D ergleichen über ihre Untreu.
Kan wohl ein sterblicher von mehrern Unglück wissen?
Wenn mein Vergnügen stirbt so leben Angst und Noth:
Mein Licht verbirget sich doch nicht die Finsternissen
Mein Leben selber flieht so martert mich der Todt.
Das Liebste will mein Feind die Feinde Freunde werden
Die Furien sind da die weil mein Engel fleucht
Die Meisterin verbannt den Schüler von der Erden
Weil er den Griffel nicht mit puren Gold bestreicht
Doch dein Magnet ist falsch wenn er nur Gold will ziehen
Wie zog er denn zu vor auch Fleisch und Blut an sich?
Die Nadel darf sich sonst nach Norden nur bemühen
Und hier ist Kupffer mehr als kostbar Ertz vor dich.
Doch kan man schlecht Metal nicht auch zu Golde machen?
Ach ja wer mit den Stein der Weisen ist beglückt:
Und hab' ich diesen nicht? Erinnre dich mit lachen
Wie offt du ihn so wohl mit deiner Hand gedrückt.
Doch dein Gedächtniß ist dem Monde gleich zu schätzen
Es nimmet bey mir ab bey andern wird es voll.
Nun will der Geist den Leib in gleichen grade setzen
Und deinem Hochmuth dient nur fremder Liebes-Zoll.
Die Venus kan mich zwar nicht ihren Stiff-Sohn nennen
Sie lässet der Natur die steiffen Zügel nach.
Doch Hymens Fackel darf bey solcher Gluth nicht brennen
Der Juno Tempel weißt den Weg zum Schlaff-Gemach.
Ach köndte meine Hand so kostbar Weyrauch streuen
So würde mir dein Schooß noch zum Altar gereicht:
Ich müste Gold-Tinctur wie Perlen Tropffen speyen
Weil Lieb und Gelbesucht nur bey den Mitteln weicht.
Doch fülle nur die Hand und hüte dich für Pillen
Die nach neun Monate die Würckung lassen sehn
Die Mässigkeit kan auch den Liebes-Hunger stillen
Sonst wird Verrähterey durch eine Wieg' entstehn.
Nun meine Sorgfalt kan nicht deinen Zorn verdienen
Du liessest mich ja sonst darum bekümmert seyn.
Ich fragte: Will es noch in guten Wohlseyn grünen?
Blöst Zephirs Lieblichkeit auch kühle Lufft hinein?
Wie schlägt der Pulß auch noch? Wie schreiben sich die Zeiten?
Bleicht irgends Purpur roht die Rosen im Gesicht?
Wie thut es dir auch weh im Tantzen und im Schreiten?
Und was die Liebe mehr von dieser Sache spricht.
Nun konte dieser Schertz dir eine Lust erwecken?
So höre meinen Raht der auf dein bestes denckt.
Das Paradiß ist schön wo keine Schlangen hecken
Und dessen enge Thür den schwersten Zutritt schenckt.
Allein mir scheint bereits wie Leipzig zu den Garten
Vielleicht was höhers auch den Schlüssel finden kan.
Was muste meine Hand denn deine Rose warten?
Und warum schaut' ich sie nur ungebrochen an?
Dein Haven war zuvor mit Ketten zugeschlossen
Die Zucht und Ehrbarkeit in ihrer Schmiede macht.
Doch diese hat der Feind mit weichen Qvarck zerschossen
Weil Geilheit auff der Hut zu deiner Schande wacht.
Ein jeder weiß zwar nicht dein Ufer zu erreichen
Wo güldne Flaggen wehn da geht es glücklich fort;
Denn Tugend muß anitzt die schlaffen Seegel streichen
Die Silber-Flotte kömt allein an deinen Port.
Mein Ancker kan sich nicht zu deinen Grund gesellen
Weil ihn vor pures Gold ein schlechter Stahl beschwert:
Du bist Cleopatra die statt den keuschen Wellen
Nur auff das Wollust-Meer in güldnen Schiffe fährt.
Doch heisset die Vernunfft dich nicht den Ausgang scheuen
Da dir die Natern schon den schönen Leib ümringt?
Die in den Busen-Milch und Gifft in Brunnen speyen
Davon der Keuschheit-Schloß in tausend Stücken springt?
Nein nein du hörest nichts von reinen Turtel-Tauben
Ein lustger Sperling kömt dir angenehmer vor.
Wer treu und redlich liebt verliehrt bey dir den Glauben
Nur der Sirenen Klang hat ein geneigtes Ohr.
Ich bin in deiner Gunst Menandern gleich gewesen
Der ob er noch so viel von Thats Schönheit schreibt
So dürffen andre doch die besten Blumen lesen
Da mir ein kahler Griff vor alle Mühe bleibt.
Nun wirffstu mirtzwar ein: daß unter allen Sinnen
Ja der Empfindlichste das süsse Fühlen sey:
Doch dieses mehrt den Schmertz denn Zeit und Glück zerinnen
Ich darff der rechten Lust nur in Gedancken bey.
Was aber hilfft es mir dich in Gedancken küssen?
Was bau' ich in die Lufft ein andrer auff die Brust?
Was beiß ich mich denn stumpff an lauter tauben Nüssen
Ein Traum schwächt nur den Leib doch nicht die heisse Lust.
Nun wolt' ich zwar nicht erst die keusche Muschel brechen
Biß mir des Priesters Hand die Perle draus verehrt;
Allein wo schon der Wurm die Aepffel darff zerstechen
Da speist man lieber mit eh' alles wird verzehrt.
Die Ehe-Bande sind vor dir zu starcke Stricke
Dadurch ein freyer Geist in Enge Schrancken muß:
Drüm fliehst du auch den Stand und loh
Die nicht vergüldet sind mit lauter Uberdruß.
Nun weiß mein Glücke gleich nicht wie ich wil zu grünen
So sehe mich doch nur als als einen Diener an:
Denn hab' ich gleich kein Geld muß dir doch einer dienen
Der deiner Wechselbanck das Zahlbret halttn kan.