Das durch den Ehestand erlangte Paradieß der Freyheit/ der einem Hochzeit-FesteF...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wenn auf den Ehestand des Pöbels Geyfer fällt

Und dieses Heiligthum vor Sclaven-Wercke hält:

So hegt ein edler Geist nur Himmlische Gedancken

Er sieht den Ursprung an der war im Paradieß

Da noch der erste Mensch in grösten Freyheits-Schrancken

Da noch der Unschulds-Wind durch Edens-Blätter bließ

Und denckt: ein Lästerer nennt dieses Sclaven Poßen

Das aus der Unschuld selbst und Freyheit ist entsproßen.

Des höchsten Stifftung war zu erst der Ehestand;

Das erste Wunder macht den Heyland nur bekandt

Da er zur Hochzeit ist da muß der Safft der Reben

Den er aus Wasser schafft ein schönes Bildniß seyn:

Wie viele Süßigkeit ein solcher Stand kan geben.

Gott sprach: Es ist nicht gut auf daß der Mensch allein.

Will nun ein Thor annoch vor böß und sclavisch schelten

Was vor so löblich muß dem gantzen Himmel gelten?

Der zehnde hat vielleicht an so was nicht gedacht

Da er den Ehestand verächtlich ausgelacht.

Man schertzt in Tag hinein: Auf Freyen folgt bereuen

Die Freyheit wird verkaufft man lebt nicht wie zu vor

Frey in Gesellschafft gehn darff man sich da nicht freuen;

Und was dergleichen mehr: Allein da denckt kein Thor:

Daß unser Ehe-Stand ein Paradieß Gerichte

Wo alles ist erlaubt nur nicht verbotne Früchte.

Und wer denn endlich will in voller Freyheit gehn

Muß auf den Himmel nicht noch auf was ehrlichs sehn.

Denn auf der Welt ist nichts natürlichers als lieben

Und nichts vergnügters ist als wie geliebt zu seyn.

Fühlt iederman den Trieb nun in die Brust geschrieben;

Und geht doch niemahls gern ein Ehe Bündniß ein:

Den wird der Wollust-Werck ja oder doch die Sünden

Von der Gedancken-Lust mit Sclaven-Feßeln binden.

Gesellschafft welche schön macht unsre gröste Lust

Verliebten aber bleibt die schönste nur bewust:

Denn welcher einsam lebt wird nach das Plato Lehre

Ein halb-Gott oder auch ein halber Narr genennt.

Wer sich des ersten rühmt brennt voller Thorheits Ehre

Wer ist nun der von sich das letzte gern bekennt?

Ist nun Gesellschafft schön und sich bey Freunden wißen

Wer will den besten nicht im Ehe-Stande küßen?

Spricht man: Es ist ein Band das sich nicht trennen läst:

Wohl! Ulmen schlingen sich auch um die Reben fest:

Drum wird ein Ehlich-Paar dem Weinstock gleich gebunden

Der so mehr Süßigkeit und schönern Wachsthum kriegt

Der wenn er sonder Band unbrauchbar wird befunden

Gleich wie kein Schau-Gericht von Jungfern recht vergnügt.

Der Jungfern Freyheit ist: Allein zu Bette hincken

Und Nectar, welchen sie nicht haben nicht zu trincken.

Der Weinstock hat die Krafft daß wenn er völlig blüht

Vor dem Geruch alsdann der Schlangen Menge flieht.

Und prangt der Ehe-Stand mit Paradieses Reben

Wo süße Liebes-Kost uns unverbohten ist:

So kan die Wollust uns nicht Schlangen-Stiche geben.

Ja wenn der Jungfern Stand Gesetzes-Feßeln küßt:

So wird ein schönes Kind in ihren Ehe-Schrancken

Freyherrin aller Lust Begierden und Gedancken

So wie der Sonnen-Uhr der Schatten folgen muß

So schön und einig ist der Ehe-Leute Schluß.

Will Erithea gern zum Mann ins Elend gehen

Und will Sulpitia, die edle Römerin

So bald ihr Mann verbannt sich nicht in Freyheit sehen

Diß zeugt: Wie wunder-schön der Ehe-Gatten Sinn

Wie Ehe-Liebe kan vergnügt in Wüsten lachen

Und aus der Sclaverey der Freyheit Eden machen.

So wie ein Palmen-Baum bey seines gleichen grünt

Und zu des einem Wohl des andern Wachsthum dient:

So kan der Lebens-Baum im Paradieß der Ehe

Nicht ungepaaret stehn; der Himmel stimmt mit ein

Daß ein getrautes Paar es sey im Wohl und Wehe

So unzertrennlich wird als wie vergnüglich seyn:

Daß wie im Paradieß der Ehe-Stand getroffen

Er Paradieses Lust und Freyheit auch zu hoffen.

Hochwehrt- und edles Paar so wehlt Ihr durch ein Band

Der Freyheit Paradieß der Liebe süßen Stand

Und last den Himmel euch die Sclaverey benehmen?

Das Schertzen ist erlaubt das Küßen steht euch frey.

Ihr dürft euch beyde nicht des Rosen-Lagers schämen

Und selbst der Himmel reißt das Feigen-Blat entzwey

Daß wie im Paradieß der ersten Menschen Hertzen

Ihr mit Vergnügung mögt im Stand der Unschuld schertzen.

Daß er Herr Bräutigam die Handelschafft versteht

Ist weil er wunderschön in die Gesellschafft geht

Weil selbst ein edles Kind mit ihm den Tausch getroffen

Das tausend Tugenden vor seine Treue giebt

Durch deren Lieblichkeit ein Paradieß ihm offen

In das die Anmuth sich so wie er selbst verliebt.

Weil Freundschafft Lieb und Glück der Handel im Vergnügen

Im Paradieses Meer bey ihm vor Ancker liegen.

So viele Rosen nun das Paradieß gehegt;

So sehr die Unschuld erst im Menschen war geprägt;

Mit so viel Freyheit sie die Liebes-Frucht geschmecket;

Welch über irrdisch Glück im Paradieß bekandt

Damit sey edles Paar stets euer Tisch gedecket

Und so viel Seeligkeit küß euer Ehestand

Daß wenn das Paradieß erst durch den Fall verschwindet

Man es in eurer Lied und Tugend wieder findet.