Das arge Weib.
Nichts bessers alß ein weib ist wie mich deucht auf erden
Auch kan nichts ärgers alß ein weib gefunden werden
Sie träget beyderley creutz unglück glück und heyl
Milch honig gall und gifft in ihren busen feil.
Und hat in einer hand gleich wie die kinder pflegen
Zu spielen pincke panck lust leben friede segen
Und in der andern hand zorn tod fluch haß und zanck
Ach wie gefährlich ist ein solches pinckepanck:
Wer diese hand ergreift der kriget nicht nur hände
Ja vielmehr hauß und hoff voll angst qual und elende
Was sag ich hauß und hoff es muß was grössers seyn
Ist doch der weiber zorn die gantze welt zu klein.
Wenn der wie offt geschicht hat über hand genommen
So soll der teufel selbst aus seiner hölle kommen
Und holen iederman auf den sie böse sind
Hund katze kuh und kalb knecht magd mann weib und
kind.
Du hebt das gantze hauß von keifen an zu sausen
Gleich wie die starcken wind im wüsten meere brausen
Jhr rachen thut sich auf wirft feuer aus und gischt
Die zähne beissen sich die braune zunge zischt
Die augen finckeln beyd als einem wilden schweine
Das über berg und thal und über stock und steine
Von hunden wird gejagt die arme schwingen sich;
Lincks rechts nach fechter-art auf streich schlag hieb
und stich.
Es muß gescholten seyn giebts auch gleich nichts zu schelten
So schilt so schilt sie doch potz hundert tausend velten
Sie springt sie hüpfft sie tantzt wie ein verliebtes pferd
Ist gleich die sach offtmahl nicht wohl drey heller werth.
Wenns hoch kömmt ist etwa die katz in topf gekrochen
Und hat den alten topf geleckt darnach zerbrochen
Die köchin hat das fleisch versaltzen und verwürtzt
Auch ist der essig-krug beym ofen ümbgestürtzt.
Ist sonst nichts mehr; so fält der zorn auf flöh und läuse
Bald hat der hund das fleisch gefressen bald die mäuse
Den schincken und die wurst brod butter käß und speck
Darzu o hertzeleid! ist auch das messer weg.
Die schlüssel sind verlegt da hört man erst schön fluchen
Der arme mann erschrickt und hilft die schlüssel suchen
Ein jedes sucht und flucht ein jedes greift und keift
Daß immer mit der naß eins an das ander läufft.
Das ist ein lustig spiel; wer es von ferne siehet
Wie sich das liebe volck bekümmert und bemühet
Der meinet sie sind all unsinnig thöricht toll
Jedoch zum wenigsten von bier und wenie voll:
Wenn nu der zarten frau die boßheit ist vergangen
So kömmt ihr wieder an ein sehnen und verlangen
Nach hoffart; Ist das nicht so eine schöne tracht?
Die frau gevatterin hat sie von Leipzig bracht
Spricht sie: und ist das nicht so eine liebe mütze?
Ey lieber sehet doch wie klar ist diese spitze?
Jm kram ist neuer zeug mir mangelt gleich ein rock
Und zu dem alten peltz ein neuer überzog.
Der rock ist gar zu kahl ich muß mich drinne schämen
Was werd ich immermehr für farbe wieder nehmen?
Blau Mourant nacquara curang und columbin
Von diesen muß es seyn braun blau gelb roth und grün
Dieß alle mag ich nicht sie sind gar zu gemeine
Wenn ich was haben will so hab ichs gern alleine
Sonst werf ichs balde weg ein iede handwercks-frau
Trägt itzo in der stadt gelb grün roth braun und blau.
Dem mann entfällt der muth und sitzt dort wie auf kohlen;
Was hilfts sie läst nicht ab er muß den beutel holen
Ob er sich noch so sehr mit vielen worten wehrt
So wird er doch damit durchaus gar nicht gehört.
