Das lob von L… einem gewissen städtgen in T. E. G.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Sprecht andre, wie ihr wollt, das lob von Byzantz aus:

Und last den Samazar mit dem Venedig pralen:

Setzt euch den kupfferstich von Amsterdam ins haus:

Last Londen und Pariß an eure wände mahlen;

Ich, den die mutter-milch so hoch nicht aufgeschwemmt,

Will auch am liebsten nur bey kleinen dingen bleiben,

Und wo der schwere reim mir nicht die feder hemmt,

Dein wohl-verdientes lob, mein Lobeda! beschreiben.

Ich glaube, daß du es zwar nicht benöthigt bist:

Es hat mir auch kein freund das wamst darum zerrissen;

Doch ob mich schon kein mensch jemahls darum begrüßt:

Genung, daß du es mir auch nicht bezahlen müssen.

Manch praler kaufft sein lob des jahres zweymahl ein,

Und wenn das nahmens-licht gleich gantz obscur erschienen;

So müssen (doch ums geld) ein dutzent schlucker seyn,

Die das berühmte fest mit einem reim bedienen.

Giebt wo ein kunst-monarch ein bibel-buch heraus,

So läst er ein sonnet zu seinem kupffer machen,

Und präsentirt wohl gar den gantzen Musen-schmaus;

Wer wolte denn dein lob, mein Lobeda! verlachen?

Dein ansehn, glaube mir, verdient mit besserm recht,

Es, da man alles lobt, nicht gäntzlich zu vergessen,

Als mancher bücher-wurm und sylben-krämer-knecht,

Hätt’ er den Cicero gleich biß aufs holtz gefressen.

Denn ob die thürme gleich nicht an die wolcken gehn;

So hat dich doch die kunst an einen berg geschmissen,

Der, solt’ er anders nur in Griechen-lande stehn,

Ohn allen zweifel hätt’ Olympus heissen müssen.

Das ufer, wo die Saal mit ihren fluthen spielt,

Kan, wenn bey kühler nacht die nachtigallen singen,

Dem Cato, wenn er auch sonst keine regung fühlt,

Mit seiner lustbarkeit ein groß vergnügen bringen.

Der lügen-schmied, Homer, hat dich nur nicht gekennt,

Sonst hätt’ er dich gewiß der Venus eingegeben.

Denn wenn die sonne gleich nicht wie in Cypern brennt;

So kan die liebe doch an deinem ufer leben.

Jhr matten! die ihr sonst der wollust decken seyd,

Jhr mögt, wenn sonn und wind durch weid- und erlen spielen,

Voritzo zeugen seyn von der erwünschten zeit,

Die viel verliebte paar um diese gegend fühlen.

Die Musen machen sonst den Pindus-berg berühmt,

Die doch wohl anders nichts, als alte hexen, waren;

Hier, glaub ich, würd uns nur durch schrifften was beniemt,

So könte man noch wohl was rühmlichers erfahren.

Wer weiß, hat nicht Armin dein altes schloß bewohnt?

Vielleichte zeigt sich noch ein merckmahl der Druiden,

Das biß auf unsre zeit das alterthum verschont.

Last, critici! euch nur das suchen nicht ermüden!

Grabt alle steingen auf: Durchkriecht der hölen klufft:

Seht, ob sich irgendwo ein’ alte ziffer findet:

Sucht einen Drudden-fuß: Sucht eine aschen-grufft!

Ich schwere, daß der fleis euch Lobeda verbindet;

Doch nein! denn Lobeda wird hier nicht danckbar seyn:

Es darff den ruhm nicht erst aus tieffen hölen graben:

Der glantz des alterthums ist ein geborgter schein;

Wer lob erwerben will, muß selbst die ehre haben,

Die hast du, Lobeda! und als dein eigenthum:

Wenn dich die spötter gleich ein kleines wesen nennen;

Dein enger umzirck hat weit ausgespannten ruhm,

Bey allen, welche dich mit deinem innhalt kennen.

Offt hat ein kleiner leib ein grosses hertz umfast:

Ein kleiner garten trägt offtmahls die schönsten früchte:

Ein zwerg hält offt an witz der grösten erden last,

Die von den riesen stammt, ein schönes gleich-gewichte.

Wenn gleich das pflaster nicht mit quater-steinen prangt;

Man darff die tritte doch nicht in dem kothe zehlen.

