D er P oesie rechtmässige K la- ge über die gekrönten und andre när- rische Poet...
Apollo laß dir doch in tieffer Demuth klagen
Wie meine Reinlichkeit so sehr beflecket ist
Wie meine Jungferschafft sich läst zu Grabe tragen
Wenn du gerechter Fürst nicht meine Rettung bist.
Mein Nahme welchen ja die Götter selber führen
Muß ein verächtlich Wort in vielen Ohren seyn:
Es wil sich jeder Narr mit meinen Schmucke Zieren
Und manches Irrlicht prahlt durch den entlehnten Schein.
Ach schaue grosser Fürst wie diese Lorbeer-Crone
So deine Gnade mir auff meine Scheitel setzt
Die Ungeschicklichkeit anitzo trägt zu Lohne
Daß sie die Klugheit auch vor einen Stroh-Krantz schätzt.
Ich edle Poesie bin von der Kunst beneidet
Daß mich ein hoher Geist sonst was Galantes hieß
Weil mancher Tölpel sich mit meinen Zierath kleidet
Dem doch natürlicher die Narren-Kappe ließ.
Sonst war ich die Geburth der hocherhabnen Sinnen
Die Helden nennten sich mir glücklich unterthan:
Nun denckt ein Eselskopff mein Kleinod zu gewinnen
Man sieht mich überall nur vor ein Hurkind an.
Wie Schalck und Schelm zuvor nur Ehren Titel hiessen
So schlisset Schimpff und Schand anitzt ihr Wappen ein:
So wird was mich zuerst vor Göttlich hat gepriesen
Durch Kriepel der Vernunfft mein Spott und Tadel seyn.
Es kan gantz Indien nicht so viel Affen hecken
Als wie der Hundes-Stern Poeten-Würmer zeugt:
Die frische Saat kan nicht so voller Hasen stecken
Als eine grosse Zahl in meinen Garten steigt.
Da sol vor Kraut und Kohl der Weißheit-Blume grünen
Die ihnen Thorheit doch wie Kröten-Gifft gewehrt
Wie kan Minervens Kost in dem Gehirne dienen
Das steten Aberwitz wie Raupen-Nester nehrt?
Ein Schul-Fuchs welcher sich statt Rom und Griechenlandes
Nur in der Untern-Welt der Jungen ümgesehn
Schmiert mich vors A. B. C. als ihm was gar bekantes
Der Knaben Blasebalg muß ihm die Geister wehn.
Ein Kerl der offtermahls die trefflichsten Geschichte
Von Huren-Wirthen nur und allen Weibern zehlt:
Der vor den rechten Kern scharffsinniger Gedichte
Nur der Pedanterey unnütze Schaalen wehlt:
Der seine Strophen muß aus frembden Büchern stehlen:
Der nichts aus seinen Kram mit Ruhm zu Marckte bringt:
Dem Witz und Lieblichkeit mit den Fünffsinnen fehlen:
Ein Tummer Midas Kopff der zu der laute singt:
Ein Klepper welcher sich von denen läst bereiten
Die manchen lumpen Volck auch Verse zugedacht:
Postillen die vors Geld ein jeder darf beschreiten
Die man zu unsrer Last gar leicht zu Eseln macht:
Die schnöde Mißgebuhrt ein kahler Hochzeit-Reimer
Der manches Ehren-Mahl wie Fliegen-Dreck beschmeist:
Ein Schwermer meiner Kunst ein Phantasien-Träumer
Der sich geradebrecht ein jeder Zeilen weist:
Der tausend Grillen hat und wenig kluge Geister:
Dem in der Flegel-Zunfft die Oberhand gebührt:
Der seiner Zunge nicht noch seiner Sinnen Meister:
Der Maßla im Gehirn vor Saltz im Munde führt;
Diß sag' ich grosser Fürst sind meiner Ehren-Schänder
Und wollen mit Gewalt mein Schmuck und Zierath seyn.
Die Uberschrifften sind offt ihrer Narrheit Pfänder
Und stellen sich doch noch mit grossen Titeln ein.
Zwar grosse Schellen pflegt ein grosser Narr zu haben;
Doch keine Raserey hat mich so sehr gekränckt
Als das mein theurer Sohn (der schon vorlängst begraben
Doch sein Gedächtniß noch in klugen Hertzen henckt:)
Das Kleinod Schlesiens ein Muster aller Zeiten
Ein Schwan der wunderschön nach seinen Tode singt
Daß diesen welcher kan die Sternen überschreiten
Ein Knabe der Vernunfft zu seiner Hechel zwingt.
Der arme Stumper weiß nicht was er hat verletzet
Und sein Verstand ist hier den Maul-Wurffs Augen gleich
Die kleinste Sylbe nur die Lohen-Stein gesetzet
Ist mehr als sein Gehirn an Witz und Geiste reich.
Nun diesen wird mein Fürst nur in die Cur verdingen
Wo man dem Krancken-Kopff die Würmer schneiden kan
Und das mich andre nicht um meinen Lorber bringen
Fleht meine Demuth dich um deinen Beystand an.