Das verliebte Riesen-Gebürge Bey Hn. J. J. u. J. M. R. Hochzeit vor- gestellet d...
Cupido zog unlängst nach Leiptzig auf die Messe
Und kauffte hier und dort vor Frauenzimmer ein
Der abgerichte Schalck wolt auch freygebig seyn
Der schenckt er einen Pfeil der andern eine Kresse
Der dritten einen Storch der vierdten einen Hahn
Und was vor Gauckeley man nur erdencken kan.
Er forschte fleissig nach wo der und jener blieben?
Und ob
Als ein vertrauter Freund ihn macht deß Zweiffels frey
Und spricht wer Ehhafft hat muß Reisen nur verschieben
Herr Jänisch wird nunmehr in dem Gebirge seyn
Und kaufft ihm andern Zeug zu seiner Nahrung ein.
Cupido flog empor als wie beflammte Blitze
Und segelte behertzt durchs freye Feld der Lufft
Die Venus hätt ihn selbst zurücke nicht geruft
Biß daß er oben stand auf deß Riphäus Spitze;
Da wo der kalte Nord die Gegend gantz beeist
Und einen tieffen Schnee anch in dem Sommer weist
Wie sagte Cypripor will der den Himmel stürmen?
Es sey hier Athos Berg es sey auch Rhodope
Und daß der Pelion zu nechst dem Ossa steh
Ja was sich Sternen gleich von Bergen auf mag thürmen
Und brächt er Riesen gar der alten Welt hervor
So zwingen sie doch nicht mich und der Götter Chor.
Bey solcher Witterung bey ungeschlachten Wegen
Wo auch Mercurius nicht sicher reisen darf
Der Himmel zu betrübt die Winde gar zu scharf
Und Eckel und Verdruß die Bahn uns oft verlegen
Sucht dieser seine Lust gräbt Flammen auß dem Schnee
Holt Zunder von dem Frost und in dem Winter Klee.
Denn wem ist unbekand der Berge breiter Rücken
Wo nichts als Einsamkeit die Trauer-Geister nährt
Wo sich der Rübenzahl so oft und viel verkehrt
Und die Gespenster sich fast täglich lassen blicken
Die man die Seelen noch verblichner Helden nennt
Und die den Platz der Welt so als wie wir gekennt.
Nein diß taug nicht für ihn er liebt nicht Wüsteneyen
Noch macht die Reise mir ein seltsam Abentheur!
Wie irr ich? oder solt ein schönes Ungeheur’
Auch mitten im Gebirg
Es ist wol eh geschehn daß sich bey stiller Nacht
Zu dem Endymion Diana hat gemacht.
Und sucht die Venus nicht auf Büschen und auf Höhen
Wo ihr Adonis sey den Außzug ihrer Lust?
Wie brennt Auroren nicht die Strahlen-reiche Brust
Wenn sie den Cephalus siht auf die Jagt außgehen?
Was gilts ich treff es noch wie sehr man es verdeckt
Daß im Gebirge Feur vor unsern Jänisch steckt.
Ich will die Wünschel-Ruth in meine Hände nehmen
Kein Wittichen vergleicht sich meinen Künsten nicht
Ich mach auß Tage Nacht und auß der Nacht ein Licht.
Ich will die Riesen selbst mit meiner Macht beschämen.
Kein Kobold schreckt mich ab daß ich nicht Wunder thu
Und suche nach dem Sieg bey meiner Mutter Ruh.
Er streiffte hin und her durch die beschneyten Hölen
Biß daß er ohngefehr
Wie rief er hat es doch der Himmel so geschickt
Daß ich dich schauen mag entdecke deiner Seelen
Geheime Regungen und der Begierden Streit
Wer weiß ob nicht mein Arm von allen dich befreyt?
Herr Jänisch fühlte nun von ungewohntem Triebe
Daß etwas mächtigers schon über ihn bestimmt
Eh er den kleinen Gott recht in die Augen nimmt
So rufft er gantz entzückt: Ich lieb’ ich lieb’ ich liebe.
Ach eine Riesin hat mich auf den Berg geführt
Die mir den Mittelpunct des innern Hertzen rührt!
Gut sprach Cupido gut ich will das Spiel verkehren
Mein klug-verschlagner Geist weiß allenthalben Rath
Wenn ihn die Omphale in ihren Armen hat
So liebet Hercules den Rocken und die Scheeren.
Wie mancherley Gestalt nimmt Jupiter nicht an
Damit er seine Lust nach Wunsch erfüllen kan.
Auf folge mir nur nach ein unverzagtes Hertze
Bleibt nur der schönste Schmuck der treue Buhler ziert.
