Critische Betrachtungen über des Herrn von Hagedorn Ode auf den Weisen.
Ein andrer, dessen Schrift mein wallend Hertz bewegt,
Daß mein Gesang sein Lob auf willgen Flügeln trägt,
Ist jener, den ein Schwarm verbuhlter Fröhligkeiten,
Die Zärtlichkeit, der Witz, und schlaue Schertz begleiten.
Er führte sie zuerst bey Hamburgs Schönen ein;
Bey ihrer Ankunft floh der falschen Frommen Schein,
Der Zunge Furchtsamkeit, die Plumpheit im Betragen,
Der Glieder träge Last, die Minen, die nichts sagen,
Das Lachen ohne Sinn, die schwartze Sudeley,
Mit der gekauften Lust, und wüsten Schwelgerey.
Wovon er nur erzählt, das kriegt urplötzlich Sitten.
Annehmlichkeit und Reitz wächßt unter seinen Tritten.
Die Wahrheit weiset sich in holder Zierlichkeit,
Und die Natur gläntzt hier gantz prächtig ungekleidt.
Natürlichs dieser Art ist kaum genug zu schätzen,
Und dem Erhabnen selbst nur wenig nachzusetzen.