Das Gewässer der Sündfluth ein Spiegel göttlicher Gerechtigkeit .
Welch ein Schrekkens voller Spiegel,
wird uns an der Vorderwelt,
Die in Sünd und Frevel stekte, von
dir HERR! noch vorgestellt!
Da wir die Gerechtigkeit in den Was-
sern bildend sehen,
Die mit ihrer strengen Fluth, über alle Berge ge-
hen;
Schenk uns deines Geistes Flammen, da der kalte
Trieb erwacht,
Deinen Pfad in grossen Wassern, deines Eifers
strenge Macht
An der Sündfluth zu beschaun, die der Lüste Gluth
gekühlet,
Und der Laster stinkend Schlam, von der Erde ab-
gespület.
O! welch schrekliches Verderben, wird man in der
Welt gewahr,
Da die Unschuld ausgestorben, und die Bosheit
offenbar;
Da das Unkraut kaum gesät, bracht es gleich der
Bosheit Früchte,
Als es zu der Erndte reif machte es in Zorn zu-
nichte.
Wenn man mit betrübten Blikken, diese Vorder-
welt beschaut,
Die des weisen Schöpfers Güte, uns zum Para-
dies erbaut,
So sieht man, wie nach dem Fall, sich die Tugend
auch verlohren,
Da der ganz verdorbne Mensch, Menschen seiner
Art gebohren.
Das Geschlechte ward vermehret, Sünd und Bos-
heit häuften sich,
Da das Gift sich ausgebreitet, das der alten Schlan-
gen Stich
In den ersten Stam geflöst, welches denn in allen
Zweigen
Sich auch muste nach der Zeit, wie es durchge-
drungen zeigen.
Wie der Baum so sind die Früchte: Und daß dieses
leider wahr
Wies sich bei dem Lauf der Zeiten, an dem Men-
schen offenbahr:
Und das Aug das alles sieht, sahe die verdorbnen
Seelen
Wie sie aus verkehrter Lust, stat des Guten Bö-
ses wählen.
Dieser Zunder böser Lüste, brach in Geilheits Flam-
men aus,
Wo die Liebe sonst regierte, stürmte der Affecten
Braus;
Blinde Wuth und Raserei, aus dem inren Zorn
entglommen,
Und der giftig scheele Neid, waren in die Welt ge-
kommen;
Die verkehrte Eigenliebe zeugte ihre Hochmuths
Frucht,
Auch des Ehrgeizs Herschbegierde kam als eine Ot-
ter Zucht
Wilde Grausamkeit hervor, die befreit von ihren
Zügel,
In Verzweifelung durchbrach, der Gesezze heilge
Riegel.
Es ging alles durch einander, reine Unschuld ward
gedrükt,
Und die Tugend die sehr selten, ward mit aller
Macht erstikt,
Alle Ordnung ward verlacht, und die angelegten
Staaten,
Waren in Verwilderung, wie verwachsne Unkrauts
Saaten.
Dieses sah des Höchsten Auge, daß die arme Sterb-
lichkeit,
Die sein Wink wie Spreu zerstäubet, zu dem Un-
tergang bereit;
Es erwachete sein Grim, durch Gerechtigkeit ent-
flammet,
Alles dieses zu verheern, was aus Adams Lenden
stammet.
Der Gerichts Tag ward bestimmet, doch die ew-
ge Gütigkeit,
Sezte noch den wilden Sündern, eine lange Gna-
den Zeit
Da der Frommen dünne Zahl, und die sich bekeh-
ren wolten,
Bei dem strengen Zebaoth, ofne Arme finden sol-
ten.
Diese Zeit ward auch verschlossen: es war keine
Beßrung da
Und als noch des Höchsten Auge, schnöde Greul der
Bosheit sah.
Ließ er die zum Kasten gehn, die sein Allmachts
volles Walten,
Da sie von der Bosheit frei, wolte vor der Straf
erhalten.
