Das lehrende Gleichnis des Er- lösers von den beiden Betern im Tempel.
Es gingen zwey zu beten hin,
Doch mit ganz unterschiednen Sinn:
Ein Mensch von denen, die da meinen,
Sie wären heilig, weil sie scheinen.
Ein andrer der ein Sünder war,
Und es bekandte offenbar,
Der kam vor seine grossen Sünden,
Bei
Seht erst den stolzen Heuchler an,
O! was vor ein gerechter Mann;
Er stehet in dem Heiligthume,
Posaunet da von seinen Ruhme.
Er hat ein solches Angesicht,
Woraus der Andacht Flamme bricht,
Da er von guten Werken prahlet,
Die nur ein blosser Schein gemahlet.
Hört wie er betet, murmelnd sagt,
Was seinen eitlen Stolz behagt:
Ich danke dir O! GOtt und lobe,
Dich vor die grosse Gnaden Probe
Daß ich nicht bin, wie andre sind,
Ein solch verfluchtes Höllen Kind;
Daß ich nicht bin wie solche Leute,
Die sich mit räuberischer Beute,
Die gierge Diebesfaust gefüllt,
Und keiner der da heimlich stielt.
Ich habe keinen je betrogen,
Durch Wucher andre ausgesogen.
Die Geilheit hat mich nicht beflekt,
Mich nicht in andrer Bett verstekt.
Ich bin kein Zöllner der nichts tauget,
Und so, gleich wie ein Jgel sauget,
Das er aufschwillt von andrer Blut,
Auch an sich saugt der Fremden Gut.
Dies alles hab ich nicht verbrochen:
Ich faste zwier in der Wochen:
Und durch die strenge Lebens Art,
Wird mein Fleisch vor der Lust verwahrt
Der Zehnte ist die Andachtsgabe,
Die reich ich dar von allem Haabe.
Das war sein murmelndes Gebet,
Dadurch er sich, nicht
Er wil bei diesem heilgen Gleissen,
Ein Frommer und Gerechter heissen.
Es soll sein äusrer Tugendschein,
Die Larve seines Hochmuths seyn:
Und GOtt soll ihn mit Ehrenkronen,
Vor seine Frömmigkeit belohnen.
Der andre der ein Zölner war,
Der dachte, daß vor
Was er als Bosheit ausgeübet,
Da er so
Er sah, daß er ein Bösewicht,
Drum wolte er auch sein Gesicht,
Aus inrer Schaam nicht aufwerts drehen,
Noch nah zum Allerheilgen gehen.
Er stand von fern, schlug an die Brust,
Worin die Quelle böser Lust,
Das ganz verdorbne Herze stekket,
Wodurch sein ganzes Thun beflekket.
Die Sünde peinigte sein Herz,
Er kam dadurch zur Reu und Schmerz,
Es stunden
Vor dem erschroknen Angesichte.
Sein Herze weinte voller Reu,
Der Mund gestand
Ein ungerechter böser Sünder,
Ein Abschaum aller Teufelskinder.
Er flehte
Die einzig nur vergeben kan.
Er stieg aus seinem Lasterpfule,
Er sah in dem Genadenstuhle.
Das Vorbild des Erlösers ein,
Daß
Er bat im Glauben um Erbarmen,
Er sprach:
Der ich vor dir ein Sünder bin,
Ich eil zu deiner Gnade hin.
Du wirst mich nicht zum ewgen Flam- men,
Da du barmherzig bist verdammen.
Was dünkt euch, welcher dieser zwei,
Vor
Der Heilge der sein Frommseyn rühmet,
Und sich mit Tugend Schmuk beblümet?
O! Nein, vor
Besteht das Heuchelwesen nicht.
Es kan in Pharisäer Kleide,
In einer rein und weissen Seide,
Bei einem äusserlichen Schein,
Ein schalkhaft Herz verborgen seyn.
Wer nur von seiner Tugend prahlet,
Der ist mit leeren Schein bemahlet;
Er ging auch wiederum hinaus,
Als ungerecht zu seinem Haus.
Er konnte bei dem Heuchelwesen,
Von seiner Krankheit nicht genesen.
Der Zöllner der im Demut kam,
Voll heilger Reue, Buß und Schaam,
Erkandte was er hat verbrochen,
Bat Gnade, und ward frei gesprochen.