Versichert das die Schoß der Erden nichts gebiert
So mir nicht dienen soll zu einer Opffer-Kertze.
Auch unter Felß und Stein und tieffster Klüffte Schoß
Wird meine Herrlichkeit durch neue Würckung groß.
Herr Jänisch enderte bald Blicke bald Geberden
Und sprach wie kan ich doch ich schwacher widerstehn
Ich soll auf einen Berg wo Riesen wohnen gehn
Ich fürchte daß ich muß ein Raub des Todes werden.
Was hat Medea nicht für diesem wolgethan?
Und siht ein sterblich Mensch auch frey die Götter an?
Wie sagt Cupido drauf wer zweiffelt wird nicht siegen
Die Lieb ist freylich wol ein unermeßner Berg.
Die Liebe thut allein die grösten Wunder-Werck’
Der Liebe Wurtzel käumt aus nichts als Streit und kriegen.
Wer Riesen fangen will muß Alexander seyn
Dem war die zehnte Welt für seinen Muth zu klein.
Komm wo du reisen wilst auf Hämus weisse Klippen
Und wo der Taurus sich biß an die Wolcken streckt
Wo nie der Sonnen-Strahl den Caucasus ableckt
Und wo der Apennin zeigt seine dürre Rippen.
So wirstu nimmermehr der Liebe widerstehn
Wer hier nicht folgen will der muß gezwungen gehn.
Sie gehn
Er weiß nicht wo er ist er denckt nicht was er thut
Bald greifft ihn Schrecken an bald wallet ihm das Blut
Es klopfft das Hertze starck es zittern alle Glieder.
Er sicht und sieht auch nicht er sihet einen Berg
Und schreyt Cupido hilff! ach welch ein Wunder-Werck!
Er röchelt halb entseelt sagt mit gebrochnen Worten
Welch eine Riesin nimmt mir Leben und Gestalt
Jhr Götter werd ich nicht noch diese Stunde kalt
Ach daß die Pfeile doch mein Hertze nicht durchbohrten
Cupido biß mir gut und Venus biß geneigt
Nun das Gebirge sich und eine Riesin zeigt.
In einem Augenblick verschwunde Schnee und Flocken
Wo vor die Wüsteney da war ein Paradiß
Man sah die Anmuth selbst die umb die Berge bließ
Und Venus stellte sich mit tausend schönen Tocken
In ihrer Hochzeit ein. So daß Cupido sprach
Ach Mutter laß doch was noch meinem bitten nach.
Hiemit so flocht er sich umb ihre Marmel-
Und saugte süsse Milch von den Granaten auß
Sie stäupte seinen Leib mit einem Blumen-Strauß.
Er aber rief und sprach. Ach Mutter wenn ich wüste
Das deiner Majestät Haupt Urtheil stimmte bey
So sagt ich daß nunmehr
Indem erzeigte sich ein Berg von seltnen Wundern
Er als Cupido kaum der Mutter Brust entfällt
Hat eine Riesin sich zur Gegenwehr gestellt
Mit Waffen ausgerüst von nichts als Brand und Zundern.
Hier steht H
Und der in einer Nacht kan werden bester Freund.
Wie treugt uns nicht der Wahn! Er denckt zu sehen Riesen
Und weiß nicht daß die Stadt die Perle dieser Welt
Dergleichen Riesin schon in ihren Armen hält
Die von der Tugend Lob und Höffligkeit gepriesen.
Sie tritt ihm ins Gesicht und zeuget daß sein Geist
In das Gebirge nicht in sie nur sey gereist.
Cupido sagte zwar die Künste meiner Künste
Sol ich in einem Berg und Riesen stellen dar
Daß meine Deutung doch in allem werde war
So webe Venus mir ein seidenes Gespinste
Das unsern Bräutigam mit seiner Riesin deckt
Und meldet was dabey vor ein Geheimnüß steckt.
Drauff fuhr er ferner fort ein auserwehlt Gebirge
Verheischt dir das Gelück beschert dir diese Nacht.
Die Venus spricht es werd ein Opffer abgeschlacht
Das auch dein eigne Hand im ersten Blut erwürge.
Ich aber mahle dir den Berg der Liebe für
Wo eine Riesin steht voll Seufftzen voll Begier.
Ein Ries ist lang und groß schau die gerade Länge
Wie gleich den Lilien sich deine Riesin weist.
Schau ihren treuen Sinn schau ihren keuschen Geist
Und hastu nicht dabey der Tugend-Gaben Menge?
Ein Berg ist ja ein Schatz der reiche Schätze reicht
Ich glaube daß sich doch nichts deinem Schatze gleicht.
