Das Billet

By Adolf Glaßbrenner

Written 1836-01-01 - 1836-01-01

„Fremdling, nie der Liebe noch

gedacht' ich,

Eh' gesehen ich in Deiner

Pracht Dich!

Frühinge erlebte Zehn und

Acht ich;

Schaukelnd in der Jugend bunten

Jacht mich,

Sah ich meine Tage fließen;

macht' ich

Schöne Reime, spielte, sang und

lacht' ich,

Und es störte keines Kummers

Fracht mich.

Da nahmst Du, den in der fremden

Tracht ich

An dem Fenster sah, in Deine

Acht mich,

Fesseltest durch Deiner Reize

Macht mich,

Schlepptest in der Lebenssorgen

Wacht mich,

Wo nun seufzend liege Tag und

Nacht ich,

Rufend, während Thränen schleichen

sacht sich

Aus dem Aug', durch Tausend O und

Ach Dich,

Dich, den Jüngling, der so weit

gebracht mich!

Lange kämpfte in der Zweifel

Schlacht ich:

Ob nicht träf' ein niedriger

Verdacht mich

Dieses Briefes wegen, doch jetzt

acht' ich

Mich als Sieg'rin rufend: offen

tracht' ich

Darnach, daß in Deines Herzens

Schacht sich

Gleiche Gluth entzünde, wie

entfacht sich

In dem meinen! Und nun, Theurer,

schmacht' ich,

Bis Du kurz die Antwort schreibst:

‚Es macht sich!‘

Nachdem als Herr den Inhalt des Billetes

Pflichtschuldigst ich der Dienerin erklärt,

Rief ich mit wahrhaft königlicher Würde:

„Die Bitte dieser Dame sei gewährt!“