Dämmerung im Vorfrühling

By Hedwig Lachmann

Written 1891-01-01 - 1891-01-01

Der Tag bleicht. Letzte Helligkeit

Quillt aus dem ebenmässigen Gewölk.

Die Erde trocken und befreit

Von Schnee; nur hie und da die Spur

Von dünnem Eise, wie Glasur.

Die Dunkelheit wächst sanft und stät;

Ein Licht, das aufblitzt, glimmt noch matt;

Die Kinder spielen noch so spät,

Der Tagesfreuden nimmer satt.

Die Menschen schreiten säumig, wie verführt;

Und atmend heben sie das Kinn

So an die Luft, als läge drin

Für sie ein Etwas, das den Sinn

Wie eine wahre Seligkeit berührt.