Auf sein Winken kam das Wasser, das im tieffen
Erden Schooß
Und aus dem zerborstnen Schlünden, über alle Ufer
floß;
Es sprang sprudelnd in die Höh, aus dem hohl und
tieffen Quellen
Und must auf sein Macht Geheis, über Damm und
Riegel schwellen.
Dazu kam der Kreis der Lüfte, welcher sich zusam-
men zog;
So daß eine schwarze Wolke, nach der andern da-
her flog
Bis ein schneller Wolken Bruch seine aufgehaltnen
Flüsse,
Wie mit einen strengen Strom, ungeheurer Was-
ser Güsse
In den vierzig Schrekkens Tagen, unaufhörlich
regnen hieß,
Welch ein Anblik! da der Himmel seine Fenster öf-
nen ließ.
Um den Schaum der bösen Welt, von der Erde
weg zu schwemmen,
Der nicht als durch die Gewalt, im verdorbnen
Lauf zu hemmen;
Dieser glatte Fluthen Spiegel, stieg nun immer
in die Höh,
Und der Ball der troknen Erde, ward zur offenbah-
ren See.
Darin sich die helle Sonn der Gerechtigkeit be-
spiegelt,
Die die Fluthen rauschen ließ, welche sonst die Macht
verriegelt.
O! wie gings den Himmelsstürmern, die den Don-
ner ausgelacht,
Und des Grimmes feurig Blizzen, das des Höch-
sten Zorn aufwacht,
Wie ein Lustfeur angesehn; O! wie ging es den
Rebellen,
Die sich wie ein Hornis Heer, gegen
Wehre stellen.
Jhre Hizze ward gekühlet, als durch eine kalte
Fluth
Diese Wildheit ward gedämpfet; und der stolze
Frevel Muth.
Der wie Wasser schnell zerflos, fing bei diesen Un-
gewittern,
Wie ein bebend Espenlaub, an vor Furcht und Angst
zu zittern.
Jhre Sicherheit die taumelnd, die Gefahr zu spät
gesehn,
Lies bei dem erwachten Sinnen, zuerst bange Seuf-
zer gehn,
Drauf ein winselndes Geheul, in der trüben Luft
erthönte,
Da sich ieder Schrekkens voll, nach der Berge
Gipfel sehnte.
Welch ein klagend Händeringen! da der ungedämm-
te Fluß,
Rollend durch die Thäler drunge; da des Wetters
starker Guß
Jmmer mehr und mehr den Strom, mit der stren-
gen Fluth vergrössert;
So daß auch die steilen Höhn, schon zum Theil
ganz überwässert.
Mit dem Wachsthum kalter Ströme, wuchs bei
jeden auch die Noth;
Dieser ward von Furcht erblasset; jener fast vor
Schrekken todt;
Hie rang die Verzweifelung, die die Mörderin der
Seelen
Sie ward auf den Rath bedacht, wie sie kürzte Angst
und Quälen,
Sie trieb viele in die Tieffe, die sich in die Höh
gemacht,
Und der Wirbel strenger Wellen, hat sie auch bald
umgebracht;
Hie ward wiederum ein Theil, von der Hofnung
unterstüzzet,
Das in dem Gedanken stand, es wär sicher und
beschüzzet,
Wenn es auf die steilen Gipfel, höchster Berge sich
gesezt,
Da der Fluthen strenges Wallen, erst dem Mittel-
Theil benezt;
Endlich würde doch der Strom, wiederum zur Tief-
fe dringen,
Und der Berge höchste Spiz ihnen die Errettung
bringen.
Doch das ungedämmte Rauschen das noch immer
höher ging
Das ergrif mit seinen Wirbeln, auf des Allerhöch-
sten Wink,
Alles was sich nur aus Furcht, auf der Berge Spiz
verkrochen,
Als der Tieffen voller Schlund und der Wolken
Schlauch gebrochen.
Alles was noch Othem hatte, sah auf dieser Fluthen
Bahn,
Unsers
gel an.
