Das Todtenopfer

By Friedrich von Matthisson

Written 1789-01-01 - 1789-01-01

Die Berge stehn so düster,

Von Nebeldunst umflort;

Durch banges Rohrgeflüster

Rinnt schwach das Bächlein fort;

Ein fernes Hirtenfeuer,

Am grauen Fichtenhain,

Hellt matt der Dämmrung Schleyer,

Wie Leichenfackel-Schein.

Aus Warten und aus Klüften

Fleugt scheu die Eul' empor;

Es gehn aus ihren Grüften

Die Geister leis' hervor;

Still tanzen, in Ruinen,

Die Gnomen und die Fey'n,

Vom Glühwurm bleich beschienen,

Den abendlichen Reih'n.

Am Seegestad' erlöschen

Des Dorfes Lämpchen schon;

Des Klosters dunklen Eschen

Entlispelt Klageton;

Die Sterne blinken traurig

Vom Herbstgewölk umgraut;

Die Winde seufzen schaurig

Im hohen Farrenkraut.

Des Traurenden Gedanken

Entschweifen bang dem Schooß

Der Alpenwelt, und wanken

Um ferner Gräber Moos.

Tief ist die Ruh' der Grüfte;

Der Morgensonne Licht,

Das Wehn der Frühlingslüfte,

Weckt ihre Schlumm'rer nicht.

O Freunde! deren holde

Gestalten, mildumstralt

Von blassem Abendgolde,

Mir die Erinnrung malt:

Fünf Kränze von Platanen

Bringt, hier am Felsaltar,

Die Sehnsucht euren Manen

Zum Todtenopfer dar.