Das 5. WortMein Gott / mein Gott / warum hastu mich verlassen
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Mein Gott wie hast' auf mich Verlassung lassen fallen!
dein ganzes Zornes-Heer jetzt stürmet auf mich ein.
Ach! du entzeuchst mir ganz den Gott-und Gnadenschein.
Ich bin ein Würmlein nur das Elendst unter allen.
Mein süsse Labung sind die herb' und bittern Gallen.
Doch soll mirs eitel Trost und Zucker-Wollust seyn
wann mit der meinen ich vertrieb der Menschen Pein.
In grösten Schmerzen pflegt mein Herz vor Lieb zu wallen.
Ich will mich lieber selbst als sie verlassen sehn.
Vnd wann ich noch so viel ja mehr noch aus solt stehn
so tauret mich doch nichts: wann sie es nur geniessen.
Mein' Haupt-Verlassung sey ihr stäter Trostes-Brunn.
Daß sie sie finden stäts mir alle Hülf zerrunn.
Mein Blut soll von mir weg sie zu erquicken fliessen.