Das Vergeltungsrecht GOttes im Strafen Bei Betrachtung der Gerichte die über Sod...
Die gerechten Strafgerichte göttlicher
Gerechtigkeit,
Kommen immer über Böse, nach
verfloßner Gnaden Zeit,
Da GOtt ihnen das vergilt, was sie gegen ihn ver-
brochen,
Da sie durch die Bosheit sich, selbst das Urtheil
schon gesprochen.
Wie die Sünde; so die Straffe: daß ist das Ver-
geltungsrecht,
Welches
Sünden-Knecht
Durch gerechte Rache bringt, daß man dabei klär-
lich siehet,
Wie des Höchsten Machtgericht, Sünder so zur
Straffe ziehet
Nach der Aehnlichkeit der Thaten; wie es oft den
Lohn so giebt,
Denen bösen Leibes-Gliedern, die die Sünde aus-
geübt.
Ofte straft
geschehen,
Oft zu einer solchen Zeit, da die Welt das Böß
gesehen:
Ofte wird dasselbe Uebel, wiederum an dem voll-
bracht,
Und auf seinen Kopf vergolten, der dasselbe aus-
gedacht:
Wer dem Nächsten Gruben gräbt, muß oft selbst
darin versinken,
Wer den Bruder Angel legt, muß oft selbsten da-
von hinken;
Wer der Unschuld Bande schmiedet, die nichts übels
hat gethan,
Dem sind oft dieselben Fesseln, selbst zur Straffe
angethan.
Daß ist das Vergeltungsrecht, wunderbahrer Straf-
gerichte,
Dadurch er die Sünde tilgt, und das Böse macht
zu nichte.
In der Welt sind viel Exempel, daran man mit
Schrekken lernt,
Wie es solchen Sünder gehet, der sich erst von
Gott entfernt,
Und durch böse Lust verwöhnt, in dem Laster Ko-
the wühlet,
Der denn wie er hat gethan, auch gerechte Straffe
fühlet.
Nur ein Beispiel anzusehen, denkt nach Sodoma
zurük
Auf derselben ihr Verbrechen, auf das harte Un-
gelük
Das den Thaten nachgefolgt; so kan man auch
an ihr lesen,
Was sei das Vergeltungsrecht, bei dem allerhöch-
sten Wesen.
Sodom war ein Lustgefilde, wie ein kleines Para-
dies,
Wo in einer fetten Gegend, sich nichts als nur
Anmuth wies
Wo des Himmels Heiterkeit, ihre strahlenreiche
Wonne,
Lauter Seegensthau erzeugt, durch die schöne Mor-
gensonne;
Sodom war voll Milch und Honig, die von fetten
Ueberfluß,
Und von süsser Nahrung Zeichen; ein Land wo der
Seegens-Gus,
Stets mit starken Strömen ran: diese stete Him-
mels-Milde,
Machte es mit ihrer Lust, zu des Edens Eben-
bilde.
Doch die Menschen die da wohnten, wurden durch
den Seegenskeim,
Durch die fette Milch der Nahrung, durch den
süssen Honigseim,
Wie ein ungezähmtes Vieh, das auf einer satten
Weide
Wild und geile einher springt; so war ihre einzge
Freude,
Nur die Wollust auszuüben. Sodoms liederliche
Brunst,
Fand auch bei dergleichen Seelen, ihre gleiche Ge-
gengunst
Und ward wie ein Feur das erst, heimlich in ver-
borguen schmauchet,
In der Finsternis anglimmt, in der Dunkelheit
erst rauchet,
Bis es in die lichte Lohe, offenbahrlich um sich
rennt,
Und so lang nicht Nahrung fehlet, siedend zischt
und wütend brennt;
Sodoms Geilheit war ein Brand, der nicht mehr
zu löschen stehet,
Und glich einen Feur das nur, in dem Feuer selbst
vergehet.
Dieses alles sah das Auge, welchem alles ist be-
kand,
Sodoms Wollust Gluth erregte, des Gerechten
Eiferbrand,
Jhrer Geilheit wilde Brunst, zog des Zorns ent-
glomne Flammen,
Wie ein feurig Schweffel-Meer, zu dem Straff-
gericht zusammen.
Zebaoth ließ seine Donner, mit den strengen Bliz-
zen aus
Und verkehrte ganz zerschmetternd, Volk und Stadt
in Schutt und Graus;
Da sein Bliz in strengen Brand, diese Schweffel-
gegend brachte,
Und zum Schrekken aller Welt, ihr ein schreklich
Ende machte.
Menschen! seht nach Sodoms-Städte, wo noch
alles im Ruin,
Und in die verheerte Gegend, mit gerührten Blik-
ken hin,
Lernet an dem öden Ort: Wie die Sünde so die
Straffen,
Die nach dem Vergeltungsrecht, Sodoms geilen
Volk betraffen.
Jhr die ihr, in bösen Lüsten, lechzend Sodoms
Sünde treibt!
Denket daß das Strafgerichte, über euch nicht
aussen bleibt,
Eilet ihr nicht in der Zeit, zu des Heilands Gna-
denstuhle;
So wird eure Brunst gestraft, in dem Feur und
Schweffelpfule.