Da die Gottliebende vnd VielTugendreiche Fraw Catharina Harderin, des WohlEhrwür...

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Was stehn vnd weinen wir zu hauff

Bey diesem todten Leichnam? auff!

Gen Himmel schickt die Hertzen,

Der weise Raht

Des Herren hat

Selbs Theil an unsern Schmertzen.

Der Mensch, sein schönes Meisterrecht,

Sein Wunsch, sein Nachbild, sein Geschlecht,

Der nicht ohn Ihn kan werben

Dies Tageliecht,

Solt' er auch nicht

Nach seinem Willen sterben?

Wir sind ia Vögeln vorzuziehn,

Nun fällt kein Sperrlingk hin ohn Ihn,

Wofern die Schrifft nicht fehlet;

Nach der Er gar

Auch selbs das Haar

Auff unsern Häuptern zehlet.

Sol uns so lieb was seyn allhie,

Daß Er ohn Wiederred' und Müh

Nicht solte von uns heben,

Der seinen Sohn

Zum Gnaden-Thron

Vns Sündern hat gegeben?

So ist auch sein die gantze Welt,

Für uns ist eignes nichts bestellt,

Wir selbs sind blohs des Herren,

Greifft Er uns ein,

Er nimt was sein,

Was sollen wir uns sperren?

Vnd ist uns wol dabey zu Muth,

Wenn Er uns so viel guttes thut,

Sind wir so zahrt zu leiden?

Wie können wir

Das Bös' auch hier,

So Er uns zuschickt, meiden?

Gib gern hin, was Gott haben will,

Halt seinem weisen Raht-Schluß still,

Ihm' haben stets gefallen

Die Vnschuld ziert,

Vnd diese führt

Er auch bald heim für allen.

Wer weiß es wol, vor welcher Noht

Er sie zur Rhue bringt durch den Todt,

Wir fürchten manchen Jammer,

Wie wol ist der,

Den kein Beschwehr

Mehr schreckt in seiner Kammer!

GOTT thut wie ein getrewer Hirt,

Der eines Wetters innen wird,

Vnd treibt sein Vieh zusammen

Den Ställen zu

In sichre Rhue,

Für Hagel, Sturm vnd Flammen.

Er wird auch uns zu seiner Zeit

Heimholen aus der Sterblicheit

Zu seinen HimmelsSchaaren,

Er laß uns nur

Die Glaubens-Spur

In ienes Leben fahren.