Das entzükkende Vergnügen aus dem Anschauen des Himmels bei der Nacht.

By Johann Justus Ebeling

Der Farben Mannigfalt zeugt von

des Höchsten Güte,

Ergözzet unser Aug, erquikket

das Gemüthe,

Wie die Erfahrung lehrt, da uns

in dieser Welt,

Am Himmel, auf der Erd, viel

Schönes dargestellt.

Wer kann ohn süsse Lust, in frohen Frühlings-Tagen,

Der Felder Schmuk beschaun? Ohn inniges Behagen

Ohn einen innren Reiz in einen Garten sehn,

Worin auf grünen Grund geschmükte Blumen stehn?

Die roth, grün, gelb, blau weiß so durch einander

legen

Daß wir an ihrer Pracht, die Schönheit selbst er-

wegen;

Die so viel Mischungen, die so viel Herrlichkeit,

Die unbeschreiblich ist, in unsre Augen streut.

Wenn wir dies alles sehn; so werden wir gerühret

Von Freudigkeit entzükt, zum Schöpfer hinge-

führet.

Sein Glanz der spiegelt sich, in jeder Kreatur,

Und seine Herrligkeit im Reiche der Natur,

Mein

mels Auen,

Da du selbst Sonne bist, vor Glanz und Schönheit

schauen,

So dacht ich, als mein Herz bei einer stillen Nacht,

Sich von der Tags-Arbeit und Sorgen frei gemacht,

Und dies ermunterte mich zur vergnügten Freude,

Ich fand auch bei der Nacht die schönste Augen-Weide.

Der Himmel ward recht hell; ich sah denselben an,

Das schlummernd Augenpaar, ward wieder aufge-

than,

So bald sie merketen, daß die Saphirnen Bogen

Des klaren Fiemaments, mit schönsten Schmuk

bezogen.

Mein

daran gewahr,

Es stellte sich zuerst ein hell Gewölke dar,

Wo blau mit Golde strahlt, und an der andern

Seiten,

Wieß sich ein Silberschein, aus grauen Dunkel-

heiten.

Die Wolke flog hinweg, mein ganz verschlungner

Sin,

Fand immer neue Pracht, wo ich nur sahe hin,

Ein schönes Himmelblau, mit Silber untermenget,

Ein weisser Attlas Schein, mit sanften Grün ge-

sprenget;

Ein untermischtes Gelb, war in der Wolken Kleid,

Recht wunderbar versezt, und lieblich ausgestreut.

Bald deuchte mir, daß ich nichts als Drap d’or er-

blikket,

Bald ward mir dessen Glanz, aus dem Gesicht ent-

rükket,

Da sah ich Drap d’ Argent, auf der bestirrnten

Bahn,

Bald wieder andern Schmuk, mit neuen Farben

an;

Wie sich veränderten die künstlichen Maschienen,

An diesem Schau Gerüst gewölbter Himmels Büh-

nen.

O! welch ein Schauplaz wird uns Menschen hier

gezeigt,

Sprach mein ergözter Geist, der wie den Sinnen

deucht

Unentlich tief und breit, wo auf des Schöpfers

Winken,

Ein neuer Vorhang kommt, wenn andre nieder-

sinken.

O! welche Allmachts Hand die so den Himmel ziert,

In einem Augenblik der Wolken Farth regiert!

Um durch die Aenderung die Menschen zu erregen,

Daß sie, wie wunderbahr, der Höchste sei, erwegen.

Beschämmte Neubegier, die solches Schauspiel liebt,

Was eitler Wiz erdacht, und schnöde Torheit giebt!

Und dabei nicht erwegt, was Tag und Nacht zu sehen,

Am hellen Firmament, an schönen Himmels-Höhen.

Ergözzet euch die Kunst, die ein Gerüste baut,

Daran man Glanz und Pracht, von Flitter-Golde

schaut;

Der Schauplaz dieser Welt, die Wunder-vollen

Spheren

Die können, wenn ihr wolt, euch größre Wun-

der lehren.

Seht nur dieselben an; ein Andachts voller Blik,

Bringt auch Verwunderung, in das Gemüth zurük:

Die Farben die ihr seht, sind aufgezogne Dünste,

Die

spinste.

Mir fiel beim Himmels-Schau, noch der Gedanke ein,

Wie herrlich wird es nicht im Himmel selber sein,

Welch unbekandter Glanz, wird dort in Salems-

Zimmern

Wo

de schimmern.

Wie, ist das Aussenwerk, so wunderbahr geschmükt,

O! was vor Glanz und Pracht, wird innerlich erblikt.

Jm Allerheiligsten, wo

Die alles überstrahlt mit mehr als güldner Wonne.

Die Nacht zeigt mir anjezt, wie schön das Firma-

ment,

Daran in güldnen Glanz, der Sternen Klarheit

brennt:

Wie schön der Himmel sei, wird dreinst mein Geist

erblikken,

Wenn ihn die Todes-Nacht, wird an den Ort ent-

zükken

Wo

Schau ich den Himmel an, wo mein vergnügter Sin

Des Höchsten Majestät, durchs Glaubens Fernglas

siehet

Wo meine Einfalt sich, zu seinen Ruhm bemühet:

Ist erst der Vorhang weg; so sieht mein Angesicht,

So preiset Jhn mein Geist, dort im verklärten Licht.