Das durch dem kalten Winter erwekte Andachtsfeur.
Des Jahres Nacht, die Winters Zeit,
Die Erd und Wasser überstreut,
Mit den gefrornen Reif und Düf-
Aus den verdikten schwarzen Lüf-
Schliest mich bei einem warmen Schein
Des Ofens, in mein Zimmer ein,
Wo ich kein Toben kalter Winde,
Kein frostig Ungemach empfinde.
Ich sehe durch der Fenster Glas,
Die Sonne scheinet trüb und blas,
Ich
Durch die beflokten Lüfte sausen;
Die schwangern Wolken brechen los,
Das Naß das durch die Luft abfloß,
Wird in dem Tröpfeln dicht gefroren;
Es wird draus Schnee und Eis gebohren.
Ich denk in warmer Ruhe nach,
Wie schaudrigt sey das Ungemach,
Das da die Flokken scherzend spielen,
Die starren Glieder draussen fühlen;
Die Kälte und das zakkigt Eis,
Macht mich in reger Andacht heiß,
Da ich Gottlob von Fern nur sehe
Des kalten Winters frostig Wehe.
Ich fühle in der muntren Brust,
Zum Dichten eine rege Lust,
Ein sanftes Wohl durchkreucht die Glieder:
Drum sez ich mich beim Ofen nieder,
Worin die Flamme lodernd schlägt:
Mein Herz wird durch das Feur bewegt
Und durch des Holzes reges Brennen,
Dran
Mein GOtt! bei der erstarrten Welt,
Da mit den schroffen Eis das Feld
Als wie mit Schollen überbrükket,
Werd ich durch warme Lust erquikket.
Ich preise deine Gütigkeit,
In ruhiger Zufriedenheit,
Mir deucht daß alle diese Flammen
Des Feurs, aus deiner Liebe stammen.
Ja! Ja, dies heisse Element,
Das wärmet, leuchtet, strahlt und brennt,
Führt uns HErr! deine Wunder-
Zur Winterszeit recht ins Gemüte.
Wir müsten in dem Frost vergehn,
Und könten nicht darin bestehn;
Wenn nicht das Feur uns könte wärmen,
Bei der verdikten Lüfte Schwärmen.
Noch mehr erkenn ich deine Macht,
Die Holz zum Feur hervor gebracht,
Das was verbrennlichs an sich heget,
Weil etwas schweflichts drin geleget.
Das rührt ja alles HErr! von dir,
Dies stelt uns deine
Wenn ich auf deiner Huld Geschenke,
Zur Winterszeit die Augen lenke.
Ich bin erquikt, weil sanfte thut,
Wenn man die süsse Kraft der Glut
In einem warmen Zimmer spüret,
Daraus sich aller Frost verliehret.
Ich hör der schnellen Lohe Schal
Den in dem Holz verschränkten Knal
Der Luft, es bringet mir Vergnügen,
Wenn die gesprengten Funken fliegen.
Mein GOtt! ach! führe meinen Sinn
Dadurch zu der Betrachtung hin,
Daß du uns zum vergnügten Leben,
Jm Winter Feur und Holz gegeben.
Und daß du wenn die kalte Noth,
Der starren Welt mit Kummer droht,
Uns nicht mit Untergang bestraffest,
Vielmehr uns reiche Nahrung schaffest.
Es geht die Sommerszeit voran,
Der Herbst, worin man sammlen kan,
Da schenkst du uns im Ueberflusse,
So manche Gaben zum Genusse.
Was in dem Sommer, Herbst gesparrt,
Wird auf die Winterszeit verwahrt,
Und vor des Hungers heissen Jammer,
Füllst du uns manche Vorraths-Kammer.
Die Scheuren sind von Früchten voll,
Womit ein Haus sich nähren sol;
Die Küch und Keller sind gefüllet,
Mit Fässern draus dein Seegen quillet:
Die reichen uns bei rauhen Frost,
So manche warme Winterkost,
Wer kan dies alles überdenken,
Ohn, Dir dafür den Dank zu schenken?
Du giebest auch dem Viehe satt,
Das Heu und Stroh zum Futter hat,
Wenn sie auf denen grünen Auen,
Stat Gras, das schroffe Eis anschauen.
Du nährst die Thiere in dem Wald,
Bei ihrem kalten Aufenthalt,
Und weißt sie in die haarnen Dekken,
Durch deine Vorsicht zu verstekken.
Es ist durch deine Güt das Wild,
In warmes Pelzwerk eingehüllt,
Daß sie in sanfter Wärme brennen,
Wenn sie in Schnee und Eise rennen.
Du schaffest ihnen Futter an,
Wenn man auch gleich nicht finden kan,
Wie sich so viele wilde Heeren,
Die in den Wäldern wohnen, nähren.
Der Hirsch der nach den Quellen läuft,
Da alle Brunnen zugehäuft
Von harten Eis kan Wasser finden,
Und bricht durch die versteinten Rinden:
Du sorgest, daß auf denen Höhn,
Noch hie und da sich Flüsse drehn,
Die auch bei kalten Winter rollen,
Und einen frischen Labtrunk zollen.
Dein Othem macht, daß in dem Meer
Ein ruderndes und schuppigt Heer
Von Fischen, unterm Eise lebet,
Das sich nach frischer Luft bestrebet.
Ein Thauwind kommt auf dein Geheis,
Zersehmelzt das starr und schroffe Eis,
Und macht daß die gefrornen Schollen,
Bald wieder von einander rollen.
Es bricht die starre Brük entzwei,
Die nasse Wohnung wird denn frei,
Die wie ein Kerker zugeschlossen,
Und wie mit Spiegeln übergossen.
Da haben sie in freier Flut,
Auch wieder einen freien Muth,
Da sie durch frischer Lüfte Weben,
Beschäumt im Wasserreiche leben.