Das Vergeltungs Recht GOttes in dem Leiden JEsu.
Das Allerhöchste Gut ist heilig und gerecht,
Wer sein Gesez verlezt, der ist
Und wer in Sünden lebt vor
Der fält dadurch in Straf vor
Als heilig duldet er das Sün-
Er ist ein Richter auch der solches Urtheil spricht,
Wie jeder hat verdient. So wie die Sünd be-
So sind die Folgen auch, und die gerechten Straf-
Daß
Wird uns recht sichtbarlich in Christo abgemahlt;
In dessen Leiden ist, als wie im Bild zu sehen,
Wie es nach
Was Adam hat gethan, und sein Geschlecht ver-
Wie er die Heiligkeit des Schöpfers hat betrübt:
So ist im Gegentheil der Bürge auch betrübet,
Der sich für uns gestellt. So wie wir ausge-
Das Böse das uns drükt; So hat auch das Ge-
Das nach dem Regelmaas der Heiligkeit stets
Die Straffe zu erkannt dem, der sein Blut und
Zum Opfer für die Welt, und ihre Schuld gege-
Die erste Missethat ist nach der heilgen Schrift,
Daß sich der erste Mensch, durch falsches Schlan-
Zur Aufgeblassenheit und Stolz bewegen lassen,
Dem Höchsten gleich zu seyn, und das Gesez zu
Die heilge Majestät die ward dadurch verlezt,
Das menschliche Geschlecht in tieffe Noth ge-
Der Bürge der für uns die Schuld auf sich ge-
Und der GOtt selbsten war, der must auf Erden
Und sich erniedrigen, an aller Sünder statt,
Die jene alte Schlang zum Stolz verführet hat.
Der Hochmuth war die Sünd, ein Trieb
Der brachte GOttes Sohn vom Himmel auf die
Seht das Vergeltungs-Recht: was die Gerechtig-
Den Schändern des Befehls, den sie gegeben dreut;
Die Todesstraffe wird an JEsu auch verrichtet,
Da ihm ein ewger Rath zum Bürgen-Amt ver-
Der erste Mensche fiel im Paradies von
Er aß vom Baum die Frucht, die ihm sein HErr
Als JEsus für die Sünd bezahlt, die wir began-
Da muste er zuerst im Garten auch anfangen,
Das Leiden für die Schuld. Die Eva fahe
Durch Satans Trieb die Frucht auf dem verbot-
So war die Lust erwekt; sie wünschte ihren Wil-
Der durch die Lust gereizt, mit dieser Frucht zu
Sie sehnte sich, sie griff, sie nahm darauf, sie
Dabei sie unbesorgt, den schweren Fluch ver-
Den
Hat der Versöhner auch Angst, Schmerz empfin-
Er lag im tieffen Thal vom schweren Fluch ge-
Als wie ein armer Wurm gekrümmet und gebükt;
Der Angstschweis brach ihm aus, indem er lag
Es trieb das Herz beklemmt das Blut durch alle
Zum Zeichen daß der Zorn des Zebaoths ent-
Der aus der Sünden Lust der bösen Menschen
Der Heiland rang allhie, mit innren Kampf und
Der Schlangen giftgen Kopf, als Sieger zu zer-
Weil sich der Mensch verführt, durch seine List und
In eine Sclaverei, der Höllen selbst gebracht.
Dieweil der erste Mensch der Herrschaft Recht ver-
Der Frechheit wilden Trieb, wie Freiheit hoch ge-
So forderte das Recht das alles Böse schilt,
Und die verübte That nach dem Verdienst ver-
Von unsern Bürgen auch: daß er sich liesse bin-
Als ein höchstfreier HErr, für diese Freiheits-Sün-
Und dieses ist geschehn. Die Unschuld ward ge-
Und vor die Schuld verstrikt zum Richter hinge-
Der Mensch, das Sündenkind verlezt des Höchsten
Die das Gesez befiehlt, mit Werken, Wort und
Die erste Taffel wird durch Bosheit gnug ver-
Und die befohlne Pflicht nicht wichtig gnug ge-
Das göttliche Gericht lies drum den Heiland ge-
Vors geistliche Gericht; da must die Unschuld ste-
Als wenn sie
Zur Tilgung aller Schand die wir hie ausgeübt.
