Da sie ihm die hand küßte.
Ich weiß du weist es nicht was ich hiemit will schreiben
Warum ietzt meine hand dir diese reimen schickt
Was ich hier diesem brieff und blat wil einverleiben
Auff welche ziffer sey mein zeiger hingerückt.
Du weist Ambrette wol daß da das glück mich führte
Mit beyden häuden selbst in deine zimmer ein
Daß da dein purpur-mund mit zauberey mich rührte
Daß meine schlechte hand dein buhler muste seyn.
Du spieltst verschwenderisch mit deinen anmuths-küssen
Und streutest ohne zahl viel biesam-körner hin.
Du liest gantz ohne maß auf meine hände fliessen
Der lippen honigseim wovon ich truncken bin.
Dein kluges weigern selbst schlug einen kuß mir abe
Und gab ihn meiner hand nicht ohne sondre lust.
Ach daß mein blasser mund nicht das genossen habe
Worvon jetzt auf der hand der fliegen vorwitz kost!
Du weist daß vor das paar der beissenden rubinen
Natur und liebe schon ein ander ziel gesetzt
Daß sie den lippen nur zum becher sollen dienen
Die reiner himmels-thau verschwenderisch benetzt.
Ein kuß bleibt nur ein pfand der purpur-rothen lippen
Er paart sich ungereimt mit einer schlechten hand:
Er stößet seine krafft und schärffe ab in klippen
Wenn er nicht wehlt den mund vor sein gelobtes land.
Die biene selbst verliehrt den stachel an den hecken
Wenn sich ihr leichter fuß nicht auf die rosen setzt.
Und wenn ein seiden-wurm in werck sich wil verstecken
So fühlet er wie sich sein krummer leib verletzt.
Ein kuß muß ohne krafft auf einer hand ersterben
Er fühlet keinen mund der wieder küst und beißt
Der beste balsam muß wie schlechtes schmaltz verderben
Wenn er nicht an der hand und nur an wänden gleist.
Ein kuß lebt auf dem mund wie vögel in den lüfften
Er nennet nicht die hand sein rechtes element
Er stirbt auf ihrem feld wie fisch in berg und klüfften
Und fühlt das kützeln nicht das mund und lippen kennt.
Ein kuß steht auf der hand wie klee auf rosen-stöcken
Wie reimt sich aber doch diß gantz ungleiche paar?
Wie steht ein goldnes band auff Mesolauen röcken
Wie ziert ein perlen-krantz ein wichsel-zopsicht haar?
Drumb siehe schönstes kind und lerne anders paaren
Ein mund nimt einen mund doch stets zum nachbar an.
Laß deine anmut doch noch ihre schätze sparen
Ich weiß schon allzuwohl was ihre kützlung kan.
Die hand wird sich schon selbst ein ander feld erwehlen
Sie kennet ihren feind und ihre schantze schon
Sie wird vergönn es nur dir schon was anders stehlen
Und suchen ihre lust und ihren eignen thron.
Sie wird dem munde schon die lippen überlaßen
Sie wehlet nur vor sich du weist ja schönste was
Sie will das schwester-paar in ihre zirckel faßen
Auff denen ros’ und nelck in schnee und marmel saß.
So paaret jedes sich nachs himmels schluß und willen
Ein kuß ist vor den mund die hand ist vor die brust
So kan vergnügung uns biß an den halß erfüllen
Wir finden daß diß sey ein königreich voll lust.