Das verliebte Riesen-Gebürge Bey Hn. J. J. u. J. M. R. Hochzeit vor- gestellet d...

By Heinrich Mühlpfort

Cupido zog unlängst nach Leiptzig auf die Messe

Und kauffte hier und dort vor Frauenzimmer ein

Der abgerichte Schalck wolt auch freygebig seyn

Der schenckt er einen Pfeil der andern eine Kresse

Der dritten einen Storch der vierdten einen Hahn

Und was vor Gauckeley man nur erdencken kan.

Er forschte fleissig nach wo der und jener blieben?

Und ob

Als ein vertrauter Freund ihn macht deß Zweiffels frey

Und spricht wer Ehhafft hat muß Reisen nur verschieben

Herr Jänisch wird nunmehr in dem Gebirge seyn

Und kaufft ihm andern Zeug zu seiner Nahrung ein.

Cupido flog empor als wie beflammte Blitze

Und segelte behertzt durchs freye Feld der Lufft

Die Venus hätt ihn selbst zurücke nicht geruft

Biß daß er oben stand auf deß Riphäus Spitze;

Da wo der kalte Nord die Gegend gantz beeist

Und einen tieffen Schnee anch in dem Sommer weist

Wie sagte Cypripor will der den Himmel stürmen?

Es sey hier Athos Berg es sey auch Rhodope

Und daß der Pelion zu nechst dem Ossa steh

Ja was sich Sternen gleich von Bergen auf mag thürmen

Und brächt er Riesen gar der alten Welt hervor

So zwingen sie doch nicht mich und der Götter Chor.

Bey solcher Witterung bey ungeschlachten Wegen

Wo auch Mercurius nicht sicher reisen darf

Der Himmel zu betrübt die Winde gar zu scharf

Und Eckel und Verdruß die Bahn uns oft verlegen

Sucht dieser seine Lust gräbt Flammen auß dem Schnee

Holt Zunder von dem Frost und in dem Winter Klee.

Denn wem ist unbekand der Berge breiter Rücken

Wo nichts als Einsamkeit die Trauer-Geister nährt

Wo sich der Rübenzahl so oft und viel verkehrt

Und die Gespenster sich fast täglich lassen blicken

Die man die Seelen noch verblichner Helden nennt

Und die den Platz der Welt so als wie wir gekennt.

Nein diß taug nicht für ihn er liebt nicht Wüsteneyen

Noch macht die Reise mir ein seltsam Abentheur!

Wie irr ich? oder solt ein schönes Ungeheur’

Auch mitten im Gebirg

Es ist wol eh geschehn daß sich bey stiller Nacht

Zu dem Endymion Diana hat gemacht.

Und sucht die Venus nicht auf Büschen und auf Höhen

Wo ihr Adonis sey den Außzug ihrer Lust?

Wie brennt Auroren nicht die Strahlen-reiche Brust

Wenn sie den Cephalus siht auf die Jagt außgehen?

Was gilts ich treff es noch wie sehr man es verdeckt

Daß im Gebirge Feur vor unsern Jänisch steckt.

Ich will die Wünschel-Ruth in meine Hände nehmen

Kein Wittichen vergleicht sich meinen Künsten nicht

Ich mach auß Tage Nacht und auß der Nacht ein Licht.

Ich will die Riesen selbst mit meiner Macht beschämen.

Kein Kobold schreckt mich ab daß ich nicht Wunder thu

Und suche nach dem Sieg bey meiner Mutter Ruh.

Er streiffte hin und her durch die beschneyten Hölen

Biß daß er ohngefehr

Wie rief er hat es doch der Himmel so geschickt

Daß ich dich schauen mag entdecke deiner Seelen

Geheime Regungen und der Begierden Streit

Wer weiß ob nicht mein Arm von allen dich befreyt?

Herr Jänisch fühlte nun von ungewohntem Triebe

Daß etwas mächtigers schon über ihn bestimmt

Eh er den kleinen Gott recht in die Augen nimmt

So rufft er gantz entzückt: Ich lieb’ ich lieb’ ich liebe.

Ach eine Riesin hat mich auf den Berg geführt

Die mir den Mittelpunct des innern Hertzen rührt!

Gut sprach Cupido gut ich will das Spiel verkehren

Mein klug-verschlagner Geist weiß allenthalben Rath

Wenn ihn die Omphale in ihren Armen hat

So liebet Hercules den Rocken und die Scheeren.

Wie mancherley Gestalt nimmt Jupiter nicht an

Damit er seine Lust nach Wunsch erfüllen kan.

Auf folge mir nur nach ein unverzagtes Hertze

Bleibt nur der schönste Schmuck der treue Buhler ziert.

