Das Veilchen

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Wann der graue Winter weicht,

Und der Silberschnee verbleicht

In den träufelnden Auen,

Lass' ich auf den falben Matten

An der Zäun' und Hecken Schatten

Meine Blümelein schauen.

Purpurbraun ist mein Gewand,

Grün und Gold der Blättlein Rand,

Voll herzkühlendem Saft;

In den neuen Hirtenkränzen

Siehet man Violen glänzen

Mit süß duftender Kraft.

Wer die Veielblum' betracht',

Nimmt der Demuth Bild in Acht

Mit viel trefflichen Gaben.

Die nun auf der Erden liegen,

Sich in Dornenschatten schmiegen,

Werden endlich erhaben.