Das Sterbe-Kleid Bey Beerdigung Fr. E. P. g. W. betrachtet den 17. Julii 1675.
Jst diß der letzte Schmuck du wertheste der Frauen
Der deinen kalten Leib nunmehr bekleiden soll?
Ich weiter
Gefällt ein Leinen Tuch für andern dir so wol?
Und wünscht du eintzig nur diß Kleid bald anzulegen
Hingegen Fleisch und Blut die Hülle wegzuthun?
So sag ich diese Tracht bringt dir mehr Nutz zu wegen
Als wenn du sonst auf Sammt und Purpur würdest ruhn.
Diß ist nicht ungemein daß bey verstrichnen Zeiten
Sich schon die alte Welt zum Sterben hat geschickt
Daß sie ihr Grufft und Sarg ließ herrlich zubereiten
Ja hat gleich einer Braut zur Heimfarth sich geschmückt.
Die so gemeines Heil mit Sorgen unterstützet
Verlangten in dem Rock der Ehren zu vergehn.
Die so ihr Helden-Blut fürs Vaterland verspritzet
Begehrten in der Pracht der Helden gleich zu stehn.
Und Männer nicht allein hat dieser Wahn besessen
Daß Zier und Herrligkeit den Tod versüssen kan
Nein! kluger Frauen-Witz hat gleiches Ziel ermessen
Und legt die Sterbenden mit schönen Kleidern an.
So lieff Olympias den Feinden in die Hände
Alceste gieng geschmückt auß Lieb und Treu in Tod.
Man weiß Cleopatrens ihr wurder-prächtig Ende
Wenn sie die Schlangen fühlt doch nicht der Römer Noth.
Allein ein falscher Traum von thörichten Gedancken
Hat nur ein Sterbe-Kleid dem blinden Volck gewebt
Als daß niemals erkand der Eitelkeiten Schrancken
Und an der Erden nur mit Hertz und Sinn geklebt.
Ach so ein Laster-Rock er sey von edlen Steinen
Als Sternen angefüllt von Gold und Silber schwer
Wird für dem Richter-Stuhl deß Höchsten gar nicht scheinen
Wenn die entblöste Seel von aller Tugend leer
Was Indien gewürckt was Persien gesponnen;
Und was das Morgen-Land von seidnen Schätzen weist
Dient zwar zu Schmuck und Pracht den edlen Schöuheits-Sonnen
Doch weil der Faden eh’ als noch ihr Leben reist.
Sind es der Nichtigkeit gespannte Spinne-Weben
Darinn der Menschen Hertz sich leicht verwickeln kan
Daß wenn oft Perl und Gold von aussen ziert das Leben
Ein Sünden-volles Mahl brennt das Gewissen an.
Verblaste
Das nie die Uppigkeit und Hoffart hat erdacht
Dazu die Tugend selbst geliefert reine Seide
Hast du den kurtzen Lauff der Jahre hingebracht.
Dein Himmel-blauer Schmuck war Gottesfurcht im Hertzen
Dein kostbar Silber-Stück ein unbefleckter Sinn
Dein grünes Sommer-Kleid ein unverfälschtes Schertzen
Und deine Redligkeit warff Farb und Schmincke hin.
So hat dich
Apollens klugem Sohn deß Vaterlandes Zier
Dem Kunst und Wissenschafft ein ewig Denckmahl bauet
Und dem die Nachwelt trägt deß Ruhmes Lorbern für.
Da schien dein Hochzeit-Kleid vom Himmel zubereitet.
Als nach verfloßnem Jahr dich Boy und Schleyr verhüllt
Und dein verwittibt Haupt mit Aschen ist bespreitet
In dem der theure Mann die Schoß der Erden füllt.
Doch
Und gleichet den Verlust mit neuem Segen aus.
Du sollst zum andern mal in Breßlau Hochzeit machen
Herr Pohl gibt dir sein Hertz und Breßlau Hof und Hauß.
Jhr sehet euren Tisch gleich einem Weinstock grünen
Und Blumen euer Eh in schönem Wachsthum stehn.
Da deine Häußligkeit ist embsig wie die Bienen
Und weiß mit Rath und That der Nahrung nach zugehn.
Es kan des Mannes Hertz in allem sich verlassen
Und dein vernünfftig Thun bringt reichen Nutzen ein.
Du als Abigail weist so den Schluß zu fassen
Daß Seegen und Gelück euch stets Gefehrten seyn.
Ach aber daß doch nichts beständiges auf Erden
Daß Liebes-Rosen nur bey Dorn und Stacheln blühn!
Wie offt hieß
Dich einen Marter-Rock fürs Freuden-Kleid anziehn?
Der siechen Tage Zahl deß Leibes stete Schmertzen
So zwar die Hurtigkeit des Geistes nie gefällt
Erklärten was die Welt und ihr vergänglich Schertzen
Und wie sie Noth und Tod in ihrem Busen hält.
Wie Schönheit als ein Kleid muß schliessen und veralten
Der Jugend frische Krafft als glattes Eiß zerbricht.
Der Adern fenrig Brunn im Tode müß’ erkalten
Und für den letzten Stoß hilfft auch die Tugend nicht.
Drumb hast du
Jhr prächtig Schatten-Werck verächtlich angeschaut.
Weil ihre Herrligkeit ein solcher Regenbogen
Den nur ein Gegenstrahl vons Glückes Sonn erbaut.
Auch denen so sich hoch in ihre Pracht verliebet
Abgötter ihrer Zier sich jederzeit genennt.
Sieht man was sie zuletzt für schlechte Lohnung giebet
Wenn es ans Scheiden kommt und Leib und Seel sich trennt.
Nackt treten wir hervor nackt müssen wir von hinnen
Man nimmt ja weder Kron noch Zepter in das
Witz Weißheit und Verstand so uns sonst leiten können
Sind bey der letzten Reiß ein schlechter Wander-Stab.
Du werthste Seelige hast JEsum dir erwehlet
Der auch im Finsternüß kan Weg und Leuchte seyn
Mit diesem hast du dich in Ewigkeit vermählet
Er ruffte dich als Braut in seine Wohnung ein.
Drauf kontest du getrost dein Sterbe-Hembde küssen
Dein allerliebstes Kleid mit Freuden legen an
Und sahest Glaubens voll den Himmel den aufschliessen
Der für das Heil der Welt längst hat genug gethan.
Wie aber
Ich lob es daß sich frey der Augen-Brunn ergeust.
Gemüthern was sie groß geschätzt und hoch begehren
Ist Weinen eine Lust wie starck der Strom auch fleust.
Die Schmertzen können sich in solcher Fluth verlauffen
Biß Gottes Hand zuletzt die Augen wieder wischt
Und wenn der krancke Geist in Trübsal will ersauffen
Jhn seine Güttigkeit mit Krafft und Trost erfrischt.
Derselbe richt’ ihn auf und heile seine Wunden
Daß dieser Seelen-Riß noch zu ertragen sey!
Denn wenn bey Menschen Rach und Rettung ist verschwunden
Trägt seiner Allmacht Krafft die beste Hülffe bey.