Das andere Fenster.

By Barthold Heinrich Brockes

Jm Vorgrund ist allhier zuerst ein Weg, der nach dem

Walle führet,

Und linker Hand sich sanft erhöht, mit jungen Linden ausge-

zieret,

Die ich im Frühling setzen lassen, darauf ein

Wall zu seh'n,

Auf welchem Platz noch bey einander metallene drey Stücke

steh'n,

Auf eben so viel Batterien. Der Rand der Brustwehr

scheint begrenzet

Von der krystallnen Fluht des Grabens, der wie ein reiner

Spiegel glänzet,

Und sich vom innern Graben theilt, durch eines langen

Dammes Rücken,

Den ich bey meiner Zeit erhöht, mit Jpern-Bäumen oben

schmücken,

Mit Weyden unten ganz besetzen, mit schlanken Kneyen

rings umfassen,

Sie künstlich in einander flechten, und fest dadurch ver-

schränken lassen,

(auf welchem Damm, im holden Grünen, recht zwischen

zweyen Wassern, man

In einer lieblichen Allee, mit sanftem Schritt, spatzieren

kann.)

Des äussern Grabens andres Ufer ist auch von hier nicht

minder schön,

Da ihn sechs kleine Gärten zieren, voll bunter Bluhmen,

anzuseh'n.

Die Gärten grenzen an der Gassen, an welcher neun Gebäude

steh'n,

Die denn von Westen, Osten-werts, bis an die grosse Gasse

geh'n,

So hier sich ins Nord-Osten zieht. Nach vorerwehnten

neun Gebäuden

Sieht man von oben Nord- werts liegen die schönsten Felder,

Wies- und Weiden,

So weit das Auge tragen kann, bis an den Elb-Deich, mit

Vergnügen,

Der sich bis an die Döse zieht, als im Amphitheater liegen.

Zur rechten dreht sich eine Wind-Mühl’, und linker Hand

erblicket man

Der Kugel-Bake ferne Spitze. Hier grenzet nun der Elb-

Strohm an,

Von einer solchen Breit’ und Weite, daß man kein Ende

sehen kann,

Und er sich in der Luft verliert. Da wir auf seinem blauen

Rücken

Inzwischen weiss- und rohte Seegel, mit Lust, in grosser

Meng' erblicken,

Die in der Landschaft schönen Grenzen der Fläche, die so

glatt, so eben,

Indem sie hin und wieder schwimmen, der Landschaft fast ein

Leben geben.