Das erste Fenster.

By Barthold Heinrich Brockes

Der ersten Tafel, linker Hand, bestrahlter Vorgrund ist

der Wall,

Der mit dem Werkzeug der Bellonen, mit Stücken, die zu

Freuden-Schüssen,

Und fremde Schiffe, welche grüssen, hinwieder knallend

zu begrüssen,

Gott Lob! bisher gebrauchet worden, wohl ausstaffirt, und

überall

Das Amt-Haus rings umher umgiebt. Ein zierlich rohtes

Schilder-Haus

Steht mitten zwischen zwo Canonen. Die Brustwehr

macht die Grenzen aus,

Und lässet uns, wo sie sich endet, der sogenannten Kälber-

Weide,

Nachdem dieselbe aufgebrochen, das lieblich wallende Ge-

trayde

In einem bald smaragdnem Schmuck, und bald im güld-

nen Glanze, seh'n.

Die Grenze dieser fetten Wiese ist die Krystallen- gleiche

Fluht

Des äussern tiefen Wasser-Grabens, wovon man hier ein

Stück erblicket,

Das sich, von dem

Schatten schmücket,

Der, nebst zwey hoher Bäume Schatten, auf seiner glatten

Fläche ruht,

Bey welchen Bäumen, linker Hand, noch ein Paar feiner

Häuser stehet,

Wozwischen der gebogne Weg zun Süd- und Wester-Wiesen

gehet,

Und sich an diesem Orte theilt. Nach diesen Häusern siehet

man

Ein fast nicht abzusehend Feld, von Aeckern eine solche Menge,

Die, zwischen grün- beblühmten Wiesen, in viele Strich’ und

solcher Länge,

Zumahl zur Sommers-Zeit, sich strecken, daß, wenn gemäht,

an vielen Orten,

Ein unabsichtbar grün Gewand, besetzt mit breiten güldnen

Borten,

Sie unsern frohen Augen zeigen. Nachhero findet unser

Blick

Die Dorfschaft

Dös' ein Stück.

Zur linken sieht man

mit Vergnügen,

Den hohen Thurm zum Neuen-Werk, recht mitten in der

Elbe, liegen,

Nebst seiner Blüsen, die im Winter, mit der stets unter-

haltnen Gluht,

Den Schiffenden zum Pharus dient, und grosse Dienst’ dem

Kaufmann thut.

Dieß ist der Augen Horizont, indem wir da den Luft-Kreis

sehen

Sich gleichsam mit der Fluht verbinden. Laßt uns nunmehr

denn weiter gehen,

Und schauen, was im andern Fenster, als in der andern

Schilderey,

Für eine Menge schöner Vorwürf’, in einer schönen Lage,

sey.