Nu beutel ducke dich jetzt wirstu müssen schwitzen
Gib geld zur neuen tracht gib geld zu mütz und spitzen
Hastu gleich nichts gib doch das weib hält stürmisch an
Gib doch und solten gleich die letzten heller dran.
Dargegen muß der mann etwa von alten stücken
Die sie hat abgelegt die hosen lassen flicken:
Es thuts dem herren wohl er ist vorhin bekant
Ob gleich zum dritten mahl sein kleid wird ümgewandt.
Der kaufmann nimmt das geld dort sitzt die edle tocke
Und sperrt sich pralt und prangt in ihrem bunten rocke
Das maul wacht endlich auf und wil versorget seyn
Wo ist das beste bier wo ist der beste wein?
Mein schatz ey seyd doch nicht ein karger pfennig-trucker
Gebt geld ich hätte gern eitronen wein und zucker
Mir ist fürwar nicht wohl wie schauret mir die haut
Ich aß vorhin zu viel fett fleisch und sauerkraut;
Und hat doch allbereit ein kännlein wein im schrancke
Wohl zugericht dahin läuft die versofne krancke
Gar ordentlich so offt der virtels-seiger schlägt
Biß daß durch manchen trunck der hunger sich erregt.
Geht muhme lasset mir flugs ein paar kuchen backen
Der fromme stehet dort und krauet sich im nacken
Doch wenn er freundlich ist so krieget er den rand
Von kuchen und was sonst daran ist angebrandt.
Bißweilen will die frau auf himmel-wagen fahren
Da geht es eben zu als wie mit jenen stahren
Die waren ihres stands im walde müd und satt
Sie wolten amseln seyn und flohen in die stadt
Und sahen hin und her viel amselbauer hangen
In einen krochen sie und wolten drinnen prangen
Die leute lieffen zu und traten ümb das hauß
Und sprachen: lachet doch die groben narren aus.
Diß alles ginge hin als keiffen prangen trincken
Wenn nur die schöne frau den hund nicht liesse hincken
Oft bläckt das reh oft kreht ein iunger stoltzer hahn
Es findet sich auch bald ein cammer-capellan.
Da geht es seltzam zu es ist nicht zu beschreiben
Denn wer diß handwerck will lang und verschwiegen treiben
Der thut es ingeheim derhalben weiß man nicht
Von wem wie oder wenn etwas und was geschicht.
Die kühe lassen oft auch frembde kälber saugen
Ein scharffes beil wird stumpf und kan nicht immer taugen
Wer ist der nicht zuletzt dafür ein eckel trägt
Wenn ihm wird einerley zu essen vorgelegt?
Voraus ein solches weib das will was neues haben
Von kleidern speiß und tranck und andern leibes-gaben
Sie trachtet meisten theils nach dem was sie ergetzt
Wird gleich treu ehr und zucht weit hinten angesetzt.
Indessen hat der mann zwar einen grossen löffel
Jßt aber selten mit drischt ümb den zwölfften scheffel
Er liest die brocken auf und sticht die neigen ab
Auch rühret ihn manchmahl ein schwerer liebes-tag.
Ist etwa nun ein weib mit bosheit sauffen fressen
Mit hoffart hader zanck und geiler lust besessen
Wohlan so sage mir mein lieber deutscher mann
Ob auch auf dieser welt was ärgers leben kan?
Doch endlich gnug gesagt von solchen schlimmen sachen
Ich möcht euch weiberlein vieleicht gar zornig machen
Ich bitte zürnet nicht seyd fromm und wohlgemut
Ich weiß daß kein’ allhier dergleichen dinge thut
Und fordert mich nur nicht vor euer halß-gerichte
Es ist nur schimpf und schertz und ein geflickt gedichte
Es reuet mich der schimpf ietzt ändert sich mein sinn
Und darumb werf ich auch die lose feder hin
Ein andre feder her darmit wil ich euch preisen
Und loben und zugleich das wiederspiel beweisen.
Es ist mein rechter ernst ich bleibe nur dabey
Wie daß auf dieser welt ein weib das beste sey.