Versichert das die Schoß der Erden nichts gebiert

So mir nicht dienen soll zu einer Opffer-Kertze.

Auch unter Felß und Stein und tieffster Klüffte Schoß

Wird meine Herrlichkeit durch neue Würckung groß.

Herr Jänisch enderte bald Blicke bald Geberden

Und sprach wie kan ich doch ich schwacher widerstehn

Ich soll auf einen Berg wo Riesen wohnen gehn

Ich fürchte daß ich muß ein Raub des Todes werden.

Was hat Medea nicht für diesem wolgethan?

Und siht ein sterblich Mensch auch frey die Götter an?

Wie sagt Cupido drauf wer zweiffelt wird nicht siegen

Die Lieb ist freylich wol ein unermeßner Berg.

Die Liebe thut allein die grösten Wunder-Werck’

Der Liebe Wurtzel käumt aus nichts als Streit und kriegen.

Wer Riesen fangen will muß Alexander seyn

Dem war die zehnte Welt für seinen Muth zu klein.

Komm wo du reisen wilst auf Hämus weisse Klippen

Und wo der Taurus sich biß an die Wolcken streckt

Wo nie der Sonnen-Strahl den Caucasus ableckt

Und wo der Apennin zeigt seine dürre Rippen.

So wirstu nimmermehr der Liebe widerstehn

Wer hier nicht folgen will der muß gezwungen gehn.

Sie gehn

Er weiß nicht wo er ist er denckt nicht was er thut

Bald greifft ihn Schrecken an bald wallet ihm das Blut

Es klopfft das Hertze starck es zittern alle Glieder.

Er sicht und sieht auch nicht er sihet einen Berg

Und schreyt Cupido hilff! ach welch ein Wunder-Werck!

Er röchelt halb entseelt sagt mit gebrochnen Worten

Welch eine Riesin nimmt mir Leben und Gestalt

Jhr Götter werd ich nicht noch diese Stunde kalt

Ach daß die Pfeile doch mein Hertze nicht durchbohrten

Cupido biß mir gut und Venus biß geneigt

Nun das Gebirge sich und eine Riesin zeigt.

In einem Augenblick verschwunde Schnee und Flocken

Wo vor die Wüsteney da war ein Paradiß

Man sah die Anmuth selbst die umb die Berge bließ

Und Venus stellte sich mit tausend schönen Tocken

In ihrer Hochzeit ein. So daß Cupido sprach

Ach Mutter laß doch was noch meinem bitten nach.

Hiemit so flocht er sich umb ihre Marmel-

Und saugte süsse Milch von den Granaten auß

Sie stäupte seinen Leib mit einem Blumen-Strauß.

Er aber rief und sprach. Ach Mutter wenn ich wüste

Das deiner Majestät Haupt Urtheil stimmte bey

So sagt ich daß nunmehr

Indem erzeigte sich ein Berg von seltnen Wundern

Er als Cupido kaum der Mutter Brust entfällt

Hat eine Riesin sich zur Gegenwehr gestellt

Mit Waffen ausgerüst von nichts als Brand und Zundern.

Hier steht H

Und der in einer Nacht kan werden bester Freund.

Wie treugt uns nicht der Wahn! Er denckt zu sehen Riesen

Und weiß nicht daß die Stadt die Perle dieser Welt

Dergleichen Riesin schon in ihren Armen hält

Die von der Tugend Lob und Höffligkeit gepriesen.

Sie tritt ihm ins Gesicht und zeuget daß sein Geist

In das Gebirge nicht in sie nur sey gereist.

Cupido sagte zwar die Künste meiner Künste

Sol ich in einem Berg und Riesen stellen dar

Daß meine Deutung doch in allem werde war

So webe Venus mir ein seidenes Gespinste

Das unsern Bräutigam mit seiner Riesin deckt

Und meldet was dabey vor ein Geheimnüß steckt.

Drauff fuhr er ferner fort ein auserwehlt Gebirge

Verheischt dir das Gelück beschert dir diese Nacht.

Die Venus spricht es werd ein Opffer abgeschlacht

Das auch dein eigne Hand im ersten Blut erwürge.

Ich aber mahle dir den Berg der Liebe für

Wo eine Riesin steht voll Seufftzen voll Begier.

Ein Ries ist lang und groß schau die gerade Länge

Wie gleich den Lilien sich deine Riesin weist.

Schau ihren treuen Sinn schau ihren keuschen Geist

Und hastu nicht dabey der Tugend-Gaben Menge?

Ein Berg ist ja ein Schatz der reiche Schätze reicht

Ich glaube daß sich doch nichts deinem Schatze gleicht.

