Das Feuerwerk am Ufer der Elbean den Herrn Professor Sulzer

By Anna Louisa Karsch

Written 1762-01-01 - 1762-01-01

Verweile Freund, laß uns ihn noch geniessen

Den Frühlings-Abend, der gefühlt

Von Blumen wird, die geizig sich verschliessen

Wenn sie der Thau gekühlt.

Des Tages Thron wird von der Nacht besessen;

Mit tausend Sonnen überstreut

Schwebt über uns, von keiner Hand gemessen,

Ihr königliches Kleid.

Um ihren Sitz herrscht feyerliche Stille;

Aus ihrem unumwölkten Schooß

Fährt nicht der Blitz, nicht brechen mit Gebrülle

Die Donner Gottes los.

Doch, höre Freund, was donnert uns zur Seite,

Das Ufer zittert von dem Knall,

Gleich dem Getös aus fernem Kriegesstreite;

Und Antwort giebt der Wall.

Die Citadell, der Dom, die Fürsten-Häuser

Die rufen diesem Donner nach – –

So riefen Hügel jüngst, da Lorbeerreiser

Der Held in Sachsen brach!

Mein Blick verfolgt die steigende Raquete

Die um den Rang der Sterne wirbt,

Und da ihr Stolz von ewig glänzen redte,

Verlöscht und niederstirbt.

So hoch empor ist stolzer Muth gestiegen

In Friedrichs starken Feinden oft,

Wenn sie von Wuth entflammt, sein Niederliegen

Gewünschet und gehofft.

Was kommt dort auf dem Wasser hergezogen?

Sind Mars und Venus voller Gluth

Von ihrer Laufbahn itzt herabgeflogen,

Und brennen in der Fluth?

Sie treiben sich – – nun fahren sie zusammen

Wie Pandamus und Diomed;

Zwo Schiffen gleich, wenn jegliches in Flammen

Gesetzt, zu Wolken geht.

Freund, sage mir welch lieblich Ungeheuer

Ward von der Kunst hervorgebracht?

Jetzt wird der Strom vom hochgesprütztem Feuer

Dem Aetna gleich gemacht!

Schönflammigt springt in tausend grossen Funken

Der Bogen Pracht, ich sehe sie

Und denke von der Zukunft Freude trunken:

So springt zu Sans-Souci

Dem Sieger hochentgegen jede Quelle.

Die Marmor-Säulen regen sich;

Roms Helden-Geister wollen aus der Hölle

Herauf zu Friederich!