Welch ein Anblik! da das Vieh mit entsezlich grau-
sen Brüllen
Schwimmend aus dem Waldern kam, und den
Durst der Angst zu stillen
Seinen Todt in sich verschlukte; da das leichte
Vogel Heer,
In der freien Luft ersäuffet, und ins überschwemm-
te Meer
Plözlich Hauffen weis hinfiel; da sie bei dem schnel-
len Regen,
Nicht vermocht der Flügel Kraft, ausgedehnet zu
bewegen.
Welch ein schrekliches Verderben! welch erbärm-
lich Trauerspiel!
Da der zahmen Heerd ein Regen starker Güsse über-
fiel,
Der sie welzend weiter trieb, da sie auf den brei-
ten Tieffen,
Bis das Wasser sie erstikt, blökend zu den Schöp-
fer rieffen.
Da ward eine See voll Todten, ja! ein rechtes
Todten Meer,
Hie flos eine Meng von Thieren, da von todten
Menschen her,
Die sich hie und da verstekt: aber vor der Fluthen
Rennen,
Das gewaltig niederreist, sich doch nicht erretten
können.
Die auf derer Berge Spizzen, ihre Sicherheit er-
wählt,
Da sie Furcht und banges Hoffen, länger als der
Todt gequält.
Wurden endlich durch den Strom, der die Gipfel
überschwommen,
Von der Angst schon halb entseelt, fürchterlich hin-
weg genommen.
Jhr Bemühen war vergebens, wenn sie sich zur
Höh bewegt,
Und mit schwimmenden Bestreben, auf die glatte
Fluth gelegt;
Weil das wirbelnde Gedräng aufgethürmter Was-
serwogen,
Sie doch wieder in den Grund, biß sie ganz erstikt,
gezogen.
So ward alles was gelebet, da des Höchsten Grim
entflammt
Durch gerechte Wasser Straffe, zu den jähen Todt
verdammt
Da des Noä sein Geschlecht mit dem aufbehaltnen
Thieren,
In dem Kasten
lich spüren.
Sünder! diese Straf Gerichte; sind euch in der Gna-
den Zeit,
Offenbahrte Warnungs Zeichen göttlicher Gerech-
tigkeit,
Lernet an der grossen Fluth, damit er die Welt ver-
heeret,
Was dem Bösen vor ein Lohn, auf ein böses Thun
bescheret.
Es sind seine Elemente, Ruthen die der Richter
nimmt,
Wenn man nicht bei wahrer Busse, in dem Salz
der Thränen schwimmt.
Lernet was vor ein Gericht, über unsre Erde schwe-
bet,
Die vor seines Eifers Grim, bei gedrohten Fall er-
bebet;
Ist die erste Welt im Wasser, wegen ihrer Schuld
versenkt;
So ist über unsre Erde auch ein gleicher Zorn ver-
hängt;
Da sie durch die Feuers Gluth, wie die Offenbahrung
lehret,
Wird zulezt noch fürchterlich, in das erste Nichts
verkehret.
Bei dem rauschenden Verderben lag die Welt in
Sicherheit,
Und auf seinen Hefen stille; so verflos die Gnaden
Zeit,
Möchte iezt die lezte Welt, wie in einen Spiegel
sehen,
Daß sie möchte eh es kommt, den gedreuten Fluch
entgehen.
Das ist des gerechten Wesens, fest gesezter Eifer
Schluß:
Daß auf ein gedrohtes Warnen, Rache langsam
folgen muß
Aber wenn sie endlich kommt; muß sie desto här-
ter quälen,
Und nach jeden Sünden Maas, auch das Maas
der Strafe zählen.
Wer die Warheit nicht will glauben, sehe nur mit
einen Blik
Auf der Sündfluth Wasserwogen, in die heilge
Schrift zurük:
So wird man die Warnungs Stimm, in dem
Strömen rauschen hören:
Es bestraft die Rache hart, die nicht von der Bos-
heit kehren.
Diese Lehre hat Exempel; alles Fleisches Unter-
gang
Macht die wüsten Adams Kinder, mit dem Straf
Gerichte bang,
Eilt, ihr Bösen eilet bald, noch bei Zeiten Gnad
zu finden,
Denn der Rache schneller Bliz brennt schon alles
anzuzünden.