Das Kind

By Friedrich Hebbel

Written 1834-01-01 - 1834-01-01

Die Mutter lag im Todtenschrein,

Zum letzten Mal geschmückt;

Da spielt das kleine Kind herein,

Das staunend sie erblickt.

Die Blumenkron' im blonden Haar

Gefällt ihm gar zu sehr,

Die Busenblumen, bunt und klar,

Zum Strauß gereiht, noch mehr.

Und sanft und schmeichelnd ruft es aus:

Du liebe Mutter, gieb

Mir eine Blum' aus deinem Strauß,

Ich hab' dich auch so lieb!

Und als die Mutter es nicht thut,

Da denkt das Kind für sich:

Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht,

So thut sie's sicherlich.

Schleicht fort, so leis' es immer kann,

Und schließt die Thüre sacht

Und lauscht von Zeit zu Zeit daran,

Ob Mutter noch nicht wacht.