Das neue Jerusalem.

By August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Welch ein kindlich frommes Streben!

Welch ein inniger Verein!

An dem Theetisch —

Welch ein heilig reines Leben!

Welch ein Gottversunkensein!

An dem Theetisch.

Wenn sie ein Tractätchen lesen,

Nimmt die Seele höhern Schwung,

An dem Theetisch —

Und es schwelgt ihr ganzes Wesen

In der Gottvereinigung

An dem Theetisch.

Ihres Glaubens süße Blüthe

Duftet wie die Rosenflur

An dem Theetisch —

Lauter Milde, Lieb' und Güte

Träuft von ihren Lippen nur

An dem Theetisch.

Wie sie ihren Bräut'gam preisen,

O die Gottesbräutlein fein!

An dem Theetisch —

Ihn und sich mit Andacht speisen

Und mit heil'gen Melodei'n!

An dem Theetisch.

Alles was den Körper nähret

Und erquicket, wird verschmäht

An dem Theetisch —

Ihre Augen sind verkläret,

Jeder Blick ist ein Gebet

An dem Theetisch.