Das bey der Goldbeck-Senningischen vermählung vertheidigte frauenzimmer. B. N.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein freund! wenn Juvenal, der spötter jener zeit,

Und Franckreichs Boileau, der feind der ehligkeit,

Es wüsten, wie du dich im freyen hast betragen,

Was würden sie doch wohl zu deiner heyrath sagen?

Denn, ist es anders wahr, was ihre feder spricht,

Daß mit der güldnen zeit der keuschheit helles licht

Zugleich verloschen ist; und daß vom wahren lieben

Damahls der schatten nur uns nicht zurücke blieben;

Daß kaum Pariß und Rom drey reine frauen zehlt,

Den frommen der verstand, den klugen tugend fehlt;

Und nunmehr keine lebt, die das verbotne küssen,

Wie dort Lucretia, mit blute würde büssen;

So ist es wohl sehr viel, wenn du, mein freund! allein

Das findest, was so schwer doch soll zu finden seyn.

Und ist es ferner wahr, daß tugend in den frauen

Sich, wie die schönheit, nie läst sonder hoffart schauen;

Und daß derjenige sein wohl-seyn schlecht bedenckt,

Der lieber an ein weib, als einen strick, sich henckt;

So ist es noch weit mehr, daß du dich zwingen können,

Der falle deiner ruh so lange nachzurennen.

Erzittre nicht, mein freund! ich rede, wie die welt,

Nicht wie die wahrheit spricht. Hat eine frau nur geld,

Und wär sie noch so schlimm, so läßt sich ohn besinnen

Noch wohl ein Juvenal, ein Boileau gewinnen.

Halt ein! schreyt doctor Max, wo zielst du damit hin?

Die worte sind so wahr, als ich ein doctor bin.

Nur sacht’! ich geb es zu. Doch laß die träumer klagen!

Was haben wir nach Rom, was nach Pariß zu fragen?

Ha! fährt mein gegner fort: wer hat dich überführt,

Daß Venus nur in Rom und in Pariß regiert?

Dein Teutschland kan es auch. Hab ich es dann verneinet!

Ich weiß wohl, daß bey uns viel kupfer silber scheinet.

Daß manches mohren-fell in weisser schmincke steckt;

Die stoltze Phyllis sich mit schlechter wolle deckt,

Und manche Margaris für heisser andacht stehnet,

Die doch im hertzen sich nach ihrem Thyrsis sehnet:

Ich weiß, daß Cynthia den schlauen Fritz betriegt,

Und Chrysis eine nacht in zweyen betten liegt;

Daß Doris und ihr schatz des mannes schweiß verzehren;

Sind aber alle so? Und wenn sie es auch wären;

Wo rührt das übel her? Die männer haben schuld.

Die männer? fragest du; Ja freylich! Nur geduld!

Was ich einmahl gesetzt, das will ich auch erweisen.

Komm her, mein lieber Max! laß uns zurücke reisen!

Schuff GOtt ein altes weib und einen jungen mann?

Hieng er der ersten brant wohl einen geld-sack an?

Hieß er den Adam sich fein breit zu tische setzen?

Die frau den acker baun, den mann das messer wetzen?

Sprach er: Der mann thut recht, er rase, wie er will;

Er fluche, schnarch’ und poch; er liebe karten-spiel;

Er jage hauß und hof durch den entbrannten magen;

Das weib ist selavin nur; Und hätt’ er sie geschlagen,

Hätt’ er ihr gut verpraßt, so soll sie dennoch gehn,

Und vor der gantzen welt sein falsches lob erhöhn?

O Max! hier find ich nichts. Komm, laß uns weiter wandern!

Ja, sprichst du, halte doch nur eines zu dem andern;

Gott hat gleichwohl den mann des weibes herr genannt;

Gar recht; Und Paulus hat ihn für ihr haupt erkannt.

Was aber folgt hieraus? Wer andern will gebieten,

Muß selber dienstbar seyn, und sich für hochmuth hüten.

Ein wahrer könig sucht der unterthanen heil:

Das haupt erzörnet sich nicht auf ein kleiner theil.

