Das Abendroth

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Der Abend blüht!

Der Westen glüht!

Wo bist du, holdes Licht, entglommen?

Aus welchem Stern herabgeschwommen?

Ein lichter Brand

Flammt See und Land.

Es lodern in dem rothen Scheine

Die Fluren rings, und rings die Hayne.

Wie sieht so hehr

Das düstre Meer!

Die Welle tanzt des Glanzes trunken,

Und sprüht lusttaumelnd Feuerfunken.

Es mahlt der Strahl

Das liebe Thal,

Das sie bewohnt, der Holden Holde

Mit Rosengluth und mattem Golde.

Geuss Hesperus

Mit leisem Gruss

Auf sie den Inhalt meiner Lieder,

Die schönsten deiner Rosen nieder.

Viel schöner blüht,

Viel wärmer glüht

Die blasse Rose ihrer Wangen,

Und weckt inbrünstiges Verlangen.

Von ihr Ein Blick,

Ein trauter Nick

Durchzuckt elektrisch Mark und Leben,

Und macht den feinsten Nerv erbeben.

Drum, Hesperus,

Beut Gruss und Kuss

Der Herrlichen, der Tadellosen,

Und opfr' ihr deine schönsten Rosen.

Bewunderung

Und Huldigung

Heischt nur

Weil Huld und Heiligkeit es hebet.