Das Vergeltungsrecht GOttes im Strafen Bei Betrachtung der Gerichte die über Sod...

By Johann Justus Ebeling

Die gerechten Strafgerichte göttlicher

Gerechtigkeit,

Kommen immer über Böse, nach

verfloßner Gnaden Zeit,

Da GOtt ihnen das vergilt, was sie gegen ihn ver-

brochen,

Da sie durch die Bosheit sich, selbst das Urtheil

schon gesprochen.

Wie die Sünde; so die Straffe: daß ist das Ver-

geltungsrecht,

Welches

Sünden-Knecht

Durch gerechte Rache bringt, daß man dabei klär-

lich siehet,

Wie des Höchsten Machtgericht, Sünder so zur

Straffe ziehet

Nach der Aehnlichkeit der Thaten; wie es oft den

Lohn so giebt,

Denen bösen Leibes-Gliedern, die die Sünde aus-

geübt.

Ofte straft

geschehen,

Oft zu einer solchen Zeit, da die Welt das Böß

gesehen:

Ofte wird dasselbe Uebel, wiederum an dem voll-

bracht,

Und auf seinen Kopf vergolten, der dasselbe aus-

gedacht:

Wer dem Nächsten Gruben gräbt, muß oft selbst

darin versinken,

Wer den Bruder Angel legt, muß oft selbsten da-

von hinken;

Wer der Unschuld Bande schmiedet, die nichts übels

hat gethan,

Dem sind oft dieselben Fesseln, selbst zur Straffe

angethan.

Daß ist das Vergeltungsrecht, wunderbahrer Straf-

gerichte,

Dadurch er die Sünde tilgt, und das Böse macht

zu nichte.

In der Welt sind viel Exempel, daran man mit

Schrekken lernt,

Wie es solchen Sünder gehet, der sich erst von

Gott entfernt,

Und durch böse Lust verwöhnt, in dem Laster Ko-

the wühlet,

Der denn wie er hat gethan, auch gerechte Straffe

fühlet.

Nur ein Beispiel anzusehen, denkt nach Sodoma

zurük

Auf derselben ihr Verbrechen, auf das harte Un-

gelük

Das den Thaten nachgefolgt; so kan man auch

an ihr lesen,

Was sei das Vergeltungsrecht, bei dem allerhöch-

sten Wesen.

Sodom war ein Lustgefilde, wie ein kleines Para-

dies,

Wo in einer fetten Gegend, sich nichts als nur

Anmuth wies

Wo des Himmels Heiterkeit, ihre strahlenreiche

Wonne,

Lauter Seegensthau erzeugt, durch die schöne Mor-

gensonne;

Sodom war voll Milch und Honig, die von fetten

Ueberfluß,

Und von süsser Nahrung Zeichen; ein Land wo der

Seegens-Gus,

Stets mit starken Strömen ran: diese stete Him-

mels-Milde,

Machte es mit ihrer Lust, zu des Edens Eben-

bilde.

Doch die Menschen die da wohnten, wurden durch

den Seegenskeim,

Durch die fette Milch der Nahrung, durch den

süssen Honigseim,

Wie ein ungezähmtes Vieh, das auf einer satten

Weide

Wild und geile einher springt; so war ihre einzge

Freude,

Nur die Wollust auszuüben. Sodoms liederliche

Brunst,

Fand auch bei dergleichen Seelen, ihre gleiche Ge-

gengunst

Und ward wie ein Feur das erst, heimlich in ver-

borguen schmauchet,

In der Finsternis anglimmt, in der Dunkelheit

erst rauchet,

Bis es in die lichte Lohe, offenbahrlich um sich

rennt,

Und so lang nicht Nahrung fehlet, siedend zischt

und wütend brennt;

Sodoms Geilheit war ein Brand, der nicht mehr

zu löschen stehet,

Und glich einen Feur das nur, in dem Feuer selbst

vergehet.

Dieses alles sah das Auge, welchem alles ist be-

kand,

Sodoms Wollust Gluth erregte, des Gerechten

Eiferbrand,

Jhrer Geilheit wilde Brunst, zog des Zorns ent-

glomne Flammen,

Wie ein feurig Schweffel-Meer, zu dem Straff-

gericht zusammen.

Zebaoth ließ seine Donner, mit den strengen Bliz-

zen aus

Und verkehrte ganz zerschmetternd, Volk und Stadt

in Schutt und Graus;

Da sein Bliz in strengen Brand, diese Schweffel-

gegend brachte,

Und zum Schrekken aller Welt, ihr ein schreklich

Ende machte.

Menschen! seht nach Sodoms-Städte, wo noch

alles im Ruin,

Und in die verheerte Gegend, mit gerührten Blik-

ken hin,

Lernet an dem öden Ort: Wie die Sünde so die

Straffen,

Die nach dem Vergeltungsrecht, Sodoms geilen

Volk betraffen.

Jhr die ihr, in bösen Lüsten, lechzend Sodoms

Sünde treibt!

Denket daß das Strafgerichte, über euch nicht

aussen bleibt,

Eilet ihr nicht in der Zeit, zu des Heilands Gna-

denstuhle;

So wird eure Brunst gestraft, in dem Feur und

Schweffelpfule.