Cometen-Gedancken/ An. 1664
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
O Flamme von dem Zorn des Höchsten angesteckt
Zu welcher unsre Schuld hat Stroh und Holtz gegeben
Du must vor aller Welt am hohen Himmel schweben
Damit der schnöde Mensch vom Sünden-Schlaff erweckt
Die Strahlen deiner Glutt in Marck und Bein empfinde
Das Feuer heisser Buß in seiner Seel entzünde.
Es darff Tisifone der schwarzen Fackel nicht
Die ein verblendter Heyd als schädlich wird erkennen:
Was für ein Feuer soll ins künfftig wieder brennen
Bezeuget mehr als viel dein dunckel-rothes Licht
Das so viel Strahlen nicht von seiner Ruthe spreitet
So viel uns Ach und Weh die Nemesis bereitet.
Die Nemesis die sich nicht eh zu Frieden stellt
Biß daß sich Blutt und Safft aus unsern Adern zehret
Biß Krieg biß Brand und Pest Dorff Stadt und Land verheeret
Biß Staub und Asch und Grauß bedecket alle Welt
Biß dieser rundte Bau vom Feuer auffgefressen
Und von dem Höchsten selbst Gerichte wird gesessen.
Was Rath ist hier zu thun? Ein Epicurer sagt:
Was scheuen wir die Glutt der ungewissen Flammen
Eh daß sie über Haubt und Hertze schlägt zusammen
Wofern der Mensch dadurch zur Straffe wird betagt
Soll er der kurtzen Frist in Ruh und Lust genüssen
Wo nicht was will er sich in eitler Sorge wissen?
Diß aber heist das Oel dem Feuer setzen bey:
Hier muß ein Christen-Hertz auff andre Mittel dencken
Des Höchsten strengen Zorn und Eyfer abzulencken
Vor dem der feste Grund der Felsen reist entzwey
Der über alle Zeit ohn alles Ende währet
Und nicht wie dieser Stern sich mit der Zeit verzehret.
Die Busse muß allhier das beste Mittel seyn
Das Gottes strengen Grimm in tieffen Abgrund sencket
Und in gesaltzner Flutt der Thränen-See erträncket:
Der Rachen führet uns in sichern Hafen ein
Wenn das geraume Schiff des Himmels und der Erden
Am grossen Tage wird des Feuers Beute werden.
Hier liegt dein armes Volck o viel erzürnter Gott!
In wahrer Reu und Leyd für deinem hohen Throne
Wir bitten: strenger Herr und liebster Vater schone
Verschon und wende weg die angedräute Noth:
Und soll ja unser Leib nach deinem Willen büssen
So laß die Seele doch sich frey und sicher wissen.