D er P oesie rechtmässige K la- ge über die gekrönten und andre när- rische Poet...

By Christian Friedrich Hunold

Apollo laß dir doch in tieffer Demuth klagen

Wie meine Reinlichkeit so sehr beflecket ist

Wie meine Jungferschafft sich läst zu Grabe tragen

Wenn du gerechter Fürst nicht meine Rettung bist.

Mein Nahme welchen ja die Götter selber führen

Muß ein verächtlich Wort in vielen Ohren seyn:

Es wil sich jeder Narr mit meinen Schmucke Zieren

Und manches Irrlicht prahlt durch den entlehnten Schein.

Ach schaue grosser Fürst wie diese Lorbeer-Crone

So deine Gnade mir auff meine Scheitel setzt

Die Ungeschicklichkeit anitzo trägt zu Lohne

Daß sie die Klugheit auch vor einen Stroh-Krantz schätzt.

Ich edle Poesie bin von der Kunst beneidet

Daß mich ein hoher Geist sonst was Galantes hieß

Weil mancher Tölpel sich mit meinen Zierath kleidet

Dem doch natürlicher die Narren-Kappe ließ.

Sonst war ich die Geburth der hocherhabnen Sinnen

Die Helden nennten sich mir glücklich unterthan:

Nun denckt ein Eselskopff mein Kleinod zu gewinnen

Man sieht mich überall nur vor ein Hurkind an.

Wie Schalck und Schelm zuvor nur Ehren Titel hiessen

So schlisset Schimpff und Schand anitzt ihr Wappen ein:

So wird was mich zuerst vor Göttlich hat gepriesen

Durch Kriepel der Vernunfft mein Spott und Tadel seyn.

Es kan gantz Indien nicht so viel Affen hecken

Als wie der Hundes-Stern Poeten-Würmer zeugt:

Die frische Saat kan nicht so voller Hasen stecken

Als eine grosse Zahl in meinen Garten steigt.

Da sol vor Kraut und Kohl der Weißheit-Blume grünen

Die ihnen Thorheit doch wie Kröten-Gifft gewehrt

Wie kan Minervens Kost in dem Gehirne dienen

Das steten Aberwitz wie Raupen-Nester nehrt?

Ein Schul-Fuchs welcher sich statt Rom und Griechenlandes

Nur in der Untern-Welt der Jungen ümgesehn

Schmiert mich vors A. B. C. als ihm was gar bekantes

Der Knaben Blasebalg muß ihm die Geister wehn.

Ein Kerl der offtermahls die trefflichsten Geschichte

Von Huren-Wirthen nur und allen Weibern zehlt:

Der vor den rechten Kern scharffsinniger Gedichte

Nur der Pedanterey unnütze Schaalen wehlt:

Der seine Strophen muß aus frembden Büchern stehlen:

Der nichts aus seinen Kram mit Ruhm zu Marckte bringt:

Dem Witz und Lieblichkeit mit den Fünffsinnen fehlen:

Ein Tummer Midas Kopff der zu der laute singt:

Ein Klepper welcher sich von denen läst bereiten

Die manchen lumpen Volck auch Verse zugedacht:

Postillen die vors Geld ein jeder darf beschreiten

Die man zu unsrer Last gar leicht zu Eseln macht:

Die schnöde Mißgebuhrt ein kahler Hochzeit-Reimer

Der manches Ehren-Mahl wie Fliegen-Dreck beschmeist:

Ein Schwermer meiner Kunst ein Phantasien-Träumer

Der sich geradebrecht ein jeder Zeilen weist:

Der tausend Grillen hat und wenig kluge Geister:

Dem in der Flegel-Zunfft die Oberhand gebührt:

Der seiner Zunge nicht noch seiner Sinnen Meister:

Der Maßla im Gehirn vor Saltz im Munde führt;

Diß sag' ich grosser Fürst sind meiner Ehren-Schänder

Und wollen mit Gewalt mein Schmuck und Zierath seyn.

Die Uberschrifften sind offt ihrer Narrheit Pfänder

Und stellen sich doch noch mit grossen Titeln ein.

Zwar grosse Schellen pflegt ein grosser Narr zu haben;

Doch keine Raserey hat mich so sehr gekränckt

Als das mein theurer Sohn (der schon vorlängst begraben

Doch sein Gedächtniß noch in klugen Hertzen henckt:)

Das Kleinod Schlesiens ein Muster aller Zeiten

Ein Schwan der wunderschön nach seinen Tode singt

Daß diesen welcher kan die Sternen überschreiten

Ein Knabe der Vernunfft zu seiner Hechel zwingt.

Der arme Stumper weiß nicht was er hat verletzet

Und sein Verstand ist hier den Maul-Wurffs Augen gleich

Die kleinste Sylbe nur die Lohen-Stein gesetzet

Ist mehr als sein Gehirn an Witz und Geiste reich.

Nun diesen wird mein Fürst nur in die Cur verdingen

Wo man dem Krancken-Kopff die Würmer schneiden kan

Und das mich andre nicht um meinen Lorber bringen

Fleht meine Demuth dich um deinen Beystand an.