D ie P hantasie in lieben.

By Christian Friedrich Hunold

Wie offt verändern sich doch lieben und Gedancken?

Ihr wunderlicher Trieb ist selten einerley:

Bald führen sie den Geist in die verbuhlten Schrancken

Und zeigen daß daselbst die Lust unschätzbar sey

Bald lehren sie uns auch es wären Kinder possen

Und ein Verliebter sey mit Hasen-Schroot geschossen.

Ein Mädgen muß hier offt ein schöner Engel heissen

Ein neues Himmelreich woran zwey Sonnen seyn

Die rundte Stirne kan wie Alabaster gleisen

Die Nase steht sehr wohl der Halß ist Helffenbein.

Der Marmor kan noch nicht den weissen Zähnen gleichen

Der Schnee ist viel zu schwartz und muß den Brüsten weichen.

Die Lippen können so wie Purpur Nelcken blühen

Die Rose wird beschämt vor ihren Wangen stehn

Ein Schwan wie weiß er ist muß vor dem Leibe fliehen

Der schlancke Fuß kan hier in schönster Zierde gehn.

Man zürnet wer sie nicht ein Meister-Stück will nennen

Und wer nicht den Verstand vor himmlisch will erkennen.

So ist das Conterfait im Hertzen ein gegraben

Biß unser Monden-Sinn die Farben anders macht:

Die Hölle soll als denn kein solch Gespenste haben

So wie ein Laugen-Sack triefft nun der Augen-Pracht

Die Stirne scheinet krump und gleichet Ziegel-Steinen

Die Nasen solte man von zwantzig Pfunden meinen:

Des Halses Helffenbein ist nun mit Ruß beschmieret

Die blancke Zähne sehn wie schwartzer Marmor aus

Der Saffran hat die Brust recht wunderschön gezieret

Und auf den Lippen wächst der beste Veilgen-Strauß

Narcissen gelber Art beblümen ihre Wangen

Der Leib kan wie die Haut des weissen Schwanes Prangen.

Die Beine scheinen uns gekrümmet und gebogen

Bald ist der Schritt zu eng bald ist er gar zu weit

Da kömmt ein Wackel-Ar - im gehen aufgezogen

Der Kopff ist gantz gebückt der Leib ist wie ein Scheit.

Wir wollen uns vor Zorn im Leibe fast zerreissen

Daß wir die Mißgeburth ein Meister-Stück geheissen.

Erst fället mancher Narr zu ihren Füssen nieder

Und wird dem Affter-Pabst ein ketzerisches Rom.

Gantz Babylon singt nicht so viele Klage-Lieder

So eine Wasser-Fluth hegt nicht der Sünden-Strohm

Als ein verliebtes Thier mit Seufftzern und mit Thränen

Sich wil zu ihrer Gunst barmhertzge Wege bähnen.

Doch läst er sich den Staar in dem Gehirne stechen

Und ist sein Sperlings-Kopff des schlimmen Schwindels frey

So kan er sich hernach des Lachens nicht entbrechen

Und speyet voller Grimm auff seine Raserey

Er wird dem Dinge gram so wie sich selbst zu wider

Und singt durch Schimpff und Schand der Thorheit Sterbe-

Lieder.

Zuvor sol uns Blick wie Stroh der Blitz entzünden

Die Brust steckt mehr voll Gluth als Aetna Feuer hegt.

Da sol ihr schöner Arm mit solchen Stricken binden

Vor deren Festigkeit sich Simsons Stärcke legt.

Ach Göttin! sprechen wir bey dir steht unser Leben

Wir Armen haben uns als Sclaven dir ergeben.