Das Lied vom Schill

By Felix Dahn

Written 1873-01-01 - 1873-01-01

„Mein Preußen zertreten, mein Deutschland tot,

Rings Schmach und Schmerzen, rings Nacht und Not:

Und die Augen der edelsten Frau der Erd',

Die Augen Luisens, vom Weinen rot – –

Nicht länger trag ich's! – Husaren, zu Pferd!

Wer reiten und fechten und sterben will, –

Der folge mir!“ – so sprach der Schill.

Bei Wittenberg und bei Halberstadt,

Wie scharf er geritten, gestritten hat!

Doch tausend auf zehn sind zu viel zuletzt:

Sie haben ihn bis Stralsund gehetzt:

„Den Schrecken ohne Ende hab' ich satt:

Ein Ende mit Schrecken ich machen will,

Das soll Rache wecken!“ – so tat der Schill. –

Stralsund, wie dein Markt vom Blute floß!

Die Straßen der Holländer Fußvolk schloß:

„Ergebt euch, Schill!“ rief ihr General:

Doch der Schill, der hieb ihn stracks vom Roß:

Da trafen ihn Kugeln zwölf zumal:

„Hoch Deutschland!“ rief er: dann sprach er still:

„O Kön'gin Luise!“ – so starb der Schill. –