Danck-Lied vor den Seegen des Höchsten

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Es lobe was nur Athem hat

Des Höchsten überreiche Güte:

Er höret was der Arme bat

Neigt sein liebfreundlichstes Gemüthe

Entschleust die Menge seiner Schätze

Damit er sein Geschöpff ergötze.

Ihm stehn die Wolcken zu geboth

Sein Seegen schwängert Land und Auen;

Der Himmel muß so bald es Noth

Die lechzend dürre Frucht betauen

Er rufft die Wind' und heist sie fliehen

Läst jetzund Hitz jetzt Kält abziehen.

Nichts nichts ist daß er nicht verseh'

Auch offt durch ungemeine Weisen

Wir wissen nicht wie es gescheh

Und müssen nur sein Allmacht preisen

Die wie es dort und dar zublicken

Hier muß das gantze Werck beschicken.

Ach Vater segne dein Geschenck!

Gieb zu der Speise dein Gedeyen

Bleib deiner Kinder eingedenck

Versag uns nicht diß zu verleihen

Was deinen Bund mit uns bestättigt

Und die bemühte Seel ersättigt.

Der Mensch lebt nicht allein vom Brodt

Dein Wort ists Herr das uns ernehret

Was Irrdisch wird durch Zeit und Noth

Samt diesen Gliedern ausgezehret;

Dein Wort gibt Kräffte die nicht weichen

Ob wir des Grabes-Ziel erreichen.

Doch hast du hier noch einen Tisch

Vor uns mein Heyland zu bereitet

Krafft dessen man erquickt und frisch

Die Höll und Todes-Angst bestreitet!

Durch den man theilhafft deiner Wunden

Mit dir auf ewig wird verbunden.

O seelig wer das Abendmahl

Wird in dem Reich des Höchsten essen!

O seelig die den Freuden-Saal

Des La is schon jezt nach Wunsch besessen

Die schon von Ach und Leid entbunden

Sich zu der Hochzeit eingefunden.

Daß höchste Freuden-Mahl der Welt;

Ist kaum ein Schatten jener Wonne

Wenn hier vor Sünder diß bestellt.

Was wird die heil'ge Lebens-Sonne

Nicht Reinen dort vor Speiß aufsetzen

Die sie auf ewig wil ergötzen.

Es lobe was nur Athem hat

Des Höchsten überreiche Güte

Er höret was der Arme bat

Neigt sein höchstfreundliches Gemüthe

Entschleust die Menge seiner Schätze:

Damit er sein Geschöpff ergötze.