Da sie ihm die hand küßte.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ich weiß du weist es nicht was ich hiemit will schreiben

Warum ietzt meine hand dir diese reimen schickt

Was ich hier diesem brieff und blat wil einverleiben

Auff welche ziffer sey mein zeiger hingerückt.

Du weist Ambrette wol daß da das glück mich führte

Mit beyden häuden selbst in deine zimmer ein

Daß da dein purpur-mund mit zauberey mich rührte

Daß meine schlechte hand dein buhler muste seyn.

Du spieltst verschwenderisch mit deinen anmuths-küssen

Und streutest ohne zahl viel biesam-körner hin.

Du liest gantz ohne maß auf meine hände fliessen

Der lippen honigseim wovon ich truncken bin.

Dein kluges weigern selbst schlug einen kuß mir abe

Und gab ihn meiner hand nicht ohne sondre lust.

Ach daß mein blasser mund nicht das genossen habe

Worvon jetzt auf der hand der fliegen vorwitz kost!

Du weist daß vor das paar der beissenden rubinen

Natur und liebe schon ein ander ziel gesetzt

Daß sie den lippen nur zum becher sollen dienen

Die reiner himmels-thau verschwenderisch benetzt.

Ein kuß bleibt nur ein pfand der purpur-rothen lippen

Er paart sich ungereimt mit einer schlechten hand:

Er stößet seine krafft und schärffe ab in klippen

Wenn er nicht wehlt den mund vor sein gelobtes land.

Die biene selbst verliehrt den stachel an den hecken

Wenn sich ihr leichter fuß nicht auf die rosen setzt.

Und wenn ein seiden-wurm in werck sich wil verstecken

So fühlet er wie sich sein krummer leib verletzt.

Ein kuß muß ohne krafft auf einer hand ersterben

Er fühlet keinen mund der wieder küst und beißt

Der beste balsam muß wie schlechtes schmaltz verderben

Wenn er nicht an der hand und nur an wänden gleist.

Ein kuß lebt auf dem mund wie vögel in den lüfften

Er nennet nicht die hand sein rechtes element

Er stirbt auf ihrem feld wie fisch in berg und klüfften

Und fühlt das kützeln nicht das mund und lippen kennt.

Ein kuß steht auf der hand wie klee auf rosen-stöcken

Wie reimt sich aber doch diß gantz ungleiche paar?

Wie steht ein goldnes band auff Mesolauen röcken

Wie ziert ein perlen-krantz ein wichsel-zopsicht haar?

Drumb siehe schönstes kind und lerne anders paaren

Ein mund nimt einen mund doch stets zum nachbar an.

Laß deine anmut doch noch ihre schätze sparen

Ich weiß schon allzuwohl was ihre kützlung kan.

Die hand wird sich schon selbst ein ander feld erwehlen

Sie kennet ihren feind und ihre schantze schon

Sie wird vergönn es nur dir schon was anders stehlen

Und suchen ihre lust und ihren eignen thron.

Sie wird dem munde schon die lippen überlaßen

Sie wehlet nur vor sich du weist ja schönste was

Sie will das schwester-paar in ihre zirckel faßen

Auff denen ros’ und nelck in schnee und marmel saß.

So paaret jedes sich nachs himmels schluß und willen

Ein kuß ist vor den mund die hand ist vor die brust

So kan vergnügung uns biß an den halß erfüllen

Wir finden daß diß sey ein königreich voll lust.