Das glücke der hochedel-gebohrnen Frauen, Frauen Catharinen Stryckin, gebohrnen ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ein jeder mensch strebt nach gelückt,

Es ist in die natur gesetzt.

Wohl diesem, den des Höchsten blicke,

Der holden gnade werth geschätzt!

Wie vieler wünsche sind hier nichtig!

Das glücke will den rücken drehn.

Es sind nicht aller augen tüchtig,

Die sonnen-strahlen anzusehn.

Gott hat auch viel verborgne wege:

Den führt er auf der rosen-bahn,

Den andern durch viel wüste stege,

In das verlangte Canaan.

Drum muß hier die vernunfft nicht klügeln,

Der vorwitz hemme seinen lauff!

Das, was der himmel will verriegeln,

Schliest keines menschen klugheit auf.

Dich, nunmehr seelige matrone!

Hat er die sanffte bahn geführt.

Es hat des glückes schöne crone

Dein gantzes leben ausgeziert.

Du warst ein kind von edlen eltern.

Das glücke wolte dich erhöhn:

Deßwegen musten deine keltern

Voll most, und sonder eßig stehn.

Du gleichtest den gepflantzten schnaten,

Die wegen sonne, fleiß und wind,

Und durch begiessen wohl gerathen,

Wenn sie in gutem boden sind.

Du liessest dich vernünfftig leiten,

Die auferziehung schlug wohl an,

So daß man schon bey diesen zeiten,

Von deinem glücke sagen kan.

Dann aber wurd es mehr vollkommen,

Als dich der grosse Stryck umfieng,

Den du zum eh-gemahl genommen,

Der dir mit lieb entgegen gieng.

Hier hat die edelste vergnügung

Dir ihre schätze kund gemacht,

Und durch des Höchsten weise fügung

Dich zu der wahren ruh gebracht.

Es herrschte zwar von zarter jugend

Die frömmigkeit in deiner brust;

Wem aber ist die macht der tugend

In ihrem wachsthum unbewust?

Die Gottesfurcht hat ihre grade;

Kein ceder-reis wird gleich ein baum:

Der mensch nimmt zu durch fleiß und gnade,

Gott selber gönnt ihm zeit und raum.

Diß wachsthum war dein liebstes glücke,

Das himmelreich dein eintzig ziel:

Wiewohl indeß durch sein geschicke

Dir auch der erden gut zufiel.

Hier war kein mangel zu erstatten,

Vergnügung füllte dein gemach:

Die ehre folgte, wie der schatten,

Der tugend-vollen Stryckin nach.

Du aber, höchst-beglückte seele!

Warst nicht von der gemeinen art,

Ob dir aus dieser düstren höle

Gleich ein beliebtes Eden ward.

Du liessest schätz und welt-getümmel

Dir nicht die minste hindrung seyn,

Und also giengst du in den himmel

Bey noch nicht spätem alter ein.

Die Stryckin ist dann nicht gestorben:

Diß sey der trost, der thränen dämpfft!

Sie hat den sieges-krantz erworben:

Sie hat den guten kampff gekämpfft:

Sie hat, wornach ihr geist gestrebet:

Sie hat ein gut, das nie verdirbt.

Wie seelig ist, der also lebet!

Noch seeliger, der also stirbt!