Das Schwein.

By Barthold Heinrich Brockes

Nun wird auch zu gleicher Absicht das so zahm' als

wilde Schwein,

Ein dem Menschen nützlichs Thier, billig zu betrachten

seyn.

Es hat eine spitze Schnauze, kurzen Hals, gespaltne Klauen,

Einen Rüßel, niedre Beine, starke Borsten, dicke Haut,

Waffen, womit oft, die wilden sonderlich, gewaltig hauen.

Es ist leicht zu unterhalten. Alles frißt es, Früchte, Kraut,

Eicheln, Büchen, Spülicht, Bohnen, Wurzeln, Treber,

ja was man

In der Wirthschaft von dem Abfall sonst fast gar nicht

brauchen kann.

Es ist dieses Thier so fruchtbar, daß es oft in einem Jahr

Zweymal ferkelt, und zur Zeit wohl auf achtzehn Junge

bringet,

Wodurch denn in unsrer Wirthschaft mannichfacher Nutz

entspringet.

Speck und Fleisch, der Kopf, die Ohren, Würste, Schin-

ken, roh und gar,

Auch der Rüßel, Zungen, Füße liefern uns manch schön

Gericht;

Und es fehlt in Arzeneyen auch an manchem Nutzen nicht.

Haut und Borsten dienen uns. Ja was geben uns im

Jagen

Auch die wilden Schweine nicht für Ergetzen und Be-

hagen!

So gestehe denn ein jeder, voll Erkenntlichkeit, mit mir,

So von wild- als zahmen Schweinen, es sey ein sehr nutz-

bar Thier,

Und erheb’ und ehr’ und preise den, der sie uns schenkt,

dafür!