D ie P hantasie in lieben.
Wie offt verändern sich doch lieben und Gedancken?
Ihr wunderlicher Trieb ist selten einerley:
Bald führen sie den Geist in die verbuhlten Schrancken
Und zeigen daß daselbst die Lust unschätzbar sey
Bald lehren sie uns auch es wären Kinder possen
Und ein Verliebter sey mit Hasen-Schroot geschossen.
Ein Mädgen muß hier offt ein schöner Engel heissen
Ein neues Himmelreich woran zwey Sonnen seyn
Die rundte Stirne kan wie Alabaster gleisen
Die Nase steht sehr wohl der Halß ist Helffenbein.
Der Marmor kan noch nicht den weissen Zähnen gleichen
Der Schnee ist viel zu schwartz und muß den Brüsten weichen.
Die Lippen können so wie Purpur Nelcken blühen
Die Rose wird beschämt vor ihren Wangen stehn
Ein Schwan wie weiß er ist muß vor dem Leibe fliehen
Der schlancke Fuß kan hier in schönster Zierde gehn.
Man zürnet wer sie nicht ein Meister-Stück will nennen
Und wer nicht den Verstand vor himmlisch will erkennen.
So ist das Conterfait im Hertzen ein gegraben
Biß unser Monden-Sinn die Farben anders macht:
Die Hölle soll als denn kein solch Gespenste haben
So wie ein Laugen-Sack triefft nun der Augen-Pracht
Die Stirne scheinet krump und gleichet Ziegel-Steinen
Die Nasen solte man von zwantzig Pfunden meinen:
Des Halses Helffenbein ist nun mit Ruß beschmieret
Die blancke Zähne sehn wie schwartzer Marmor aus
Der Saffran hat die Brust recht wunderschön gezieret
Und auf den Lippen wächst der beste Veilgen-Strauß
Narcissen gelber Art beblümen ihre Wangen
Der Leib kan wie die Haut des weissen Schwanes Prangen.
Die Beine scheinen uns gekrümmet und gebogen
Bald ist der Schritt zu eng bald ist er gar zu weit
Da kömmt ein Wackel-Ar - im gehen aufgezogen
Der Kopff ist gantz gebückt der Leib ist wie ein Scheit.
Wir wollen uns vor Zorn im Leibe fast zerreissen
Daß wir die Mißgeburth ein Meister-Stück geheissen.
Erst fället mancher Narr zu ihren Füssen nieder
Und wird dem Affter-Pabst ein ketzerisches Rom.
Gantz Babylon singt nicht so viele Klage-Lieder
So eine Wasser-Fluth hegt nicht der Sünden-Strohm
Als ein verliebtes Thier mit Seufftzern und mit Thränen
Sich wil zu ihrer Gunst barmhertzge Wege bähnen.
Doch läst er sich den Staar in dem Gehirne stechen
Und ist sein Sperlings-Kopff des schlimmen Schwindels frey
So kan er sich hernach des Lachens nicht entbrechen
Und speyet voller Grimm auff seine Raserey
Er wird dem Dinge gram so wie sich selbst zu wider
Und singt durch Schimpff und Schand der Thorheit Sterbe-
Lieder.
Zuvor sol uns Blick wie Stroh der Blitz entzünden
Die Brust steckt mehr voll Gluth als Aetna Feuer hegt.
Da sol ihr schöner Arm mit solchen Stricken binden
Vor deren Festigkeit sich Simsons Stärcke legt.
Ach Göttin! sprechen wir bey dir steht unser Leben
Wir Armen haben uns als Sclaven dir ergeben.