Cörperliche und geistige Grösse.

By Barthold Heinrich Brockes

In des Himmels tiefen Ferne

Seh ich Millionen Sterne,

Und bewundre Zahl und Schein,

Auch die ungeheure Grösse

Dieser herrlichen Gefässe,

Welche nicht zu messen seyn.

Ich erstaunt’ ob ihrer Schaar!

Wie ich nun mit ihnen mich

Und mein Cörperchen verglich;

So verschwand ich ganz und gar.

Ach! fiel mir darüber ein:

Kann ein Wesen, das so klein,

Denn so übermühtig seyn?

A. Jmmer bringst du solche Dinge,

Jmmer machst du so geringe,

Was doch so unschätzbar ist.

Ist der Mensch denn etwan, bloß

Seines Cörpers halben, groß?

Nein. Sein unumschränkter Geist

Ist, der unsre Grösse weist.

B. Mit recht aufgeblas'nem Muhte

Thust du dich, auf deinen Geist,

Jmmer etwas Rechts zu gute,

Der sich unumschränkt fast heißt.

Aber hör! der Gottheit Wesen,

Das du dir, vermessentlich,

Oft, zum Vorwurf, selbst erlesen,

Muß, bey deinem Geiste, sich,

Ohne Zweifel, grösser zeigen,

Als die Cörper aller Welt

Deinen Cörper übersteigen.

Doch bleibt bey dir fest gestellt:

Von dir werde GOtt sich fassen,

Und Sein Raht begreifen lassen.