Das Täubchen

By Johann Georg Jacobi

Written 1777-01-01 - 1777-01-01

In diesen dunkeln Hainen

Ging ich den losen Kleinen,

Die Köcher tragen, nach;

Hier, Chloe, hier im Grünen

War Amor unter ihnen;

Ich hörte, was er sprach.

O wenn in diesen Schlingen

Wir nun das Täubchen fingen,

Das mir die Mutter wies!

O lockt es! singt, ihr Brüder;

Ihr wißt, daß sich durch Lieder

Schon manches täuschen ließ.

„Komm, Täubchen, komm! Den Wagen

Der Venus, sanft getragen

Vom Zephyr, sollst du ziehn;

Sollst unter Blüthen wallen,

Wenn in des Adlers Krallen

Die Donnerkeile glühn.

Er muß den Zevs begleiten,

Und gegen Riesen streiten,

Und mit ins Treffen gehn;

Du kannst in kleinen Kriegen

Uns nur zur Seite fliegen,

Und überwinden sehn.

O komm! In wenig Tagen

Wirst du verlassen klagen,

Dein Liebling eilt von hier:

Getreuer sind die Gatten

In Paphos sichern Schatten;

Kein Falke raubt sie dir.

Du sollst mit Amoretten

Dich auf den Gürtel betten,

Der unsre Göttin ziert;

Geschmeichelt von Najaden,

Soll dich die Quelle baden,

Die Venus nur berührt.“

So sangen sie, die Brüder!

O süße Macht der Lieder!

O zauberischer Wahn!

Das Täubchen kommt geflogen,

Setzt sich auf Amors Bogen,

Und sieht den Knaben an.