Mich deucht, wenn Grand Louis noch seinen zweck erlangt,

Er wird an statt Pariß zur residentz dich wehlen.

Die mauren sehen zwar, als wie zu Jer’cho aus:

Die wäll und gräben sind auch leichte zu ersteigen:

Man sieht kein proviant- kein zeug- noch pulver-haus;

Doch dieses alles kan dir keine schande zeigen.

Der mauren einfall zeugt von deiner tapfferkeit,

Die schon der teutsche krieg den sternen eingeschrieben;

Allein, wie kömmt es doch, daß sie so lange zeit,

Und biß auf diesen tag, noch ungebaut geblieben?

Diß eben lehret uns, daß du nicht furchtsam seyst,

Und daß die bürger selbst als dicke mauren stehen.

Gesetzt nun, daß man dich ein kleines wesen heist;

Hierinnen kanst du wohl auch ländern gleiche gehen.

Manch Sterops, der sich sonst gewaltig mausig macht,

Und alle stunden will zu einem helden werden,

Weil er vermauret ist, kriecht, wenn ein stücke kracht,

Mit hertz und hos’ und wamst sechs klafftern in die erden.

Nein! nein! ihr seyd nicht so; Jhr steht wie klotz und stein,

Und dürfft die festbarkeit nicht in die erde graben.

Zwar wär mit andern euch manch laster nur gemein,

Jhr würdet zweiffels-frey schon wall und mauren haben.

Wie manche mauer hat der ehbruch nicht gebaut!

Es weiß der kinder schaar, die auf dem pflaster lauffen,

Und ihren vater noch nicht auf der welt geschaut,

Wohl selten, wer darzu die steine müssen kauffen:

Indessen weiß es der, so sie bezahlet hat.

Er schickt zum überfluß bey jedem oster-feste

Etwas ins waysen-hauß, und etwas vor den rath;

So bauen waysen dann die prächtigen palläste.

Hier pralt das rath-haus nicht, wie manches armen-haus:

Man läst das theure gold nicht auf die fenster mahlen;

Allein es sieht auch sonst nicht so gefährlich aus:

Man darff hier nicht so offt vor fenster-laden zahlen:

Es darff kein häscher-schwarm mit flegeln lauschen stehn:

Es lassen andere Philister sich bewachen:

Der Morgenstern darff hier nicht patroulliren gehn,

Wenn unsre bürger sich zusammen lustig machen:

Hier geht es meistentheils gar still und ruhig zu:

Man sieht kein tolles schwerd auf menschen-leiber rasen:

Und stört ein affter-stern ja irgend unsre ruh,

So läst man hand und hand auf mund und augen grasen:

So bringt man allezeit des lebens schatz davon,

Und macht den tapffern leib nicht vor der zeit zur aschen:

Bekommt schon jemand was vom schellenmarckt zum lohn,

So wird es bald mit bier und krätzer abgewaschen;

Indessen fürchtet ihr geschoß und degen nicht:

Man hört da keinen Fuchs durch marckt und gassen wetzen:

Der, ob ihm gleich gehirn und witz und hertz gebricht,

Doch schon die halbe stadt in zittern denckt zu setzen.

Bey euch wohnt fried und lust, es weichet zanck und streit:

Und wer von Lobeda den nahmen nicht wird kennen,

Derselbe mag mit recht, du wunder unsrer zeit!

Dich eine friedens-stadt vor fremden ohren nennen;

Diß macht dein weiser rath, der vor die wohlfahrt wacht.

Die sorgeu und die müh der rechts-erfahrnen väter,

Die haben deine ruh in solchen stand gebracht.

Das rath-haus nähret hier nicht land- und stadt-verräther:

Und nennt man gleich bey dir nicht den Justinian:

Wird schon der Baldus nicht zum zeugen angenommen;

Wer weiß, was künfftig noch allhier geschehen kan,

Nachdem der kleine Struv ein teutsches wamst bekommen.

Deßwegen bleibt bey mir die meinung fest gestellt:

Du bist und heist mit recht ein zierrath dieser erden.

Und wenn des glückes schluß nach meinen wünschen fällt;

So must du mit der zeit ein halber himmel werden.

Allein mein reim ist aus. Jhr tichter unsrer zeit!

Jhr! denen hand und kiel des hofmanns geister leiten,

Schreibt! weil die poesie mir nicht die krafft verleiht,

Schreibt Lobeda ins buch der grauen ewigkeit!