Das Mädel, das ich meine

By Gottfried August Bürger

Written 1776-01-01 - 1776-01-01

O was in tausend Liebespracht

Das Mädel, das ich meine, lacht!

Nun sing', o Lied, und sag mir an!

Wer hat das Wunder aufgethan:

Daß so in tausend Liebespracht

Das Mädel, das ich meine, lacht?

Wer hat, wie Paradieseswelt,

Des Mädels blaues Aug' erhellt? –

Der liebe Gott! der hat's gethan,

Der's Firmament erleuchten kann;

Der hat, wie Paradieseswelt,

Des Mädels blaues Aug' erhellt.

Wer hat das Rot auf Weiß gemalt,

Das von des Mädels Wange strahlt? –

Der liebe Gott! der hat's gethan,

Der Pfirsichblüte malen kann;

Der hat das Rot auf Weiß gemalt,

Das von des Mädels Wange strahlt.

Wer schuf des Mädels Purpurmund

So würzig, süß, und lieb und rund? –

Der liebe Gott! der hat's gethan,

Der Nelk' und Erdbeer' würzen kann;

Der schuf des Mädels Purpurmund

So würzig, süß, und lieb und rund.

Wer ließ vom Nacken, blond und schön,

Des Mädels seidne Locken wehn? –

Der liebe Gott! der gute Geist!

Der goldne Saaten reifen heißt;

Der ließ vom Nacken, blond und schön,

Des Mädels seidne Locken wehn.

Wer gab, zu Liebesred' und Sang,

Dem Mädel holder Stimme Klang? –

Der liebe, liebe Gott that dies,

Der Nachtigallen flöten hieß;

Der gab, zu Liebesred' und Sang,

Dem Mädel holder Stimme Klang.

Wer hat, zur Fülle süßer Lust,

Gewölbt des Mädels weiße Brust? –

Der liebe Gott hat's auch gethan,

Der stolz die Schwäne kleiden kann;

Der hat, zur Fülle süßer Lust,

Gewölbt des Mädels weiße Brust.

Durch welches Bildners Hände ward,

Des Mädels Wuchs so schlank und zart? –

Das hat die Meisterhand gethan,

Die alle Schönheit bilden kann;

Durch Gott, den höchsten Bildner, ward

Des Mädels Wuchs so schlank und zart.

Wer blies, so lichthell, schön und rein,

Die fromme Seel' dem Mädel ein? –

Wer anders hat's als er gethan,

Der Seraphim erschaffen kann;

Der blies so lichthell, schön und rein

Die Engelseel' dem Mädel ein. –

Lob sei, o Bildner, deiner Kunst!

Und hoher Dank für deine Gunst!

Daß du dein Abbild ausstaffiert,

Mit allem, was die Schöpfung ziert.

Lob sei, o Bildner, deiner Kunst!

Und hoher Dank für deine Gunst!

Doch ach! für wen auf Erden lacht

Das Mädel so in Liebespracht? –

O Gott! bei deinem Sonnenschein!

Bald möcht' ich nie geboren sein,

Wenn nie in solcher Liebespracht

Das Mädel mir auf Erden lacht.