Da sie ihren Busen veste vermachte.

By Johann Georg Gressel

Written 1693-01-01 - 1693-01-01

Mein Kind sey doch so blöde nicht

Laß deinen Busen offen

So sieht mau daß dir nichts gebricht

Daß alles eingetroffen:

Sonst dencket man gewiß von dir

Du hättest nicht der Brüste Zier.

Ein Griff entweyht nicht deine Brust

Und macht ihr keine Flecken

Was nützt ein Schatz der unbewust

Den Sand und Steine decken?

Die Perl so stets verborgen liegt

Mit ihrem Glantze nicht vergnügt.

Was die Natur uns Menschen giebt

Das darff man allen zeigen

Am meisten diesem der uns liebt

Dem wir die Sinnen beugen.

Was ist es das zum Sclaven macht?

Wol anderst denn der Brüste Pracht?

Was nun die Liebe heilig heist

Das lasse auch verehren

Und wenn denn seine Pflicht erweist

So must du den nicht stöhren

Dem deine Brust das Altar ist

Auf dem er deine Gottheit küßt.