Sih’ an der Berge Höh wie schön ist ihre Stirne!

Der Himmel ist niemahls so hell und ausgeklärt

Als ihre Blicke sie holdselig dir gewehrt

Die Venus im Gesicht und Pallas im Gehirne.

Betrachtestu genau der Augen Sternen-Schein

So können sie bey Nacht ein rechter Pharus seyn.

Ein Berg der breitet sich. Auch ihre schöne Wangen

Umb eine Helena krigt Paris noch zehn Jahr.

Der Jungfern höchster Schmuck und prachtig Ruhm Altar

Ist wenn die Ketten sie der Scham und Zucht umbfangen.

Ob sich des Berges Knopff mit nichts als Wolcken deckt

So ist doch Sanfftmuth nur in diesen Berg versteckt.

Zwey Hügeln gleichen sich die Schwanen gleiche Brüste

Die Riesin ladet dich auff ihre Klippen ein

Du must an Hertz und Muth nur unerschrocken seyn

Und daß sich deine Hand mit Liebes-Waffen rüste.

Erschrick nicht daß der Schnee sich hat so rund gelegt

Und seine Lilien so lebendig bewegt.

Laß den Vesuvius von Gluth und Feuer rauchen

Er gleicht nicht diesem Brand der hier verborgen blitzt

Ob Aetna seine Brust mit Schweffel schon erhitzt

Und in ein Flammen-Meer die schüchtre Welt wil tauchen

So ist bey weiten doch das brennen nicht so starck

Als diß das angefeurt der Liebsten Blut und Marck.

Auch unter diesem Schnee kanstu Erd-Beeren finden

Die Tuberosen blühn auch bey der Winter-Zeit

Und ob sich Aetna schon mit Aschen hat bestreut

So trägt sie Trauben doch in ihren schönen Gründen.

Die Aepffel sind vor dich in diesem Paradiß

Und Adam thäte selbst hier wieder einen Biß.

Bey Bergen ist ein Thal nach rundgewölbten Höhen

Nach auffgethürmter Pracht ziht sich die Gegend ein

Wo silber-helle Quell’ und kühle Hölen seyn.

So bleiben Riesen auch nicht stets auff Spitzen stehen

Sie suchen ihre Lust in Schatten-reicher Nacht

Als wie zur Dido sich Aeneas hat gemacht.

Der nackte Flügel-Gott fing weiter anzumelden

Wer im Gebirge reist bedarff gar offt der Ruh

Es sagt mein treuer Mund dergleichen Schlaf dir zu

Den kaum genossen hat der Kern berühmter Helden.

Die Riesin ist nicht wild sie ladet dich zu ihr

Das Zimmer ist ihr Hertz der Bote die Begier.

Herr Jänisch in die See der Freuden eingesencket

Nahm das erfreute Wort mit Danck verpflichtet an

Und sagte kleiner Gott wo ich was bitten kan

Wo Venus noch an mich die ich geehret dencket.

So schaffe daß der Berg verspüre meine Treu

Und daß die Riesin auch ein Schlaf-Geselle sey.

Was wirckt die Liebe nicht sie lernt mit Riesen kämpffen;

Cupido zog den Pfeil den man den güldnen heist

Der Fried und Einigkeit in die Gemüther geust

Und sagte Beyder Gluth sol keine Zwitracht dämpffen.

Den andern Pfeil der Neid und bittern Haß erweckt

Der bleibe wie vorhin im Köcher eingesteckt.

Ich wil die Juno sammt dem Hymen itzt auffbitten

Daß sie das Hochzeit-Bett zum schönsten butzen aus

Daß Freude Spiel und Schertz schallt durch das gantze Haus

Und man viel Täntze hegt mit kunstgeübten Tritten.

Daß ein vergnügt Glück zu! ein frölich Lebet wohl;

Aus Mund und Hertzen steigt biß an den Sternen Pol.

Herr Jänisch führt nunmehr die Beut in seinen Armen

Er hat den besten Schatz aus dem Gebirge bracht

Worzu sich seine

Und in der Riesin Schoß sol er hinfort erwarmen.

So viel als Federn hier in meinen Flügeln seyn

So viel Ergetzligkeit muß auff die beyde schneyn.

Mein Handel ist nun nichts mit allen meinen Wahren

Diß was höchst-nöthig ist hab ich doch nicht gekaufft;

Eh aber gar die Zeit mir aus der Hand entlaufft

Und mich die Mutter heist in Himmel wieder fahren

So sag ich heilig zu das binnen Jahres Frist

Die Messe so ich bring’ in einer Wiegen ist.