[Clorinde/ kanst du lustig stehen]

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Clorinde kanst du lustig stehen

Wenn einer rose schönes haupt

Auff ihrem stocke muß vergehen

Nicht etwa von der faust geraubt

So sie mit würden könte tragen

Sie legen auff die schöne brust

Und mit erfrischtem hertzen sagen:

Hier ist ein königreich voll lust.

Nein nein du schaust bestürtzt darnieder

Läst tieffe seuffzer von dir gehn

Das kleinste deiner zarten glieder

Muß in dem trauer-stande stehn;

Wie klagstu über solche sachen

Die man in allen gärten bricht?

Laß dich dasselbe traurig machen

So dir ein übel urtheil spricht.

Erkenne dich und lerne kennen

Daß wo itzt blut und blüte siegt

Wo allerhand begierden brennen

Einst eine faule wurtzel liegt.

Es werden deine zarte wangen

Nicht stetig rosen-stöcke seyn

Bey ihnen fällt so wohl das prangen

Als bey der rose zier und schein.

Drum laß mich deine rosen brechen

Weil hier noch stock und blüte neu

Ach weine! werd ich selten sprechen

Das frische graß giebt welckes heu.

Komm komm und folge meiner lehre

Die Venus hat es auch gethan

Und tausend mehr was ist die ehre?

Ein kluges nichts ein blosser wahn.