Das Geheimniß Christi und der Gemeine.Eph. V.

By Gottfried Arnold

Written 1690-01-01 - 1690-01-01

Brennt immer hin

Ihr angezündte Flammen

Behalt't die Krafft beysammen

Und hebt den schweren Sinn

Mit euren Liebes-Flügeln

Nach jenen Weyrauchs Hügeln

Da mein verliebter Sinn

Brennt immer hin.

Ich weiß es schon

Wo ich den Schönsten funden

Der meinen Geist verbunden;

Er ist der Liebe Lohn

Der sich mir selbst muß geben

Soll anders ich noch leben

Wo seine Schönheit wohn

Das weiß ich schon.

Ich hab Ihn nun!

Und such ihn doch noch immer

In meines Hertzens Zimmer

Wo Er so gern wil ruhn.

Das hitzige Verlangen

Der Lieb hat mich gefangen

Mir stetig wol zuthun

Ich hab Ihn nun.

Was gibt Er mir?

Er hat sein gantzes Leben

In mich zu eigen geben

Ich lebe nun nicht hier

Ich soll mich selbst nicht regen

Er will seyn meyn bewegen

So gibt Er für und für

Sich selber mir.

Ein brennend Hertz

Hat Er in mich verstecket

Das mich zur Lieb erwecket

Und hitzt wie eine Kertz.

Ich fühl die Feuer Kohlen

Wie Er mir hat befohlen

So lodert stets auffwerts

Mein brennend Hertz.

Sein Liebes-Schos

Ist meine Ruhe-Stätte

Mein keusches Ehebette

Mein zugetheiltes Loß;

Ich darff mich zu ihm legen

Wie Keusch-Verliebte pflegen

Da wird das Feuer groß

Im Liebes-Schos.

Kein Auge sieht

Kein Hertz hat über kommen

Kein Ohr hat je vernommen

Wenn unser Bette blüht:

Was Gott hat dem bereitet

Der sich von ihm nicht scheidet

Und Liebe in sich zieht

Die man nicht sieht.

Man kan auch nicht

Von dem Geheimniß schreiben

Es muß verschwiegen bleiben

Was Lieb in uns verricht

Es ist recht groß zu nennen

Wenn Jesus will erkennen

Die Braut in seinem Licht

Man kennt es nicht.

Verstummen muß

Vernunfft und alle Sinnen

Deß Bräutigams Beginnen

Ist gleich den schnellen Fluß

Sein gar zu treuer Wille

Macht eignes Wollen stille

Weil alles bey dem Kuß

Verstummen muß.

Ein süsses Wohl

Durchdringt mit Gottes Kräfften

Und bey den Liebs-Geschäfften

Darauß ich Labsahl hol

Man weiß sich nicht zu lassen

Und macht frembd Feuer hassen

Die reine Liebes-Kohl

Vom süssen Wohl.

Die reiche Frucht

Der Liebe wird schon kommen!

Wenn man nur angenommen

Die Erstlinge der Zucht

Die sie an uns gewendet

Wenn erst die Lieb vollendet

So wird mit Lust gesucht

Die Liebe-Frucht.

Du Schönster du

Laß deine milden Küsse

Als so viel Zucker-Flüsse

Mir allzeit rinnen zu.

Ich kan ohn dich nicht bleiben

Mich soll von dir nichts treiben

Du bist mein Trost und Ruh

Du Schönster Du.