Das Siebende Capitel Hiobs.

By Heinrich Mühlpfort

Hat nicht der arme Mensch mit Feinden stets zu thun!

Wie muß er doch im Zanck und argem Streite leben.

Hier hat ihn Fleisch und Blut verrätherisch umbgeben

Dort kan er vor dem Feind der Finsternüß nicht ruhn.

Die Welt tritt auch mit an und seine gantze Tage

Sind Tagelöhnern gleich nie ohne Müh und Plage.

Wie sehnlich wünscht ein Knecht des Abends-Schatten Streiff

Ein Tagelöhner hofft der schweren Arbeit Ende.

Wie hab ich doch umbsonst die Wercke meiner Hände

Nach Monaten erfüllt; elender Nächte Reiff

Und rauhe Witterung vergebens ausgestanden

Weil keine Linderung der Trangsal war vorhanden.

Wenn ich mich erst gelegt so sprach ich schon bey mir:

Wenn wach ich wieder auff und geh aus meinem Bette?

Dann rechnet ich genau wie viel ich Stunden hätte

Eh als die Nacht einfiel; denn ich zum Scheusel schier

Bey lichtem Tage war biß Finsternüß entstunde

Und mich der blöden Angst die Dunckelheit entbunde.

Mein Fleisch ist umb und umb durchfressen durch den Wurm

Und kothicher Gestanck klebt auf den dürren Knochen.

Die Haut ist Eiter voll und schrumpffich eingekrochen;

Ja ich bin gantz zernicht. O grauser Unglücks-Sturm!

Und meine Tage sind so schnell dahin geflogen

Als wie ein Weberspul wird plötzlich durchgezogen.

Weil da kein Halten war so giengen sie darvon.

Gedencke daß mein Rest des Lebens Wind ist worden

Und meine Augen nicht mehr kommen zu dem Orden

Der diß was gut beschaut. Es sieht mich ohne Hohn

Kein lebend Auge mehr und kan mich auch nicht sehen:

Du aber siehest mich. Was wird mir noch geschehen.

Die Wolcke die vergeht und fähret flüchtig hin;

So wer in schwartzen Pful der tieffen Höllen stürtzet

Demselben wird der Weg zu uns herauff verkürtzet;

Er kommt nicht wiederumb in Stell und Ort darinn

Er vor gewesen ist. Sein Hauß wird ihn nicht kennen

Sein Eigenthum nicht mehr wie vor Besitzer nennen.

Drumb wil ich meinem Mund nicht wehren weil er kan

Die heisse Hertzens-Angst beweglich auszusagen

Der Seelen Jammer-Leyd dem HErren fürzutragen.

Ach! bin ich denn ein Meer? Trag ich denn Schuppen an

Daß du mich so verwahrst? Wenn ich bey mir gedachte

Jm Bette Trost zu hol’n; Wenn ich mein Lager machte

Zur Schmertz Erleichterung wenn ich mich selbst besprach

So schreckst du mich die Nacht mit ungeheuren Träumen

Daß meine Seele wünscht erhenckt zu seyn an Bäumen

Und mein Gebein der Tod trüg an der Ketten nach.

Ich wil und kan nicht mehr erzörnter Schöpffer leben

Hör auff von mir hör auff! wer kan dir widerstreben?

Denn meine Tage sind vergebens hingewischt.

Was ist ein Mensch O HErr daß du ihn so groß achtest

Und mit Bekümmerung nach seinen Thaten trachtest

Du suchst ihn täglich heim sein Leyd wird stets erfrischt.

Ach warumb thust du dich doch nicht von meiner Seiten!

Läßt du denn gantz nicht ab und hörst nicht auff zu streiten

Biß ich den Speichel schling? Hab ich gesündigt je

Was soll ich dir denn mehr du Menschen-Hüter leisten?

Warumb verursachst du daß ich auf dich am meisten

Stoß und mir selbsten bin die Lastung meiner Müh?

Warumb vergibst du mir nicht meine Missethaten

Und nimmst die Sünde weg in die ich bin gerathen?

Denn nunmehr scharr ich mich tieff in die Erd hinein

Da wil ich meine Ruh nach so viel Unglück hoffen

Diß ist der beste Tausch so ich jemals getroffen

Und wenn man mich denn sucht bey frühem Morgenschein

So wird noch Stumpff noch Stiel auf dieser weiten Erden

Von mir bedrängtem Mann gefunden können werden.