Sih’ an der Berge Höh wie schön ist ihre Stirne!
Der Himmel ist niemahls so hell und ausgeklärt
Als ihre Blicke sie holdselig dir gewehrt
Die Venus im Gesicht und Pallas im Gehirne.
Betrachtestu genau der Augen Sternen-Schein
So können sie bey Nacht ein rechter Pharus seyn.
Ein Berg der breitet sich. Auch ihre schöne Wangen
Umb eine Helena krigt Paris noch zehn Jahr.
Der Jungfern höchster Schmuck und prachtig Ruhm Altar
Ist wenn die Ketten sie der Scham und Zucht umbfangen.
Ob sich des Berges Knopff mit nichts als Wolcken deckt
So ist doch Sanfftmuth nur in diesen Berg versteckt.
Zwey Hügeln gleichen sich die Schwanen gleiche Brüste
Die Riesin ladet dich auff ihre Klippen ein
Du must an Hertz und Muth nur unerschrocken seyn
Und daß sich deine Hand mit Liebes-Waffen rüste.
Erschrick nicht daß der Schnee sich hat so rund gelegt
Und seine Lilien so lebendig bewegt.
Laß den Vesuvius von Gluth und Feuer rauchen
Er gleicht nicht diesem Brand der hier verborgen blitzt
Ob Aetna seine Brust mit Schweffel schon erhitzt
Und in ein Flammen-Meer die schüchtre Welt wil tauchen
So ist bey weiten doch das brennen nicht so starck
Als diß das angefeurt der Liebsten Blut und Marck.
Auch unter diesem Schnee kanstu Erd-Beeren finden
Die Tuberosen blühn auch bey der Winter-Zeit
Und ob sich Aetna schon mit Aschen hat bestreut
So trägt sie Trauben doch in ihren schönen Gründen.
Die Aepffel sind vor dich in diesem Paradiß
Und Adam thäte selbst hier wieder einen Biß.
Bey Bergen ist ein Thal nach rundgewölbten Höhen
Nach auffgethürmter Pracht ziht sich die Gegend ein
Wo silber-helle Quell’ und kühle Hölen seyn.
So bleiben Riesen auch nicht stets auff Spitzen stehen
Sie suchen ihre Lust in Schatten-reicher Nacht
Als wie zur Dido sich Aeneas hat gemacht.
Der nackte Flügel-Gott fing weiter anzumelden
Wer im Gebirge reist bedarff gar offt der Ruh
Es sagt mein treuer Mund dergleichen Schlaf dir zu
Den kaum genossen hat der Kern berühmter Helden.
Die Riesin ist nicht wild sie ladet dich zu ihr
Das Zimmer ist ihr Hertz der Bote die Begier.
Herr Jänisch in die See der Freuden eingesencket
Nahm das erfreute Wort mit Danck verpflichtet an
Und sagte kleiner Gott wo ich was bitten kan
Wo Venus noch an mich die ich geehret dencket.
So schaffe daß der Berg verspüre meine Treu
Und daß die Riesin auch ein Schlaf-Geselle sey.
Was wirckt die Liebe nicht sie lernt mit Riesen kämpffen;
Cupido zog den Pfeil den man den güldnen heist
Der Fried und Einigkeit in die Gemüther geust
Und sagte Beyder Gluth sol keine Zwitracht dämpffen.
Den andern Pfeil der Neid und bittern Haß erweckt
Der bleibe wie vorhin im Köcher eingesteckt.
Ich wil die Juno sammt dem Hymen itzt auffbitten
Daß sie das Hochzeit-Bett zum schönsten butzen aus
Daß Freude Spiel und Schertz schallt durch das gantze Haus
Und man viel Täntze hegt mit kunstgeübten Tritten.
Daß ein vergnügt Glück zu! ein frölich Lebet wohl;
Aus Mund und Hertzen steigt biß an den Sternen Pol.
Herr Jänisch führt nunmehr die Beut in seinen Armen
Er hat den besten Schatz aus dem Gebirge bracht
Worzu sich seine
Und in der Riesin Schoß sol er hinfort erwarmen.
So viel als Federn hier in meinen Flügeln seyn
So viel Ergetzligkeit muß auff die beyde schneyn.
Mein Handel ist nun nichts mit allen meinen Wahren
Diß was höchst-nöthig ist hab ich doch nicht gekaufft;
Eh aber gar die Zeit mir aus der Hand entlaufft
Und mich die Mutter heist in Himmel wieder fahren
So sag ich heilig zu das binnen Jahres Frist
Die Messe so ich bring’ in einer Wiegen ist.