Das Gartenhaus

By Wilhelm Busch

Written 1870-01-01 - 1870-01-01

Liebe – sagt man schön und richtig

Ist ein Ding, was äußerst wichtig.

Nicht nur zieht man in Betracht,

Was man selber damit macht,

Nein, man ist in solchen Sachen

Auch gespannt, was andre machen. –

Allgemein von Mund zu Munde

Geht die ahnungsvolle Kunde,

Sozusagen ein Gemunkel,

Daß im Garten, wenn es dunkel,

Julchen Knopp mit Försters Fritze

Heimlich wandle oder sitze. –

Diese Sage hat vor allen

Drei Personen sehr mißfallen,

Die sich leider ganz entzweit

Durch die Eifersüchtigkeit.

Jeder hat sich vorgenommen:

Ei, da muß ich hinter kommen.

Hier schleicht Sutitt schlau heraus

Zu Herrn Knoppens Gartenhaus,

Wo das Gartenbaugerät

Wohlverwahrt und trocken steht.

Husch! Er schlüpft in das Sallett,

Denn es naht sich Mickefett.

Husch! Der zögert auch nicht viel,

Denn es naht sich Klingebiel.

Husch! Auch der drückt sich hinein,

Denn hier naht im Mondenschein,

Wie wohl zu vermuten war,

Das bewußte Liebespaar.

O wie peinlich muß es sein,

Wenn man so als Feind zu drein

Engbedrückt zusammensitzt

Und vor Zorn im Dunkeln schwitzt!

Siehste wohl! Da geht es plötzlich

Rumpelpumpel, ganz entsetzlich.

Alles Gartenutensil

Mischt sich in das Kampfgewühl;

Und, rabum! zum Überfluß

Löst sich laut der Flintenschuß.

Husch! Da schlupfen voller Schreck

Fritz und Julchen ins Versteck;

Denn schon zeigt sich in der Ferne

Vater Knopp mit der Laterne.

Knipp, der Hund, kratzt an der Tür.

Knopp der denkt: „Was hat er hier?“

Starr und staunend bleibt er stehn

Mit dem Ruf: „Was muß ich sehn??“

Dann mit Fassung in den Zügen

Spricht er: „Na, Ihr könnt Euch kriegen!!“

Jetzt kommt Mutter, jetzt kommt Tante,

Beide schon im Nachtgewande.

Oh, das war mal eine schöne

Rührende Familienszene!!! –