Das Röschen

By Wilhelm Müller

Written 1810-01-01 - 1810-01-01

Du kleine junge Kellnerin,

Warum so gar verlegen?

Wer schüttet doch den Wein dahin

Um eines Kusses wegen?

Komm, daß der Alt' es nur nicht seh';

Ich will es auf mich nehmen.

Schenk' ein, Gesichtchen in die Höh'!

Ich büße dir das Schämen.

Du schauest in das Glas hinein

Mit purpurrothen Wangen:

Da schwimmt hoch oben auf dem Wein

Ein Röschen unbefangen.

Und sieh, ich küss' es, wie ich will,

Bis es hinabgesunken.

Halt, Röschen, auf der Wange still!

Der Wein ist ausgetrunken.