Das ruhmwürdige Grab Hn. C. Z. v. A. K. den 18. Sept. 1679.
Es sey ein prächtig Grab für eitlen Augen schön
Mit Pfeilern hoch erhöht mit Bogen rings umbschlossen
Bey dem Pyramiden und steinerne Colossen
Biß an die blaue Burg der göldnen Sterne gehn
Der Jaspis müsse sich mehr als bundfärbig weisen
Der Marmor lasse sich in reinsten Adern preisen.
Ja Hochmuth zünde da noch viel mehr Ampeln an
Als Perlen in der See und Blumen auff der Erden
Man schau Arabien entblöst des Weyrauchs werden
Damit man nur der Glut genugsam liefern kan.
Es sey der Künstler Fleiß bemüht der kalten Leichen
Gestalt und Aehnlichkeit durch Bildung zu erreichen.
Wo die Verwesung auch durch was zu hinter ziehn
Man gieß’ Hartz und Asphalt und was man allenthalben
Durchs gantze Morgenland auffbringen kan von Salben
In den entseelten Leib umb daß die Fäulnüß fliehn
Und Wurm und Eyter nicht die Glieder kan verzehren
Den Todten balsamirt der Welt noch zu gewähren.
Und wo auch Stein und Ertzt nicht sattsam Redner seyn
Und wo der Firnüß nicht und Anstrich ist gelungen
So dinge man ein Volck das mit erkauffter Zungen
Weiß des Verstorbnen Lob und Thaten auszuschreyn
Und allen Ubermuth bey Gräbern zu bezeigen
So lasse man auch nicht die stummen Seiten schweigen.
So pflegt die Eitelkeit ihr Ehren-Mahl zu baun
Diß soll der Nachwelt auch Hertz und Gesichte blenden;
Ach frecher Aberwitz! Ach Tand von Menschen-Händen!
Läst sich umb unser Grab nicht wahre Tugend schaun
So mag die Asch’ und Staub ein kurtzes Denckmal haben
Weil auch das schönste Grab wird von der Zeit begraben.
Offt schläfft der Enckel nicht in seiner Väter Grufft
Rom nannte sie umbsonst der Ewigkeiten Häuser;
Wo sind die theuren Särch’ und Mumien der Käyser?
Ein wenig Stein und Grauß aus denen Echo rufft
Sind von der Herrlichkeit und Sieges-Pracht geblieben
Sonst hat Gebäu und Kunst der Zeiten Zahn zerrieben.
Vergebens suchen wir allhier ein ewig Haus
Und wer von Lastern stinckt was nutzt ihm balsamiren?
Wie hoch wir auch die Thürm und Marmor-Seulen führen
So lachet Neid und Zeit die Uberschrifften aus.
Wol dem! auff dessen Grab ein solcher Satz zu lesen
Der Mann ist Land und Stadt nütz und getreu gewesen.
Mit diesem prangt dein Grab und nicht mit Eitelkeit
Du wolverdienter Mann der du der Welt entzogen
Und dessen edler Geist den Sternen zugeflogen
Von der bedrängten Last deß Cörpers ist befreyt
Dein gut Gerüchte wird dir bessern Schmuck aufstecken
Als diesen der sonst pflegt die Gräber zu bedecken.
Du edler Schweitzer du was faulen soll und muß
Das legst du willig ab; doch nicht dein Angedencken
Geht mit dir in die Grufft weil ihm der Nachruhm schencken
Ein ewig Denckmal will du bist der Lethe Fluß
Des Charons schwartzem Kahn durch Tugend längst entschwom̃en
Und ans gelobte Land in sichern Hafen kommen.
So ists; wo umb das Grab die Tugend wachen soll
So muß sie sich zu erst umb unsre Wiege finden.
Ein ungemeiner Trieb fing dich bald zu entzünden
Jm zarten Frühling an; du wustest mehr als wol
Daß da die kleine Welt der Mensch sich zu erbauen
Muß auch die grosse Welt nichtüberhin anschauen.
Das kluge Franckreich hat beblümet deinen May
Der Sitten Hurtigkeit die höfflichen Geberden
Die musten deiner Glut ein neuer Zunder werden.
Du legtest am Verstand dir so viel Schätze bey
Daß Sprach und Eigenschafft vom Casimir in Polen
Dir ein geneigtes Ohr und Urtheil konten holen.
Wie aber! führt uns nicht des starcken Himmels Hand?
Offt der aus Westen kam der bleibt in Osten sitzen
Den Mitternacht erzeugt den will der Mittag schützen.
Mit kurtzem: Jeder Ort ist unser Vaterland.
Auch du
Must endlich Schlesien den Sitz der Wolfarth preisen.
Dein adliches Geschlecht das in vierhundert Jahr
Hat in der Schweitz geblüht sich in der Welt gebreitet
Das seinen ersten Quell von Alten-Klingen leitet
Und sich berühmt gemacht durch Tugend und Gefahr
Soll auch in Schlesien mit seinen edlen Zweigen
Der Nachwelt süsse Frücht’ und kühlen Schatten zeigen.
Erst nahm dich
Auch den
Daß dich hat sein Beruff zum Cammer-Ampt gezogen
Von dar an blieb dir stets mit Gnaden zugewandt
Piastens hohes Hauß das Götter hat geboren
Und zu den Sternen nun die Götter auserkoren.
Der
Zu seinen Füssen ligt hieß dich solch Ampt verwalten
Hat über deinem Witz und Redlichkeit gehalten;
Gott und dem Käyser treu war nur der schönste Klang
So in dein Hertz geetzt wird es der Neid verschweigen
So soll es doch der Mund der Fürstenthümer zeugen.
Betraurens werther Mann es klagt dich Stadt und
Die kluge Wachsamkeit beseuffzet noch die Cammer;
(land
Welch Redner aber meldt der
Fällt nicht mit deinem Hertz ihr Hertz auch in den Sand?
Timanthes muß allhier mir seinen Pinsel leihen
Man darff ein solches Leyd durch Reime nicht entweyhen.
Es sey Cleopatra bejammre den Anton!
Es geh der Livia Augustens Tod zu Hertzen!
Es mag Cornelia tieff den Pompej beschmertzen!
Auch nicht die Portia verdienet solchen Lohn
Wenn Brutus stirbt in ihr als von betrübtsten Frauen
Sie hier ein Beyspiel ist getreuer Brunst zu schauen.
Zweyfach-beglücktes Grab
Es ruhet Ruhm und Ehr für deiner Schlafstätt Schwelle
Dem paaret sich die Lieb’ ein unzertrennt Geselle
Und was ersinnlich ist und was sie übrig hat
Das opffert sie dir noch Geist Leben Hertz und Seele
Bewachen Wechsel-weiß jetzt deine Grabes-Höle.
Du schläffst im Seegen ein es drückt der Kinder Hand
Die matten Augen zu du ruhst in ihren Hertzen
Die Seelen brennen dir an statt der Liebes-Kertzen
Und Thränen bleiben nur ihr allerbestes Pfand
Das sie zu letzt dir in tieffster Wehmuth geben
Wiewol du ewig sollst bey ihnen seyn und leben.
Grab das die Tugend selbst mit ihren Lorbeern deckt!
Grab wo Aufrichtigkeit ist wesendlich begraben!
Grab das gar selten wird so treue Diener haben!
Grab das der
Grab das verlachen kan Schmaragden und Rubinen
Weil hier die Todten-Bein auch wieder sollen grünen!