Das Verlohrne Paradies. Achter Gesang.

By John Milton

Raphael endigte hier. Doch seine bezaubernde Stimme

Klang noch immer in

Jhn zu hören; und saß, auf ihn die Gedanken geheftet;

Bis er zuletzt, wie von neuem erwacht, erkenntlich versetzte.

Welchen Dank, und welche Vergeltung kann ich dir erstatten,

Großer göttlicher Lehrer so fremder erhabner Geschichte!

Da du den Durst nach Wissenschaft mir so reichlich gestillt hast,

Und so geneigt, wie ein Freund, zu mir dich heruntergelassen,

Dinge mir zu erzählen, die ich sonst nimmer erfahren,

Preis und Ehre dafür dem großen allmächtigen Schöpfer,

Wie sichs gebührt. Doch bleibt mir indeß ein Zweifel zurücke,

Den du allein mir benehmen kannst. Wenn voller Entzückung

Ich den herrlichen Bau von Himmel und Erde

Und dagegen die Erde beschau, wie ein Punkt nur, ein Sandkorn,

Und ein Stäubchen, verglichen mit jenem stralenden Himmel,

Und den unzähligen Sternen, die unbegreifliche Kreise

Durchzulaufen scheinen, wie dieß aus ihrer Entfernung,

Bloß, so scheint es, Tag und Nacht der dunkelen Erde

Dienstbar zu leuchten; da sonst nach ihrem gewaltigen Umfang,

Fast kein anderer Nutzen erscheint; wenn ich dieses erwäge:

Wundert mich oft, wie die weise Natur, die alles so sparsam

Und mit verschwendrischer Hand so viele größere Körper

Bloß zu diesem Endzweck gemacht, so wie es uns vorkömmt,

Und so schnelle Bewegung, die Tag und Nacht wiederhohlt wird,

Jhrer Laufbahn bestimmt, indeß die ruhende Erde,

Von viel edlern Gestirnen, als wie sie selbst ist, bedient wird;

Ohne die mindste Bewegung ihr Ziel erreichet, und ruhig

Jhren Tribut empfängt von Licht und von Wärme, der täglich

Jhr mit einer Eile, mit einer Geschwindigkeit zuströmt,

Selber der Phantasie die gehörigen Zahlen ermangeln.

Also sagte der erste Vater. An seiner Gebärde

Sah man, daß sich sein Geist in ernste verborgne Gedanken

Still nachsinnend vertieste. Da

Jhm im Gesicht saß, auf, mit majestätischer Demuth,

Und mit solcher Schönheit geschmückt, daß, wer sie nur sahe,

Bey sich den Wunsch that, daß sie zu bleiben würdigen möchte.

Reizend wandelt sie fort zu ihren Früchten und Blumen,

Vorgesproßt; freudiger lachten bey ihrer Ankunft die Blumen,

Und entfalteten sich durch ihre Berührung geschwinder.

Doch entfernte sie darum sich nicht, als ob sie an solchen

Ernsten erhabnen Reden sich nicht zu ergötzen vermöchte,

Sparte sie sich auf künftige Zeit, wenn sie es alleine

Hören würde von

Eines Engels Erzählung vor, und wollte viel lieber

Und mit welchem gefälligen Scherz er, was ihr zu hoch schien,

Jhr erklärte. Von seinen Lippen gefielen ihr Worte

Nicht ganz allein. O! wenn kömmt itzt, voll Freundschaft und Liebe,

So ein glücklich vereinigtes Paar, wie dieses, zusammen?

Und nicht ohne Begleitung, fort; von einem Gefolge

Siegender Grazien ward sie umringt, die voller Verehrung

Jhr, wie ihrer Königinn, dienten; sie schossen rund um sie

Pfeile von süßem Verlangen in aller Augen und Herzen,

Huldreich und willig auf