Das Jrrlicht.

By Johann Justus Ebeling

Ein flatternd Feur sah ich von Ferne,

Es sprüzte öffters lichte Sterne,

Auf einer nassen Wiese aus:

Ich dachte teutscht mich ein Gesichte:

Es überfiel mich bei dem Lichte,

Ein von der Furcht entstandner Graus.

Allein so bald ich mich besonnen,

Daß es ein Jrrlicht, wards zerronnen,

Der Dunst verging im Augenblik,

Doch gleich wars wieder in dem Glanze,

Es sprung als, wie bei einem Tanze,

Doch ging es immer mehr zurük.

Ich sah es nur beim schwarzen Dunkeln,

Und nicht am lichten Tage funkeln,

Das gab mir diese Lehre ein:

Die Lichter die uns nur verwirren,

In sumpfigten Morasten irren,

Die haben einen falschen Schein.

So geht es auch den Jrrelehrern,

Denjenigen Gemüths Verkehrern,

Die da verrükken das Gehirn,

Sie scheinen als wie grosse Lichter,

Und sind doch falsche Bösewichter,

Sie gleichen einem Jrrgestirn.

Sie sind wie Lichter anzusehen,

Die flatterhafft aus Dunst entstehen,

Sie leuchten nur bei dunkler Nacht

So bald die schwarzen Schatten weichen,

So muß ihr Glanz geschwächt erbleichen,

Wenn Warheit alles helle macht.

So wie im Sumpf ein Jrrlicht brennet,

Und an den feuchten Oertern rennet;

So ist wo falsche Lehr sich zeigt,

Ein Schwindelgeist in seinem Leben,

Den Lastern auch gar sehr ergeben,

Die machen ihm zum Wahn geneigt.

Wie viele scheinen in die Augen,

Dieweil sie nicht in Herzen taugen,

Mit einem falschen Licht erfüllt,

Die, weil sie gern in Lastern wühlen,

Die Rolle eines Spötters spielen,

Sie sind des Jrrlichts Gegenbild.