Die andre Taffel ist, da Treu und Lieb erkalten,
Von der verdorbnen Welt, von keinem Mensch
Herz, Zunge, Mund und Hand verlezzen die Ge-
Die für den Nächsten sind. Und der erzürnte
Der muste dieses auch, als ein Gerechter rä-
Darüber nach Verdienst ein Todes Urtheil spre-
Der Bürge für die Welt, der büßte diese
Vorm weltlichen Gericht, und litte mit Ge-
Man grif die Unschuld an, mit Lästern und mit
Man schlug aus Bosheit ihn und er lies es gesche-
Man stellte gegen ihn viel falsche Zeugen auf
Es schrie alles Volk, der grosse Mörder-Hauf
Er wär ein Satans Kind. Er wurde auch verhöh-
Da er als König ward im Dornen-Kranz ge-
Dies Leiden zeiget uns in einem Spiegel an,
Die Sünden die die Welt auch andern angethan,
Wie wir die Unschuld oft mit Zungen Gift be-
Ein ungerecht Gericht an andern vollenstrekket.
Der Heiland ward verdammt, da wir den Todt
Er hat uns an dem Holz durch Leiden ausgesühnt,
Die erste Sünde ward, an einem Baum began-
Der Bürge muste drum auch an dem Holze han-
Er litt mit Seel und Leib, da er am Holze hing,
Und unsre Sünden Straf, an unser Stat em-
Er ward mit Hand und Fuß, als wie ein Fluch
Und dadurch haben wir die Freiheit wieder funden.
Jhr Sünder sehet an, was JEsus vor ein
Wie sein geheiligt Blut, aus vielen Wunden
O! welch ein Jammer Bild, wie ist er zugerichtet,
Da er als Bürge sich für unsre Schuld verpflich-
Der Sohn des Höchsten hängt an dem verfluchten
Und dadurch büsset er auch unsrer Lüste Reiz;
Der Sohn des Höchsten stirbt, damit die armen
Durch ihn von Schuld befreit, auch würden Gna-
Er ruft vor seinem End, bei der empfundnen
Mit klagenden Geschrei betrübt: Mein GOtt, mein
Warum hast du mich jezt, so ganz und gar ver-
Und in der Qual und Pein, must er am Kreuz er-
Das ist darum geschehn, weil wir von
Weil jedes Sünden Kind wie ein Verirrter rennt;
So war die Straffe gleich den menschlichen Ver-
Kein andres Urtheil konnt hier das Gerichte spre-
Darm die Majestät des Allerhöchsten thront;
Der jedem nach Verdienst und seinen Thaten lohnt;
Jhr Menschen! sehet hier was
Wenn sein gerechter Grim und heiligs Zornfeur lo-
Es wird an JEsu euch ganz sichtbahr vorgemahlt,
Wie er die Sünde haßt, und gleiche Straffen
Nehmt diesen Heiland an, der für euch ist gestor-
Und durch sein Leiden euch des Höchsten Huld er-
Lernt was ihr auszustehn, wenn ihr den Heiland
Da in der Ewigkeit es euch also ergeht;
Wie ihr verdienet habt: da wird sein Grim euch
Und jedem seine That auf seinem Kopf vergelten.
Wenn ihr an JEsum gläubt; so habt ihr kein Ge-
Das euch verdammen kan: denn euer Richter
Wer gläubt der stirbet nicht. Durch des Erlösers
Kan man im Himmelreich das ewge Leben erben.
O! wol dem, der dies hört, wenn ihm die Sünd
Jm Glauben ganz getrost und zuversichtlich sagt:
Der Richter aller Welt wird mich nicht ewig quä-
Ich nehme JEsum an zum Bürgen meiner Seelen.