Es träget mit geduld die schwäche seiner glieder,

Empfindet, was sie schmertzt, quält aber sie nicht wieder.

Ach wie gar wenig sind doch dieses titels werth!

Wie offt trifft allhier ein, was jenes weib erklärt,

Als sie das wörtgen Herr im drücken umgesetzet.

Mein Max! verzeihe mir, wo dich das wort verletzet!

Du kennst Celinden wohl. Celinden? Cajus Frau?

Ja die den ersten tag, gleichwie ein morgen-thau,

Sein dürres hertz erquickt, itzt aber seufftzt und weinet,

Daß sie zwar andern schön, ihm aber heßlich scheinet.

Was thut Krumpisicus, der durch betrug und list

Und kuppel-künste kaum zum manne worden ist?

Er hat ein reiches weib: er lebt von ihren zinsen;

Doch, fordert sie ein kleid? so fängt er an zu grinsen,

Als wie ein junger wolff, der auf die lämmer laurt;

Je mehr sie sich beklagt, je mehr er sie bedaurt.

Inzwischen giebt er nicht, was er doch solte geben.

Was will die ärmste thun? Soll sie mit ehren leben,

So nimmt sie bey der nacht, was ihr der tag versagt.

Wie wird Lucilia vom Chremes nicht geplagt?

Sein alter ziegen-bart war reiff genug zum grabe;

Doch sprach er: Wo ich nicht ein junges weibgen habe,

So sterb ich vor der zeit. Er hat sie; aber wie?

Vor aß er noch mit ruh; itzt drückt ihn angst und müh.

Warum? sie ist zu schön. Wie bald wär es geschehen,

Daß sie den Silvius am fenster könte sehen!

Drum schielt er, wie ein luchs, durchsuchet stub’ und spind,

Versperret hof und hauß, und heißt das liebe kind

Fein früh zu bette gehn. In wahrheit, wohl getroffen!

Die thüren schließt er zu, das hertze läßt er offen.

Wo bleibet Furius, der durch des himmels macht

Ein treues weib besitzt, die er dennoch veracht?

Der stets geliebt will seyn, nicht aber wieder lieben,

Nichts duldet, und doch selbst sich will im zancken üben?

Ach! daß ein solcher mann doch seinen aufenthalt

Nicht in den wäldern sucht? Jedoch was für ein wald

Ernährt ein solches thier? Wo sieht man wilde bären,

Wie grimmig sie auch sind, der buhlin fleisch verzehren?

Wo wirfft ein erocodil, und wo ein tiegerthier,

Dem weibgen, das es liebt, stets seine mängel für?

Und doch thut es der mensch. O Max! ich muß nur schweigen,

Ich möchte sonsten hier mehr, als ich folte, zeigen,

Du kennst die herren nun. Geh hin! es bleibt dabey,

Daß unkraut unter uns, wie unter frauen, sey:

Und daß ein kluger mann offt engel auch aus drachen,

Ein böser, teufel kan aus guten engeln machen.

Mein Goldbeck! sage nun, ob dich die müh’ gereut,

Mit der du so viel jahr nach deiner braut gefreyt?

Ich weiß, du bist zu klug, daß du dich solst vergehen,

Und nicht allzeit, wie itzt, ihr wahres lob gestehen.

Es ist uns zu bekannt, und dieser stadt zugleich:

Sie macht dich nicht an geld, und doch an glücke reich:

Und wären wir gleich selbst dazu bestimmt gewesen,

So hätten wir dir doch nichts bessers auserlesen.

Ach! so empfange denn, was GOtt mit dir vereint,

Mit so viel danckbarkeit, als er es gut gemeint.

Streich alle sorgen hin, und laß die spötter lernen:

Daß heil und segen sich nie von vernunfft entfernen;

Daß, was ein weiser baut, kein sturm zurücke treibt;

Der stand der keuschen eh’ die süßte bündniß bleibt;

Und noch, wie ehermahls, der welt zu trotz und hohne,

Der liebe reiner geist auch unter menschen wohne.