Das ruhmwürdige Grab Hn. C. Z. v. A. K. den 18. Sept. 1679.

By Heinrich Mühlpfort

Es sey ein prächtig Grab für eitlen Augen schön

Mit Pfeilern hoch erhöht mit Bogen rings umbschlossen

Bey dem Pyramiden und steinerne Colossen

Biß an die blaue Burg der göldnen Sterne gehn

Der Jaspis müsse sich mehr als bundfärbig weisen

Der Marmor lasse sich in reinsten Adern preisen.

Ja Hochmuth zünde da noch viel mehr Ampeln an

Als Perlen in der See und Blumen auff der Erden

Man schau Arabien entblöst des Weyrauchs werden

Damit man nur der Glut genugsam liefern kan.

Es sey der Künstler Fleiß bemüht der kalten Leichen

Gestalt und Aehnlichkeit durch Bildung zu erreichen.

Wo die Verwesung auch durch was zu hinter ziehn

Man gieß’ Hartz und Asphalt und was man allenthalben

Durchs gantze Morgenland auffbringen kan von Salben

In den entseelten Leib umb daß die Fäulnüß fliehn

Und Wurm und Eyter nicht die Glieder kan verzehren

Den Todten balsamirt der Welt noch zu gewähren.

Und wo auch Stein und Ertzt nicht sattsam Redner seyn

Und wo der Firnüß nicht und Anstrich ist gelungen

So dinge man ein Volck das mit erkauffter Zungen

Weiß des Verstorbnen Lob und Thaten auszuschreyn

Und allen Ubermuth bey Gräbern zu bezeigen

So lasse man auch nicht die stummen Seiten schweigen.

So pflegt die Eitelkeit ihr Ehren-Mahl zu baun

Diß soll der Nachwelt auch Hertz und Gesichte blenden;

Ach frecher Aberwitz! Ach Tand von Menschen-Händen!

Läst sich umb unser Grab nicht wahre Tugend schaun

So mag die Asch’ und Staub ein kurtzes Denckmal haben

Weil auch das schönste Grab wird von der Zeit begraben.

Offt schläfft der Enckel nicht in seiner Väter Grufft

Rom nannte sie umbsonst der Ewigkeiten Häuser;

Wo sind die theuren Särch’ und Mumien der Käyser?

Ein wenig Stein und Grauß aus denen Echo rufft

Sind von der Herrlichkeit und Sieges-Pracht geblieben

Sonst hat Gebäu und Kunst der Zeiten Zahn zerrieben.

Vergebens suchen wir allhier ein ewig Haus

Und wer von Lastern stinckt was nutzt ihm balsamiren?

Wie hoch wir auch die Thürm und Marmor-Seulen führen

So lachet Neid und Zeit die Uberschrifften aus.

Wol dem! auff dessen Grab ein solcher Satz zu lesen

Der Mann ist Land und Stadt nütz und getreu gewesen.

Mit diesem prangt dein Grab und nicht mit Eitelkeit

Du wolverdienter Mann der du der Welt entzogen

Und dessen edler Geist den Sternen zugeflogen

Von der bedrängten Last deß Cörpers ist befreyt

Dein gut Gerüchte wird dir bessern Schmuck aufstecken

Als diesen der sonst pflegt die Gräber zu bedecken.

Du edler Schweitzer du was faulen soll und muß

Das legst du willig ab; doch nicht dein Angedencken

Geht mit dir in die Grufft weil ihm der Nachruhm schencken

Ein ewig Denckmal will du bist der Lethe Fluß

Des Charons schwartzem Kahn durch Tugend längst entschwom̃en

Und ans gelobte Land in sichern Hafen kommen.

So ists; wo umb das Grab die Tugend wachen soll

So muß sie sich zu erst umb unsre Wiege finden.

Ein ungemeiner Trieb fing dich bald zu entzünden

Jm zarten Frühling an; du wustest mehr als wol

Daß da die kleine Welt der Mensch sich zu erbauen

Muß auch die grosse Welt nichtüberhin anschauen.

Das kluge Franckreich hat beblümet deinen May

Der Sitten Hurtigkeit die höfflichen Geberden

Die musten deiner Glut ein neuer Zunder werden.

Du legtest am Verstand dir so viel Schätze bey

Daß Sprach und Eigenschafft vom Casimir in Polen

Dir ein geneigtes Ohr und Urtheil konten holen.

Wie aber! führt uns nicht des starcken Himmels Hand?

Offt der aus Westen kam der bleibt in Osten sitzen

Den Mitternacht erzeugt den will der Mittag schützen.

Mit kurtzem: Jeder Ort ist unser Vaterland.

Auch du

Must endlich Schlesien den Sitz der Wolfarth preisen.

Dein adliches Geschlecht das in vierhundert Jahr

Hat in der Schweitz geblüht sich in der Welt gebreitet

Das seinen ersten Quell von Alten-Klingen leitet

Und sich berühmt gemacht durch Tugend und Gefahr

Soll auch in Schlesien mit seinen edlen Zweigen

Der Nachwelt süsse Frücht’ und kühlen Schatten zeigen.

Erst nahm dich

Auch den

Daß dich hat sein Beruff zum Cammer-Ampt gezogen

Von dar an blieb dir stets mit Gnaden zugewandt

Piastens hohes Hauß das Götter hat geboren

Und zu den Sternen nun die Götter auserkoren.

Der

Zu seinen Füssen ligt hieß dich solch Ampt verwalten

Hat über deinem Witz und Redlichkeit gehalten;

Gott und dem Käyser treu war nur der schönste Klang

So in dein Hertz geetzt wird es der Neid verschweigen

So soll es doch der Mund der Fürstenthümer zeugen.

Betraurens werther Mann es klagt dich Stadt und

Die kluge Wachsamkeit beseuffzet noch die Cammer;

(land

Welch Redner aber meldt der

Fällt nicht mit deinem Hertz ihr Hertz auch in den Sand?

Timanthes muß allhier mir seinen Pinsel leihen

Man darff ein solches Leyd durch Reime nicht entweyhen.

Es sey Cleopatra bejammre den Anton!

Es geh der Livia Augustens Tod zu Hertzen!

Es mag Cornelia tieff den Pompej beschmertzen!

Auch nicht die Portia verdienet solchen Lohn

Wenn Brutus stirbt in ihr als von betrübtsten Frauen

Sie hier ein Beyspiel ist getreuer Brunst zu schauen.

Zweyfach-beglücktes Grab

Es ruhet Ruhm und Ehr für deiner Schlafstätt Schwelle

Dem paaret sich die Lieb’ ein unzertrennt Geselle

Und was ersinnlich ist und was sie übrig hat

Das opffert sie dir noch Geist Leben Hertz und Seele

Bewachen Wechsel-weiß jetzt deine Grabes-Höle.

Du schläffst im Seegen ein es drückt der Kinder Hand

Die matten Augen zu du ruhst in ihren Hertzen

Die Seelen brennen dir an statt der Liebes-Kertzen

Und Thränen bleiben nur ihr allerbestes Pfand

Das sie zu letzt dir in tieffster Wehmuth geben

Wiewol du ewig sollst bey ihnen seyn und leben.

Grab das die Tugend selbst mit ihren Lorbeern deckt!

Grab wo Aufrichtigkeit ist wesendlich begraben!

Grab das gar selten wird so treue Diener haben!

Grab das der

Grab das verlachen kan Schmaragden und Rubinen

Weil hier die Todten-Bein auch wieder sollen grünen!