Das Andenken.
Ich denk' an Dich, Geliebte,
Vom frühsten Dämmerstrahl,
Bis Kron' und Leyer funkeln
Am ew'gen Himmelssaal.
Im lichten Mittagsglanze,
Im Graun der Mitternacht,
Stehst Du mir klar vor Augen
In jedes Reizes Pracht.
Mir winkt das Lied des Dichters,
Mich lockt des Denkers Buch.
Süss klingt des Sängers Harfe,
Und ernst des Weisen Spruch.
Umsonst. Hinweggezogen
Folgt der entzückte Geist
Dem Strom, der ihn magnetisch
In seine Wirbel reisst.
Wenn Nachts aus halbem Schlummer
Der Sehnsucht Sturm mich weckt,
Wenn mich der Schlag der Wachtel
Aus süssen Träumen neckt,
Breit' ich den Arm und drücke
Dich wähnend an mein Herz;
Der Wahn zerrinnt, und einsam
Bin ich mit meinem Schmerz.
Ich flüchte sehnsuchtmüde
Zum Busen der Natur.
Doch ach, Dein Bild, Geliebte,
Folgt mir auf jeder Spur.
Es flötet Deinen Namen
Das Vöglein auf dem Zweig.
Ihn schwirrt die Grill' im Grase,
Ihn ruft die Unk' im Teich.
An Deines Auges Bläue
Mahnt mich des Äthers Blau;
An Deiner Locken Fülle
Des Nebels strömend Grau.
Mich mahnt an Deine Wangen
Der Rose keusche Gluth.
Mich an den Wein der Lippen
Der Beere quellend Blut.
Beschämt dein Schwanenbusen
Nicht der Narzisse Schnee?
Weicht nicht der Milch der Arme
Die Milch der Lilie?
Umhaucht mich nicht Dein Athem
Im Nachtviolenduft?
Ists nicht Dein süsser Name,
Den jedes Echo ruft? — —
Wohin, wohin mich retten
Vor der verborgnen Macht,
Die mich verfolgt vom Morgen
Bis in das Graun der Nacht! — —
Bey Dir, bey Dir nur, Traute,
Ist Rettung mir bewusst — —
Ach, nur in Deinen Armen,
Ach, nur an Deiner Brust.