Citronen Bey Beerdigung Hn. S. S. M. D. ausge- streuet den 14. Octobr. 1680.
Ich liefre deinem Grab mein Freund zu letzt Citronen
Wer sucht bey tieffem Herbst der Tulipanen Zier?
Du Gart- und Blumen Herr bist würdig da zu wohnen
Wo aus den Gräbern auch ein Frühling sprost’ herfür.
Selbst Flora geht bestürtzt in einem Trauer-Kleide
Sie weiß noch was du hast für Nutzen ihr geschafft.
Die Lust-Gefilde stehn als wie bereifft im Leyde
Daß ihr Erhalter ist so zeitlich weggerafft.
Was aber klaget doch das heil’ ge Volck der Musen?
Merckt Phöbus sein Altar von alten Priestern bloß?
Wie oder seh ich schon mit Früchten Hesperthusen
Der drey gedritten Schaar anbiethen Kampff und Loß?
Ach ja was sollen sie doch Sterbe-Lieder singen?
Und Hippocrene sich mit Thränen schwellen an?
Sie wollen dir vielmehr Triumph-Gesänge bringen
Daß unter deinen Fuß ist Noth und Tod gethan.
Nur weil du sie geehrt und mit erhitzten Sinnen
Den Künsten zugethan die Geister ausgeübt
So dencken gleichfals auch die keuschen Castalinnen
Wie ihre Schuldigkeit ein würcklich Zeugnüß gibt.
Denn daß du viel gesehn gelesen und ersahren
Viel hohe Schulen hast mit grossem Ruhm besucht
Die Blüthen angelegt von den begrünten Jahren
Genoß gemeine Stadt nicht sonder Nutz und Frucht.
Allein jetzt sinnen sie dein Grabmal aus zuziehren
Da drey Hesperides entgegen ihnen stehn;
Und melden daß die Pflicht für sie nur will gebühren
Daß Blumen vom Parnaß dein Lob doch nicht erhöhn.
Ja diese schencken dir so schön’ als güldne Früchte
Wo sind die Nymfen her? wo ist ihr Vaterland?
Göttinnen die ihr nie besuchet mein Gedichte
Gebt zu daß euch mein Reim macht etwas mehr bekandt.
Prangt Hesperthusa nicht mit Schalen von Pomrantzen?
Ist mit Limonien nicht Arethusa reich?
Die Aegle will hier bloß Citronen Bäume pflantzen
Du werther Podalir zu schmücken deine Leich’.
Es sey Hesperien der Garten nun gepriesen
Da wo sich Lybien in so viel Krümmen senckt:
Es sey das Mohrenland der Tingitaner Wiesen
Des Gartens Kostbarkeit zum Eigenthum geschenckt;
Und Atlas mag allda den Himmel unterstützen
Damit dem Fabelwerck die Schmincke gar nicht fehlt:
Ein ungeheurer Drach’ ob diesen Aepffeln sitzen
Der bey den Bäumen ligt und alle Früchte zehlt.
Jedweder Zweigsey Gold der Stamm aus Gold entsprossen
Damit kein Hercules was von den Schätzen raubt.
So sinds dem Heydenthum nur angenehme Pössen
Die unser kluge Welt verlachet und nicht glaubt.
Denn was am Cedern-Holtz und an Citronen-Aesten
Von Arten und Gestalt ist bißhieher nicht klar;
Rathgeber der Natur du wustest diß am besten
Dem ihrer Heimlichkeit Schatzkammer offenbar.
Was hat nicht deine Hand gepflantzet und beschnitten?
Welch Saamen und Gewächs ist nicht durch dich erbaut?
Wie weit die Neuen von den Alten abgeschritten
Gab uns dein Garten offt zu sehn an jedem Kraut.
Was will denn Aegle nun vorstellen an Citronen?
Dich selbst Machaons Sohn der weisen Aertzte Zier.
Nichts ist verächtlicher als die gemahlten Bohnen
Hier zieht der Werth der Frucht sie güldnen Aepffeln für.
Wie schön ist die Gestalt? so ein gelehrt Gemüthe?
Der Apffel länglicht rund? So ein erfahrner Mann?
Er nutzet über all durch seiner Gaben Güte
Und Kunst und Wissenschafft zeugt auch die Rundung an.
Was wird das Auge mehr ergetzen als Citronen?
Gekrönter Häupter Mahl sucht ihre Zier und Glantz.
Wo Weisheit und Verstand in einer Seele wohnen
Da windet auch der Ruhm den schönsten Ehren-Krantz.
Nun untersuchen wir den Ursprung wie sie heissen
Der Artzney Apffel mag ein Lebens-Apffel seyn.
Als Evens Vorwitz pflag den Apffel anzubeissen
So büste sie darob den Baum des Lebens ein.
Biß daß ein ander Holtz das wieder uns geschencket.
Ach seelig wer allhier ermuntert seinen Geist
Und für den Juden an die Lauberhütten dencket
So mit Citronen sonst ihr Wahn noch feyren heist.
Was ist die Nutzbarkeit denn endlich von Citronen
Die uns Hesperien in klarem Golde zeigt?
Umb diese soll ein Drach und die drey Schwestern wohnen;
Wie solches der Chymi Geheimnüß nicht verschweigt.
Der Apffel ist das Gold der Drach ein Bild der Sonnen
Daß auch kein Argus nicht so scharff den Schatz bewacht
Es hab’ ein Rosen-Krantz die Deuteley entsponnen;
Nein unser Heyland hat den Drachen tod gemacht.
Es wünschte Chosroes entsetzter aus Genaden
Daß in dem Kercker ihm Citronen nur vergunt:
Auch in der letzten Nacht wenn Tod und Teuffel schaden
Heilt dich O Seeliger dein Heyland jetzt gesund.
Citronen dienen uns zu mehr als tausend Mitteln
Safft Schalen Kern und Fleisch sind Artzney der nichts
Viellägen längst verscharrt in ihren Sterbekitteln
(gleich.
Durch die
Die Schale gibt Confect der Safft heilt Brust und Lunge
Wo laß ich den Geruch dem nichts zu setzen an?
Geist Balsam Oel und Krafft und was nicht meine Zunge
So leicht in einen Reim nach Würden binden kan?
Dein Balsam liebster Freund den du von dir geblasen
Ist dein erworbner Ruhm und reine Redlichkeit.
Kan aber auch die Zeit nicht in Citronen rafen?
Ist ihre Trefflichkeit vor Fäul und Wurmbefreyt?
Nein sie verfaulen so wie unsre mürbe Glieder
Drumb sind Citronen auch noch Leichen zugedacht
Damit sie Gifft und Pest und Seuchen seyn zuwider
Und daß kein böser Dampff an unsern Hals sich macht.
Was ist denn übrig nun? dein Ruhm riecht wie Citronen
Biß du den Lebens-Baum
Die Flora will indeß dein Grabmahl stets bewohnen
Und die Hesperides Citronen darauff bau’n