Das Verlohrne Paradies. Neunter Gesang.
By John Milton
Nicht mehr Gespräche, wie sonst, da mit dem Menschen vertraulich
Gott noch, oder ein englischer Gast, wie ein Freund mit dem Freunde,
Umgang pflog, und bey ihm saß, und mit ihm gefällig
Eine ländliche Mahlzeit hielt, wobey ihm vergönnt war,
Diese Töne nunmehr verändern. Von Seiten des Menschen
Zeigt sich schnöder Verrath, und Treubruch, Empörung und Mistraun;
Und von Seiten des Himmels, der ihn verlassen, Entfernung,
Zorn, und wohlverdienter Verweis, und das Urtheil des Todes,
Jhren Schatten, den Tod, und das Elend, des Todes Begleiter.
Ein zwar trauriges Werk, doch nicht minder, ja mehr noch heroisch
Als der Zorn des harten
Seinen fliehenden Feind um
Jhm geraubte Verlobte,
Vom
Und der
Wenn nur meinen Gesang durch wahren erhabenen Ausdruck
Mich von selbst zu besuchen des Nachts; und die mir im Schlummer
Meine Gedanken begeistert, und, ohne daß ich drauf sinne,
Selbst den fließenden Vers in meiner Entzückung mir vorsagt,
Seitdem, da mir zuerst zu einem heroischen Liede
Und spät anhub; indem von Natur mein Geist nicht geneigt ist,
Blutige Schlachten und Kriege zu singen, den einzigen Stoff nur,
Den man bisher für heroisch erklärt; wenn etwan sich künstlich
Mit verdrüßlichen langen Gefechten die Ritter der Fabel
Jene höhere Stärke der edlern Geduld, und die Thaten
Tapfrer Märtyrer nicht befang, und vorzog, Turniere
Zu beschreiben, und Ritterspiel’, und Rüstungen, schimmernd
Von geschlagenem Gold; und blasonnierete Schilde,
Und von Golddrath gewirkte Schabracken und prächtige Ritter,
Die mit Lanzen und Schwerdt in offener Rennbahn sich zeigten;
Dann ein prächtiges Mahl im Rittersaale gehalten,
Wo sie Marschall und Truchseß, und Seneschallen bedienten.
Weder dem Manne, noch auch dem Gedicht, den Namen heroisch
Mitzutheilen vermocht. Hierinnen wenig geübet,
Ist mir ein höherer Stoff zurückegeblieben, der hinreicht,
Durch sich selber dieß Lied zum Heldenliede zu heben;
Oder die Last der Jahre die aufwärtsgerichteten Schwingen
Niedergedrückt; sie könnten es wohl, käm’ alles von mir her,
Und nicht von ihr, die des Nachts zu meinen Ohren es bringet.