach ein Bild der Sonnen

Daß auch kein Argus nicht so scharff den Schatz bewacht

Es hab’ ein Rosen-Krantz die Deuteley entsponnen;

Nein unser Heyland hat den Drachen tod gemacht.

Es wünschte Chosroes entsetzter aus Genaden

Daß in dem Kercker ihm Citronen nur vergunt:

Auch in der letzten Nacht wenn Tod und Teuffel schaden

Heilt dich O Seeliger dein Heyland jetzt gesund.

Citronen dienen uns zu mehr als tausend Mitteln

Safft Schalen Kern und Fleisch sind Artzney der nichts

Viellägen längst verscharrt in ihren Sterbekitteln

(gleich.

Durch die

Die Schale gibt Confect der Safft heilt Brust und Lunge

Wo laß ich den Geruch dem nichts zu setzen an?

Geist Balsam Oel und Krafft und was nicht meine Zunge

So leicht in einen Reim nach Würden binden kan?

Dein Balsam liebster Freund den du von dir geblasen

Ist dein erworbner Ruhm und reine Redlichkeit.

Kan aber auch die Zeit nicht in Citronen rafen?

Ist ihre Trefflichkeit vor Fäul und Wurmbefreyt?

Nein sie verfaulen so wie unsre mürbe Glieder

Drumb sind Citronen auch noch Leichen zugedacht

Damit sie Gifft und Pest und Seuchen seyn zuwider

Und daß kein böser Dampff an unsern Hals sich macht.

Was ist denn übrig nun? dein Ruhm riecht wie Citronen

Biß du den Lebens-Baum

Die Flora will indeß dein Grabmahl stets bewohnen

Und die Hesperides Citronen darauff bau’n