Das ander

By Anna Ovena Hoyers

Written 1635-01-01 - 1635-01-01

Kommt her mit fleiß betrachtet

Vnd so gering nicht achtet

Des herren groß gewalt

Sein wunder mannigfalt

Die er lesset geschehen

Schrecklich in alle Landt

Das wirs mit augen sehen;

Wie groß ist Gottes hand.

Ihr Menschen groß und kleine

Alle ohn unterscheid

Mann und Frawen gemeine

Gebt acht auff diese zeit

Der Herr ist auffgestanden

Im grimm zu üben rach

Wolt ihr nicht stehn mit schanden

So betet unde wacht.

Betrachtet Gottes wunder

Schawt sie mit augen an

Landt und Volck gehen under;

Jung und Alt Fraw und Mann

Bey tausenden hinfallen

Durch Gottes zornes fluth

Das Vieh auch unter allen

Empfindet Gottes ruth.

Solches han wir erfahren

Es ist uns wohl bekandt

Wie Gott in diesen Jahren

Im Eyderstedt und Strandt

In Dithmarschen daneben

Vnd andern orthen mehr

Die Leuth gebracht umbs leben

Durch ein brausendes Meer.

Schrecklich seyn sie umbkommen

Da sie es nicht gedacht

Die fluht hat sie wegnommen

Gantz schnell in einer nacht

Die da haben zuvoren

Wollen gelauben nicht

Haben müssen im zoren

Erfahren Gotts gericht.

Es ist sehr zu beklagen

Wenn man gedenckt daran

In was schrecken und zagen

Gewesen jederman

Da sie haben gesehen

Mit angest groß und schwer

Ihr lieben Freund vergehen

Vnd ersauffen im Meer.

Was wollen wir dann sagen

Von dem das jetzt geschehn

Da Gott in diesen tagen

Sein zorn hat lassen sehn

Ob die leuthe vor allen

Allein gesündigt han

Daß sie so schnell hinfallen

Vnd so plötzlich vergahn.

Ach nein ihr lieben Christen

Sie seyn es nicht allein

Sünd schand und bose lüsten

Sind jetzt so gar gemein

Die Welt ist uberhäuffet

Mit grewel groß und viel

Ein jeder jetz und läuffet

Nach seinem eignen will.

Christus ist außgerottet

Nach Danjels Prophecey

Die Welt der Frommen spottet

Acht es für phantasey

Wann der Geist thut verkünden

Daß Gott zur straff bereit

Die Welt fahrt fort in sünden

Verharrt in sicherheit.

Der Glaube ist gestorben

Die Christlich Lieb ist todt

Die Menschen sind verdorben

Sie sättig'n sich mit koth

Der gantz eitelen dingen

Die sie allein begehrn

Kein plage kan sie zwingen

Zu fürchten Gott den Herrn.

Seit daß die Welt gestanden

Ist nie gewest so groß

Die sünd in allen landen

Der Teuffel ist jetzt loß

Sein bößheit thut er üben

Erreget krieg und streitt

Die Menschen zu betrüben

Weil bald ist auß sein zeit.

Der Herr hat außgegossen

Sein Schal voll zorn und grimm

Sein pfeilen loß geschossen

Man höret seine stimm

Im zorne schrecklich brüllen

Wil jetzt sein wort erfüllen

Weh dir gottloser Cham.

Es geht nach Christi worten

Man hört von kriegs geschrey

Häuffig an allen orthen

Das gericht kompt herbey

Die noth thut sich anheben

Alle Welt ist im streit

O weh denen so leben

Ohne bußfertigkeit.

Weil wir dann solche plagen

Mit ohren hören an

So lasset uns beklagen

Die sünd so wir gethan

Wo wir Vns nicht bekehren

Vnd hören Gottes stimm

So wird uns von der erden

Vertilgen sein grimm.

Was wir von andern hören

Wird uns auch treffen nun

Gott wird uns auch verstören

So wir nicht busse thun

Darumb wer da wil leben

Vnd Gottes wunder sehn

Der muß sich ihm ergeben

Auff seinen weg zu gehn.

Jetzunder ist verhanden

Die lang gewünschte zeit

Da alles wird zu schanden

Was in sünd und boßheit

Des Herren Güth verachtet

Sein wunder außgelacht

Sein wort nicht recht betrachtet

Nun kompt die straff mit macht.

Nun werdet ihr befinden

Die ihr euch Christen nennt

Wie ihr durch ewre blinden

So Gott nie recht erkendt

Vom liechte abgeführet

Vnd irr gemachet seyn

Ja gantz und gar bethöret

Jung und Alt Groß und Klein.

Ihr habt euch lang beruffen

Auff Gottes Wort und Schrifft

Darüber ihr mit hauffen

Viel irrthumb hab't gestifft

Wir sind die rechte Christen

Rühmen die Secten sich

Vnd seyn doch Cainisten

Die lieb haben sie nicht.

Darumb lest Gott verkünden

Das word von seinem Reich

Er wil daß wir von Sünden

Auffstehen alle gleich

Vnd seine Botten hören

Die uns anmelden all

Daß Christus will einführen

Sein Braut zum Abendmahl.

O Babel es wird kommen

Dein fall auff einen tag

Gott wird das Bluth der Frommen

So lang geschryen rach

Fördern von deinen händen

Nun ist kommen die zeit

In welcher die Elenden

Wieder werden erfrewt.

Ey wie wird sich erfrewen

Des Herren Braut Zion

Wenn Christus wird vernewen

All Creatur sehr schon

Ein newen bund auffrichten

Mit sein geschöpffen all

Sünd und den todt vernichten

Kein Teuffel mehr seyn soll.

Auch wird sich Gott erbarmen

Seines volcks Israel

Die verstossenen armen

Wird er erleuchten schnell

Daß sie werden erkennen

Ihrn König Davids Sohn

Vnd ihn mit frewden nennen

Ihren Erlöser schon.

Gott wird sie wiederbringen

Zur Stadt Jerusalem

Da sie werden lobsingen

Lieblich mit heller stimm

Daß alle welt von sünden

Ist frey und loß gemacht

Ewig erlösung funden

Das heyl herwieder bracht.

Dann wird eröffnet werden

Des Paradises pfort

Vnd alles Volck auff erden

Wird eingehn zu dem orth

Vom Baum des lebens essen

In grosser lust und frewd

Bald all ihrs leids vergessen

Eingehn zum leben new.

Mein hertz fur frewden springet

Mein Seele in mir lacht

Mein Geist auch Gott lobsinget

Wann ich die frewd betracht

So in den tausend Jahren

Des reiches Jesu Christ

Den Heilgen außerkoren

Von Gott bereitet ist.

O ihr weltlich Gelehrten

Warumb glaubet ihr nicht

Weh euch blinden Verkehrten

Nun trifft euch das gericht

Weil ihr nicht wollet trawen

Hie Gottes Geist und Wort

Muß es euch ewig rewen

In der verdamnuß dort.

Kommt her ihr außerkohren

Erfrewet euch mit mir

Die ihr auß Gott gebohren

Nun bricht der tag herfür

Die Sonne wird hell scheinen

Die nacht muß untergehn

Christus wird in den seinen

Sich herrlich lassen sehn.

Mein hertz sol ewig loben

Dich Jesu Heylandt mein

In deinem thron daroben

Fur diß erkäntnuß dein

So du mir hast gegeben

Hilff daß ich tracht allzeit

In meinem gantzen leben

Nach dieser Seeligkeit.